Kultur
02/20/2019

Wegen Gabalier: Amadeus Awards ohne Soap & Skin, Rapper einvernommen

Sängerin "entsetzt" darüber, in der selben Kategorie nominiert zu sein. Sachverhaltsdarstellung gegen Kid Pex und Kroko Jack.

Andreas Gabalier ist weiterhin Reibebaum der heimischen Musikszene. Anja Plaschg, die als Soap & Skin mit ihrer Musik auch international für Aufsehen sorgt, wird den heurigen Amadeus Awards fernbleiben, ließ sie auf Instagram wissen. "Danke, aber nein danke" betitelte sie ihren Eintrag, in dem sie Gabalier nicht beim Namen nannte.

"Mich in derselben Kategorie sowie in derselben Veranstaltung mit einem Möchtegern-Magnat zu wissen, der sein reaktionäres, nationalistisches, chauvinistisches und sexistisches Lebenskonzept zu kommerzialisieren weiß und hier Anklang findet, entsetzt mich derart dass ich an der Veranstaltung nicht teilnehmen werde", heißt es darin.

Veranstalter: "Muss man akzeptieren"

Den Verzicht der heimischen Musikerin  müsse man „akzeptieren“. Das teilte der Veranstalter des Musikpreises, der Musikwirtschaftsverband IFPI, auf APA-Nachfrage mit. Die Amadeus Awards würden Künstler „aus unterschiedlichsten Genres, von Alternative bis zum volkstümlichen Schlager“, auszeichnen, heißt es in dem Statement der IFPI. „Die Vielfalt der Musikstile steht seit jeher im Zentrum der Preisverleihung.“ Einmal im Jahr solle auf diese Weise „die bunte österreichische Musikszene“ zusammengebracht werden, um gemeinsam zu feiern. „Selbstverständlich treffen dabei auch verschiedene Meinungen und Weltanschauungen aufeinander. Wir freuen uns, wenn möglichst viele Künstlerinnen und Künstler unserer Einladung folgen und müssen auch akzeptieren, wenn es Absagen gibt.“ Bereits 2009 und 2013 waren Gabalier und Soap&Skin in denselben Kategorien nominiert, auch damals betraf es das „Album des Jahres“.

Noch keine Informationen gibt es seitens der Veranstalter, ob anstelle von Soap&Skin nun andere Künstler nachnominiert werden.

Von Andreas Gabalier gab es zur Causa vorerst kein Statement. Der Musiker stehe weder für eine Stellungnahme noch für ein Interview zur Verfügung, hieß es von seinem Management gegenüber der APA.

Andreas Gabalier wurde 1984 in Kärnten geboren, aufgewachsen ist er jedoch in Graz, mit seinen drei Geschwistern. Sein Bruder ist der Turniertänzer Willi Gabalier.

Der französische Familienname stammt von einem Soldaten, der 1796 im Verlauf des Italienfeldzugs von Napoleon Bonaparte nach Österreich kam.

Bevor er sich der Volksmusik zuwandte, war er an der Handelsakademie und begann ein Studium der Rechtswissenschaften.

Seinen ersten Auftritt hatte er am 18. April 2009 im Musikantenstadl mit "So liab hobi di".

Im selben Jahr nahm er am Vorentscheid für den Grand Prix der Volksmusik teil, musste allerdings hinter Sänger Franz Brei zurückstecken. Seinen Durchbruch feierte er 2009 trotzdem mit seinem ersten Album "Da komm' ich her", das für einen Amadeus als Album des Jahres nominiert wurde.

Alle darauffolgenden Alben waren auf Platz 1 der österreichischen Charts. 2011 gelang es Gabalier zudem, gleichzeitig drei Alben in den Top 10 zu positionieren.

Seit 2013 ist Gabalier mit der österreichischen Moderatorin Silvia Schneider liiert.

2014 gab Gabalier bei den "Rosenheim-Cops" sein Schauspieldebüt.

Bereits im darauffolgenden Jahr sorgte mit der Aussage: "Es ist nicht leicht auf dieser Welt, wenn man als Manderl heute noch auf ein Weiberl steht" bei der Verleihung des Amadeus für Unmut...

... und Gabalier musste sich mit Kritik über sexistische Aussagen auseinandersetzen. 

Bei Madame Tussaud's im Wiener Prater steht seit 2017 sogar eine Wachsfigur von Gabalier.

Nachdem seine Äußerungen über "Standort" und "Flater" (gemeint hatte er die Zeitungen "Der Standard" und "Falter") Ende letzten Jahres für Verwunderung gesorgt hatten, ist Gabalier mit der Verleihung des Karl-Valentin-Ordens wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Und das nicht nur auf der Kitzbühler Streif, bei der er auf dem Foto zu sehen ist.

Sachverhaltsdarstellung gegen Rapper

Der Anwalt von Gabalier hat inzwischen gegen zwei österreichische Rapper eine Sachverhaltsdarstellung wegen gefährlicher Drohung eingebracht, berichtet Der Standard. Demnach geht es um die Textzeile "I tat den Andi Gabalier net an die Wand stellen lassen, aber samma si ehrlich, eigentlich gehört er dasch…" aus "So viel Polizei" von Kid Pex und Kroko Jack. Letzterer sei bereits von der Polizei einvernommen worden.

Kid Pex sagte laut Standard, dass dies "keine Drohung" sei, sondern "eine durchaus im Hip Hop gängige, überspitzte Formulierung". Nicht Andreas Gabalier gehöre erschossen, sondern "das Weltbild, welches er vertritt, welches Hass und Hetze legitimiert und in welchem weder Platz für Töchter noch für Ausländer und Andersdenkende ist".