Leben
17.10.2017

Social Media: Immer mehr animieren zu Anorexie

Eine aktuelle Studie deckt die problematische Selbstdarstellung essgestörter Frauen auf Social Media auf.

In einer aktuellen Studie sprechen britische Forscher von einer alarmierend hohen Anzahl von Social-Media-Profilen, die Unterernährung und Essstörungen propagieren. Wissenschafter der britischen University of Exeter weisen in einer neuen Erhebung nun erneut darauf hin, wie gängig und problematisch die Verbreitung derartiger Inhalte auf Instagram und Co. ist.

"thinspiration", "fitspiration", "bonespiration"

Auf den entsprechenden Accounts findet man in der Regel Bilder extrem magerer Frauen, die ihre Körper zur Schau stellen. Versehen werden die Aufnahmen mit den Hashtags "thinspiration”, "bonespiration" und "fitspiration". Die Wortkreationen, die allesamt den englischen Begriff "inspiration" beinhalten, sollen zum Nachahmen motivieren.

Im Zuge der aktuellen Studie analysierten die Forscher 734 Fotos, die unter den genannten Hashtags geteilt wurden. Dabei offenbarte sich den Wissenschaftern eine beträchtliche Zahl bedenklicher Inhalte und unzählige Accounts, die Essstörungen und unterernährte Körper gezielt glorifizieren.

Der schädliche Einfluss, den derartige Bilder und Profile auf die Userschaft, und in erster Linie junge Mädchen und Frauen, haben, ist längst erwiesen. Forscher der Universität Adelaide in Australien hielten in einer im Jänner dieses Jahres veröffentlichten Studie fest, dass Frauen, die unter dem Hashtag "fitspiration" posten, eher Gefahr laufen, eine Essstörung zu entwickeln. 2015 belegten australische Forscher der Flinders University einen ähnlichen Effekt.

"Besorgniserregend"

"Es ist sehr besorgniserregend", betont Rhiannon Lambert, Expertin auf dem Gebiet der Essstörungen, gegenüber dem Independent. "Ich habe Klienten, die sich Thigh Gaps (Lücke zwischen den Oberschenkeln, Anm. d. Redaktion) wünschen. Sie vergleichen ihr äußeres Erscheinungsbild mit dem anderer und leiden an Angstzuständen, wenn sie Social Media nutzen", weiß die Ernährungswissenschafterin.

Die immense Problematik der Glorifizierung von Essstörungen auf sozialen Medien zeigt sich nicht zuletzt in der beträchtlichen Reichweite, die Inhalte dort erreichen. Experten gehen daher davon aus, dass auf Instagram oder Twitter geteilte Fotos mittlerweile weitaus mehr Schaden anrichten, als beispielsweise Pro-Ana-Websites (Bewegungen von Mager- beziehungsweise Ess-Brechsüchtigen im Internet).

Hashtags blockiert

Instagram hat bereits vor Jahren auf das Problem reagiert. Vor vier Jahren verbannte die Plattform unter anderem die Hashtags "anorexia", "proana" und "thighgap". Ein Versuch, die User zu schützen. Gebracht hat das bis dato wenig, da sich in der Community laufend neue Hashtags etablieren.

"Anorexie und unkontrolliertes Abnehmen sind ernstzunehmende soziale und medizinische Probleme", erklärt Catherine Talbot, Psychologin an der University of Exeter. Um das Problem anzugehen, müsse man sich dem Einfluss von Social Media und der Tatsache, dass dort Abnehmen gezielt propagiert wird, bewusst sein. "Das kann die psychische und physische Gesundheit von Menschen ernsthaft schädigen", schildert Talbot. Vor allem Teenager müssten daher an Schulen über die potenziellen Gefahren und die Relevanz einer positiven Selbstwahrnehmung informiert werden.