Mit Grundnahrungsmitteln kochen: Wiener Spitzenköche zeigen, wie's geht
Der neue Warenkorb für begünstigte Lebensmittel soll den Einkauf leistbarer machen. Österreichische Profiköche begegnen der Auswahl jedoch mit Skepsis.
Seit dieser Woche ist es offiziell: Die Mehrwertsteuer wird ab 1. Juli 2026 für zahlreiche Grundnahrungsmittel auf 4,9 Prozent gesenkt. Der Großteil der genannten Produkte werde in Österreich hergestellt und verarbeitet, heißt es seitens der Bundesregierung.
Zum „Warenkorb für begünstigte Lebensmittel“ zählen unter anderem Milch, Eier, viele heimische Gemüse- und Obstsorten, Getreide, Backwaren und Speisesalz. Fleisch, Fisch, Käse, Öl, Gewürze (außer Speisesalz) sowie etwa Beeren oder Bananen fehlen hingegen in der Liste.
Kritik aus der Gastro
Österreichische Spitzenköche stehen dem Warenkorb skeptisch gegenüber. Jonathan Wittenbrink und Larissa Andres vom veganen Restaurant Jola finden es an sich „gut, dass es einen Fokus auf Obst und Gemüse gibt“. Aber es sei „schade, dass man keine pflanzliche Butter oder pflanzliche Milchsorten hinzugefügt hat, da pflanzliche Milchsorten ohnehin 20 Prozent Mehrwertsteuer haben – im Vergleich zur tierischen Variante, die nur 10 Prozent hat“.
Auch Haubenkoch Paul Ivić vom vegetarischen Restaurant Tian findet „grundsätzlich jede Maßnahme, die leistbare Lebensmittel ermöglicht, positiv“. Allerdings sei es „entscheidend, dass sie dort wirkt, wo sie wirken soll: bei den Kunden und bei der heimischen Landwirtschaft. Dazu zählen auch Bio- und Demeter-Betriebe“.
„Besser als gar nichts“
Ähnlich sieht es die Spitzenköchin Parvin Razavi vom Wiener Edel-Restaurant &flora: „Aus meiner Perspektive wäre es sinnvoller, die Energiekosten zu drosseln. Was bringt eine Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel einer alleinerziehenden Mutter, wenn sie nicht weiß, ob sie sich die Heizkosten leisten kann? Aber natürlich ist es besser als gar nichts.“
Lässt es sich mit den Grundnahrungsmitteln denn auch gut kochen? Grundsätzlich ja, „ist aber eher schwierig“, sagt Razavi. Für viele Gerichte braucht es geschmacklich mehr als Salz allein – etwa Öl, Gewürze oder Zucker.
Auch Ivić betont: „Ernährungsphysiologisch ist es nicht optimal, wenn man dauerhaft auf Öl, Gewürze und andere Zusätze verzichtet. Gewürze steigern zudem die Essbarkeit – was wichtig ist, damit man genug und ausgewogen isst.“
Preiswert genießen
Paul Ivić, Parvin Razavi und Jonathan Wittenbrink haben dem KURIER drei Rezepte (siehe unten) zur Verfügung gestellt, die zum Großteil mit den vergünstigten Grundnahrungsmitteln auskommen. Allein damit ließ sich jedoch keines ihrer Gerichte umsetzen.
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