Leben 05.03.2018

Warum Väter in Karenz gehen

Peter Bukal  blieb ein halbes Jahr bei seiner Tochter zu Hause. © Bild: KURIER/Franz Gruber

Immer mehr Männer wollen eine engere Beziehung zu ihren Kindern als es ihre Väter hatten.

Dass Männer in der Öffentlichkeit über die Liebe zu ihren Kindern sprechen, wäre vor Jahren noch undenkbar gewesen. Heute ist das anders: Fußballstars wie David Beckham äußern sich über ihren Nachwuchs genauso wie Firmenchefs, etwa Facebookgründer Mark Zuckerberg .

Dass diese Väter keine Ausnahme sind, bestätigt eine Umfrage unter 8.300 Männern in 22 Ländern – von Russland über Österreich bis Südafrika und Kolumbien reicht der Bogen. Demnach wollen zwei Drittel aller Männer eine Beziehung zu ihrem Nachwuchs; diese soll sich von der unterscheiden, die sie selbst zu ihren Eltern hatten.

Prioritäten setzen

Laut Studienautorin Pauline Keating von Viacom International setzen "Väter heute neue Prioritäten, um mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können. Sie profitieren von ihrer neuen Rolle – durch emotionale Nähe und ein erfüllendes Lebensgefühl." Doch was Frauen bereits wissen, stellen jetzt auch viele Väter fest: Es ist oft schwierig, die Balance zwischen Job und Familie zu schaffen. "Besonders in Schweden, wo halbe-halbe in Job und Familie selbstverständlich ist, klagen viele, dass sie weder für Kinder noch für Beruf genug Zeit haben", berichtet Keating.

Fast 20 Prozent Karenzväter in Österreich

In Österreich sind Väter, die in Karenz gehen, zwar keine Exoten mehr – mit knapp 20 Prozent aber noch eine Minderheit. Allerdings bleiben nur zehn Prozent ganze sechs Monate beim Kind.

Einer, der sich bewusst dafür entschieden hat, sich ein halbes Jahr Auszeit zu nehmen, ist Peter Bukal. Der Arzt hat sich seit der Geburt seiner Tochter alle Aufgaben mit seiner Frau geteilt. "Egal ob Wickeln, Fläschchen geben oder Spazieren gehen – für mich ist das alles selbstverständlich." Auch für die Tochter ist es kein Unterschied, ob jetzt Mama oder Papa ihr beim Anziehen helfen.

Mit dem Papa toben

Wirklich? "Nicht ganz", schmunzelt der 36-Jährige: "Ich bin wohl der Elternteil, der eher das Motorische mit ihr trainiert. Mit der Mama will sie Bücher lesen. Ich glaube aber, dass es weniger mit dem Geschlecht zu tun hat, sondern mit unserem Charakter und unseren Neigungen."

Peter Bukal und seine Frau haben sich die Karenz geteilt. Er blieb sechs Monate bei seinem Kind: "Ich habe einen Riesenspaß und eine Freude mit ihr. Ich genieße es täglich, mit ihr etwas zu unternehmen." Mittlerweile arbeitet seine Frau Vollzeit, er hat Stunden reduziert.

Ob es ein Vorteil ist, wenn Vater und Mutter zu Hause sind? "Ich denke schon, dass es für die Kinder und die Gesellschaft gut ist, wenn Väter in Karenz gehen. Obwohl die Kinder selbst sehr flexibel sind und sich auch damit arrangieren, wenn nur die Mutter zu Hause ist. Für die Familienharmonie ist es auf jeden Fall besser, wenn sich Eltern die Aufgaben teilen."

Respekt vor der Aufgabe

Richtiggehend Respekt vor seiner Aufgabe, bei den Kindern zu Hause zu sein, hatte Roman Fraller – er muss in seiner Karenzzeit nämlich gleich Zwillinge versorgen. Heute ist der 39-Jährige froh, dass er sich zu dem Schritt entschlossen hat: "Sowohl die schönen als auch die anstrengenden Erfahrungen kann man nur selbst machen. Jetzt bin ich in die Vaterrolle richtig reingekippt und glücklich damit."

Und das obwohl er zuvor nicht unbedingt einen Draht zu Kindern hatte. "Man verändert sein Wesen durch die Kinder – es ist einfach schön, Vater zu sein." Er ist da nicht alleine: "Am Spielplatz sehe ich immer mehr Väter, die sich um ihren Nachwuchs kümmern." Fraller selbst stammt aus dem Burgenland: "Mein Vater war Pendler und deshalb wenig präsent." Ihm selbst fehlt die Arbeit derzeit nicht: "Das kann sich aber ändern, wenn ich ein Jahr bei meinen zwei Kindern zu Hause verbracht haben werde."

Eine Erfahrung, die auch andere Männer machen möchten: Drei Viertel der kinderlosen Männer geben an, dass sie eines Tages Kinder haben wollen. Als größtes Hindernis sehen viele, "dass die Arbeitswelt noch nicht familienfreundlich genug ist", sagt Pauline Keating.

( kurier.at ) Erstellt am 05.03.2018