schriftsteller thomas raab

© KURIER/schraml wilhelm

Thomas Raab
03/16/2013

Was macht das Mascherl vom Hund auf dem Bier?

Thomas Raabs neuer Roman "Der Metzger kommt ins Paradies"

von Peter Pisa

Er wollte ja nicht auf den KURIER-Rat hören, dass es Zeit wird, mit seinem Möbelrestaurator Metzger Ruhe zu geben. Nein, sturer Mensch, der Raab; und das hat man davon: einen Krimi, der sich über Eisenbahn-Klos aufregt – was gut ist. Aber „Der Metzger kommt ins Paradies“ kümmert sich vor allem um Strandverkäufer in Jesolo, Caorle; das ist sehr gut.
Vorausgesetzt, man dringt vor, bis sich der Metzger – zum Ärger von Freundin Danjela – am Strand fadisiert. Denn Thomas Raab genießt in vollen Zügen, umständlich zu schreiben. Bevor jemand stirbt, wird von seinem ersten Teddybären erzählt, der nach dem Waschen übel ausgeschaut hat, und Teddybärs Nachfolger, der Maulwurf usw. Beeindruckend. Bumm und tot – so schreiben eh fast alle Krimiautoren.
Dem Metzger ist nicht lang fad. Aus dem Erste Hilfe-Kasten eines Animationsclubs fällt ein Strandhändler, ohne Augen, und das verschwundene Hündchen einer Urlauberin wird aus dem Sand gebuddelt (während das Mascherl in der Kühltasche eines anderen Urlaubers die Bierflasche ziert) ...
Im ersten Teil lebt sich der Autor aus. Im zweiten, wenn der neugierige Metzger nach Wien zurückkehrt, ist für Spott kein Platz. Dann ist der Roman erschreckend.

KURIER: Sie haben mit den Strandhändlern geplaudert?
Thomas Raab: Man kann nicht immer so tun, als würde man schlafen. Viele haben sich neben mich in den Liegestuhl gesetzt und waren dankbar, dass sich aus dem Handtuchschlepper der Mensch herausschälen konnte.

Und jeder hat eine Geschichte.
Manche kommen als Boatpeople, manchen studieren und verdienen sich ein paar Euro, manche pendeln, bringen nach dem Sommer ihr Geld heim nach Ghana zum Beispiel. Mit Geld meine ich 10 Euro Tagesverdienst. Und einige tun alles, um zu uns rauf zu kommen, inklusive Selbstverstümmelung. Eine Leber für die Freiheit, so wie mal ein Chinese, um sich ein iPad leisten zu können, seine Niere verscherbelt hat. Die dahinter steckende organisierte Kriminalität, die Menschenverschleppung, hat mich getroffen, also konnte ich nicht umhin, das Buch in diese Richtung zu bewegen.

KURIER-Wertung: **** von *****

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