Private Vermietung boomt im Internet

Reiseplattform Airbnb setzt auf „Teilen“-Trend.
Ein rotes Flugzeug dient als ungewöhnliches Haus inmitten üppiger Vegetation.

11.000 Villen, 1000 Boote, 500 Schlösser und 500 Baumhäuser. Wer bei seinem Urlaub ein außergewöhnliches Quartier sucht oder den Reiseort mithilfe einheimischer Gastgeber kennenlernen möchte, wird bei Airbnb fündig. Die 2008 im kalifornischen Silicon Valley gegründete Vermietungsplattform zählt mittlerweile über 300.000 Inserate an 35.000 Orten. Allein 2012 buchten über drei Millionen Gäste über Airbnb, das Wachstum in Österreich betrug plus 466 Prozent.

Nachhaltigkeit

Neben dem alternativen touristischen Zugang fernab von Bettenburgen und unpersönlichen Hotels stehen Portale wie Airbnb (www.airbnb.at) auch für den in Mode gekommenen Begriff der „Share Economy“. Ausgehend von der Popularität sozialer Netzwerke, in denen der Nutzer Information nicht nur passiv konsumiert, sondern auch aktiv teilt, übertrug sich das Konzept rasch auf die reale Welt, wie der Boom von Carsharing oder Vermietungsplattformen wie Airbnb verdeutlicht.

Porträt eines Mannes mit Bart und blauen Augen vor einer Ziegelwand.
Thomas Reiter, Vice President International Airbnb
„Die sogenannte Share Economy erlaubt es uns als Gesellschaft, mehr zu konsumieren und gleichzeitig nachhaltiger zu leben“, sagt der für das internationale Geschäft zuständige Airbnb-Manager Martin Reiter im Gespräch mit dem KURIER. Steigende Lebenserhaltungskosten könnten durch die private Vermietung des eigenen Hab und Gut über das Internet abgefangen werden.Für den aus einem kleinen Dorf bei Leoben stammenden Reiter sind es aber nicht nur ökonomische Anreize, die das Teilen von Wohnungen oder Autos zunehmend populär machen: „Der Mensch ist ein zutiefst soziales Wesen, das sich austauschen und mit anderen verbinden will.“

Ältere Generation

Obwohl es sich bei Airbnb um eine junge Webplattform handle, seien interessanterweise auch sehr viele Pensionisten unter den Gastgebern. „Wenn die Kinder ausgezogen sind, ist das eine wunderbare Möglichkeit, die mitunter auch emotionale Leere im Haus auszufüllen“, so Reiter.

Für Reisende wiederum ergebe sich die völlig neue Option, ein Reiseziel über die vor Ort verwurzelten Menschen kennenzulernen. Daher will sich Airbnb weiterhin auf private Anbieter konzentrieren. „Der Lebenshintergrund und die Emotionen der Vermieter spiegeln sich in den angebotenen Wohnungen und Zimmern wider. Diese Authentizität würde bei rein professionellen Anbietern verloren gehen“, sagt Reiter.

Das komplette Interview mit Martin Reiter lesen Sie auf futurezone.at

Von Apartments und Zimmern zu Baumhäusern und Schlössern: Die Online-Plattform Airbnb erlaubt Reisenden bei Privatpersonen zu übernachten und will so eine konkurrenzfähige Alternative zu Hotels sein. Es werden in mehr als 33.000 Städten und 192 Ländern Unterkünfte in allen Preisklassen angeboten. Wir haben Eugen Miropolski, Regionalmanager von Airbnb für Europa, gefragt, was für ihn die außergewöhnlichsten Unterkünfte im Angebot sind:

Ein rundes Baumhaus versteckt im dichten Grün des Waldes.

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Ein Schlafzimmer in einem geodätischen Kuppelhaus mit Bett und Nachttischen.

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Blick aus einem Zimmer mit Holzwänden auf eine hölzerne Terrasse und Bäume.

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Ein großes, steinernes Schloss mit mehreren Türmen und Fenstern.

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Ein Wohnzimmer im Landhausstil mit Kamin, roten Möbeln und dunkler Holzvertäfelung.

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Ein Schlafzimmer mit Himmelbett, roten Ledersesseln und einem alten Harmonium.

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Das schneeweiße, muschelförmige Casa Caracol mit Pool in Isla Mujeres, Mexiko.

Ein Schwimmbad mit türkisfarbenem Wasser und Liegestühlen unter Palmen.

Ein Badezimmer mit einem Spiegel, der mit Muscheln verziert ist, und einem Waschbecken in Form einer Muschel.

Eine kleine tropische Insel mit Palmen und weißem Sandstrand im türkisfarbenen Wasser.

Ein tropischer Strand führt zu einer kleinen Insel unter blauem Himmel.

Eine kleine Hütte steht am Strand, umgeben von Palmen und üppiger Vegetation.

Ein Schlafzimmer mit einem Autobody-Heck als Regal über dem Bett.

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Innenansicht eines Lofts mit freiliegenden Holzbalken und rustikalen Möbeln.

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Ein Schlafzimmer mit einem Bett, über dem das Heck eines türkisfarbenen DeSoto an der Wand montiert ist.

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Ein rotes und silbernes Flugzeug dient als ungewöhnliches Haus inmitten üppiger Vegetation.

Ein holzvertäfeltes Zimmer mit zwei Betten und kleinen Fenstern an der Seite.

Ein Badezimmer mit Holzakzenten, einer Dusche mit Vorhang und einem Fenster mit Blick auf die Natur.

So funktioniert‘s

Das Angebot ist groß von Low-Budget bis gehoben, denn solange ein Mindeststandard in Sachen Sauberkeit und Sicherheit erfüllt ist, kann jeder seine Unterkunft kostenlos auf Airbnb anbieten. Damit sich Gastgeber, einmal im Listing aufgenommen, nicht auf die faule Haut legen, gibt es außerdem ein Bewertungssystem, bei dem Reisende ihre Erfahrung beschreiben können. Gleichzeitig darf auch jeder Gastgeber selbst entscheiden, wen er beherbergen möchte. Passiert trotzdem einmal ein Missgeschick, bietet die Plattform eine Garantie, entstandene Schäden bis zu einer Million US-Dollar abzudecken.

Hat man eine passende Unterkunft gefunden, nimmt man über die Plattform Kontakt mit dem Gastgeber auf und bezahlt über ein gesichertes System. „Der Gastgeber erhält sein Geld erst 24 Stunden nach Ankunft des Gastes“, so will man sicherstellen, dass alles reibungslos abläuft und die Unterkunft auch allen Erwartungen entspricht.

Wie verbreitet ist Airbnb in Österreich?

Die Zahl der Österreicher, die Airbnb als Gäste nützen, ist innerhalb eines Jahres stark gestiegen, erzählt Eugen Miropolski: „Im Herbst 2011 buchten durchschnittlich 90 Österreicher pro Nacht eine Airbnb Unterkunft, im Herbst 2012 waren es fast 360 Buchungen“, umgekehrt würden hierzulande über 1700 Unterkünfte zur Verfügung stehen, „Zum Jahreswechsel 2013 buchten sogar über 1300 Gäste via Airbnb eine Unterkunft in Wien“. Selbst steigt der Regionalmanager nicht mehr in Hotels ab: „Ich glaube, innerhalb der Firma führe ich vielleicht sogar die Liste mit den meisten gebuchten Aibnb Unterkünften an. Das liegt aber sicher auch daran, dass ich für ein ganzes Jahr keine eigene Wohnung hatte“.

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