Vom Werbefilmer zum Wunderkind der Charts

Woodkid
Woodkid, bis dato Video-Regisseur für Rihanna und Katy Perry, veröffentlicht sein erstes Album.

Gehetzte Percussion und eine zerbrechliche Stimme, sakrale Orgeln, Filmmusik-Bombast und ein melancholisches Piano. Das ist der Sound von Woodkid. Ein Sound, dessen Wurzeln der Franzose in seinen Kindheitserlebnissen in den späten 90er-Jahren sieht: „Ich saß in meinem Zimmer und nebenan schauten meine Eltern ,Twin Peaks’ oder Fantasy-Filme“, erinnert er sich im KURIER-Interview. „Ich durfte das nicht schauen, weil das zu gewalttätig war. Aber ich fand die Musik faszinierend und erdachte mir dazu meine eigenen Bilder. Ich habe es auch geliebt, mir Filmsoundtrack-CDs anzuhören – und mich zu fragen, welche Bilder die in mir wecken.“

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So entstand in dem heute 28-Jährigen schon früh die Liebe zur Verbindung von Musik und Visuellem. Aber erst 2011 kam er, als Kind acht Jahre lang in Klavier ausgebildet, auf die Idee, selbst Musik zu machen. „Ich habe Bildende Kunst studiert, dann als Grafiker gearbeitet und wurde von dort zum Film geholt. Meine Eltern waren in Werbeagenturen, also habe ich auch viele Werbungen gedreht und nie daran gedacht, vom Musikmachen zu leben. Aber als ich dann Videos für Rihanna, Katy Perry und Lana Del Rey machen konnte, wollte ich einen Clip haben, der von der Musik bis zu den Bildern meiner ist.“

Woodkid steckte all das Geld, das er als Regisseur verdient hatte, in sein eigenes Projekt und stellte 2011 „Iron“ ins Netz. Schnell wurde er damit zum You-Tube-Phänomen und der Song zum Träger der Kampagne für das „Assassin’s Creed“-Game. 2012 folgte „Run Boy Run“. Und am Freitag erscheint endlich das erste Album des mittlerweile in New York lebenden Multitalents.

„The Golden Age“ hat Woodkid das Konzept-Werk genannt. „Es geht um einen Buben, der aus Holz gemacht wurde und mit der Zeit versteinert wird“, erklärt er. „Das verwende ich als Metapher dafür, dass man aus dem Elternhaus heraustritt, in der Welt der Erwachsenen bestehen muss und dabei mit Themen wie Religion und Krieg konfrontiert wird.“
Auf die Schwarz-Weiß-Ästhetik der Videos zu „The Golden Age“ kam Woodkid aus Kostengründen. „Iron“ wäre wegen der Spezial-Effekte in Farbe viel teurer geworden.

Grizzly

Aber auch bei den Clips zu „I Love You“ und „Run Boy Run“ blieb er dabei, weil „Schwarz-Weiß-Bilder künstlerisch viel hergeben“ – obwohl er sich jetzt alles leisten könnte. „Ich habe sicher ein viel höheres Budget für meine Clips als jeder andere Alternative-Act. Außerdem arbeiten durch meine Beziehungen viele Leute gratis für mich. Aber das brauche ich auch. Denn man muss als Regisseur auch mal falsch liegen können. Ich habe zum Beispiel für ,Run Boy Run’ eine Szene mit einem Grizzly gedreht. Ich habe dem Besitzer des Bären ein halbes Vermögen dafür bezahlt, aber im Schnitt hat die Szene dann nicht funktioniert. Also habe ich sie rausgeschnitten und in den Müll geworfen.“

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