Leben
30.11.2018

Dieses Kleid zählt, wie oft Frauen im Club begrabscht werden

Für ein Experiment wurden drei Frauen in dem Kleid in Nachtclubs in Brasilien geschickt.

Für eine Kampagne im Auftrag des Getränkeherstellers Schweppes hat die Werbeagentur Ogilvy gemeinsam mit Forschern ein Kleid kreiert, das anzeigt, wie oft die Frau darin berührt wird. Das Experiment wurde in Nachtlokalen in Brasilien durchgeführt. Zuvor hatten befragte Männer in Interviews angegeben, dass sexuelle Belästigung von Clubbesucherinnen kein brisantes Thema sei.

In dem Kleid, das für das Projekt "The Dress for Respect" ("Das Kleid für Respekt") geschaffen wurde, sind Sensoren eingenäht, die Berührungen und ihre Intensität aufzeichnen. Diese Informationen werden dann an ein visuelles System weitergeleitet, damit die Forscher die Belästigung in Echtzeit verfolgen können.

157 Berührungen

Für den Test des Kleides wurden drei Frauen in Nachtlokale geschickt. Die ganze Nacht hindurch wurden auf den Computern der Forscher die ungewünschten Berührungen nach dem Prinzip einer Wärmebildkamera angezeigt. Insgesamt wurden die Frauen in weniger als vier Stunden 157 Mal berührt. Am häufigsten wurden sie an den Armen, dem Rücken, den Schultern und der Hüfte begrabscht. In dem Video zu dem Projekt ist zu sehen, dass die Frauen die Männer häufig baten, sie nicht zu berühren.

Problematik sexueller Übergriffe

Das Experiment zeigt auf, wie verbreitet sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum ist. Eine Ende 2017 veröffentlichte Erhebung des Linzer Market-Instituts ergab, dass 41 Prozent der österreichischen Frauen schon einmal von einem Mann belästigt worden sind (mehr dazu hier).

Eine erst kürzlich erschienene internationale Erhebung zeigt, wie groß die Problematik sexueller Übergriffe weltweit ist. Demnach hat jede zweite Frau in den USA auf der Straße bereits sexuelle Bemerkungen oder Beleidigungen erfahren, in Großbritannien sind es 43 Prozent, in Spanien 40. In Frankreich gaben dies 39 Prozent der befragten Frauen an, in Deutschland 36, in Italien 25.