Kultur
08.03.2013

Mumford & Sons: Im Erfolgs-Dilemma

Die britischen Durchstarter fühlen sich als Pop-Stars nicht so recht wohl.

Sie sitzen in der Garderobe im Kreis, eine Flasche Whiskey zur Hand, vielleicht auch Bier oder Wein, jedenfalls aber jede Menge Instrumente: Gitarre, Banjo, Fidel und alles, worauf man rumklopfen kann. Und dann – nachdem sie vorher eineinhalb Stunden lang ein Konzert gespielt haben – jammen Mumford & Sons für eine Stunde. Oder noch länger, wenn es grade Spaß macht. Das ist Aftershow-Party à la Mumford & Sons.

Eindrücke vom Konzert im Wiener Gasometer

Mumford & Sons: Eindrücke vom Konzert in Wien

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KONZERT: MUMFORD & SONS

KONZERT: MUMFORD & SONS

KONZERT: MUMFORD & SONS

KONZERT: MUMFORD & SONS

KONZERT: MUMFORD & SONS

KONZERT: MUMFORD & SONS

KONZERT: MUMFORD & SONS

KONZERT: MUMFORD & SONS

KONZERT: MUMFORD & SONS

„Wenn du jeden Abend ein Konzert spielst, kann sich das wie Handwerk und Arbeit anfühlen“, erzählte Sänger und Namensgeber Marcus Mumford vor seinem Konzert im Wiener Gasometer im KURIER-Interview. „Dann ist es gut, sich beim Jammen daran zu erinnern, wie es ist, wenn man nur zum Spaß musiziert.“

Innerhalb einer Stunde war das Gasometer-Konzert ausverkauft. Das britische Quartett, das seit 2007 so erfolgreich Bluegrass und Folk verbindet, hätte auch die Stadthalle ausverkaufen können. Wollte aber nicht. Weil es „bei kleineren Konzerten eine viel direktere Kommunikation mit dem Publikum gibt“. Tatsächlich rissen Mumford & Sons im Gasometer schon mit dem zweiten Song die Leute auf der Galerie von den Sitzen. Und die unten schwitzen sich hüpfend und singend durch den mitreißenden Abend. Allerdings war das voriges Jahr in Wiesen vor 7000 Fans auch nicht anders.

Verärgern

Trotzdem sehen Mumford und Banjo-Spieler Winston Marshall den Aufstieg ihrer Band von Londoner Club-Phänomen zum Hallen-Füller als Dilemma. „Wir sind sehr schnell sehr viel größer geworden, als wir je gedacht hätten, und vermissen es, kleinere Konzerte zu spielen. Wenn wir das aber tun, verärgern wir viele Leute, die keine Karten kriegen.“

Das ist aber nicht das einzige Dilemma der Band, deren Debüt-Album „Sigh No More“ acht Millionen verkaufte, deren zweites Album „Babel“ in den USA das bestverkaufte von 2012 war. Denn genauso intensiv wie die vier Schulfreunde (es gibt keine Verwandtschaft) geliebt werden, werden sie auch gehasst. Dafür, dass sie „nicht authentisch sind“, weil sie als Briten einen Stil spielen, der seine Wurzeln in den USA hat. Dafür, dass alle vier aus wohlhabenden Familien stammen – das riecht nach Konservatismus. Aber vor allem dafür, dass Mumford, der Sohn eines Pfarrers, oft christliche Themen in seine Songtexte einbaut.

Sicherheit

Vielleicht weicht er wegen dieser Welle der Kritik jeder Frage zu Texten oder dem Albumtitel „Babel“ aus: „Ich muss das nicht erklären. Und ich glaube ohnehin, dass es weit mehr Einfluss auf unsere Band hatte, dass wir alle in einer stabilen Familie aufgewachsen sind und alle unsere Eltern immer noch zusammen glücklich sind. Das ist sehr wertvoll, denn das gibt Selbstbewusstsein und Sicherheit. Womit ich aber nicht sagen will, dass wir nicht auch anders erfolgreich gewesen wären.“

Woran liegt also der phänomenale Aufstieg? „Vielleicht daran, dass die Leute vorfabrizierte Musik satt haben? Aber ehrlich – ich habe keine Ahnung.“