Machte Bekanntschaft mit der Polizei: Direktor Kay Voges 

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Kultur
03/02/2021

Volkstheater: Raucher auf dem Balkon lockten die Polizei an

Trenklers Tratsch: Direktor Kay Voges sorgte mit einer "Nachbesprechung" für Aufregung. Auch seine Ehefrau arbeitet im Volkstheater.

von Thomas Trenkler

Kay Voges hat sich aufgrund der Pandemie noch gar nicht als neuer Direktor des Volkstheaters vorstellen können – und macht bereits von sich reden. Dass er mit seiner "Theaterfamilie" aus Dortmund angereist ist, war zwar bekannt; dass dies auch wortwörtlich zu verstehen ist, jedoch nicht.

Auf Nachfrage bestätigt Voges aber, dass er mit Mona Ulrich, der Leiterin Kostümbild, seit fünf Jahren verheiratet ist. Sie entwarf oder entwirft die Kostüme für alle Inszenierungen von Voges, die in dieser Saison zu sehen sein sollen – von Thomas Bernhards "Der Theatermacher" über Lydia Haiders "Zertretung" und Samuel Becketts "Endspiel" bis zu "Die Politiker" von Wolfram Lotz.

Mona Ulrich steuert auch die Kostüme für Elfriede Jelineks „In den Alpen“ (Regie: Claudia Bossard) bei, sie arbeitet an Jonathan Meeses "Kampf-L.O.L.I.T.A." mit, und von ihr stammen die Pepita-Kostüme in "Die Rechercheshow", die im Februar sechsmal gestreamt wurde. Wenn man bedenkt, dass alle Abonnenten des Volkstheaters in den Bezirken einen kostenlosen Zugang bekamen, ist die Zahl der verkauften Streams (1.210) gar nicht so übel. Jedenfalls: Voges Ehefrau prägt die Ästhetik des Volkstheaters entscheidend mit.

Als eine der ersten Premieren wollte der neue Direktor "Einsame Menschen" von Gerhart Hauptmann herausbringen – in einer Inszenierung von Jan Friedrich, den er aus Dortmund mitgebracht hat. Gerüchteweise soll Voges in den Endproben die Regie von Friedrich übernommen haben. Das Volkstheater formuliert es so: "Kay Voges hat Jan Friedrich bei ,Einsame Menschen‘ in einer schwierigen Phase unterstützt."

Zudem käme, heißt es, das Bühnenbild von Alexandre Corazzola nicht oder nicht vollständig zum Einsatz. Voges antwortet ausweichend: Aufgrund der Renovierungsarbeiten sei es nicht möglich gewesen, "eine Bauprobe auf der Bühne des Volkstheaters zu machen und das Bühnenbild frühzeitig an das Regiekonzept anzupassen".

Am 28. Jänner fand die Generalprobe statt. Theoretisch könnte man sie so ansetzen, dass die Ausgangsbeschränkung (ab 20 Uhr) eingehalten werden kann. Das Salzburger Landestheater verlegte daher die Generalprobe von Thomas Bernhards "Heldenplatz" auf 17 Uhr. Die Generalprobe von "Einsame Menschen" hingegen begann um 19.30 – wie eine normale Vorstellung. Sicher: "Die Ausgangssperre gilt für beruflich bedingte Tätigkeiten nicht", so das Volkstheater.

Irgendwie ist es trotzdem seltsam. Denn die Generalprobe besuchten erstaunlich viele Menschen. Laut Volkstheater waren es 36, aber "ausschließlich betriebszugehörige Personen" unter strikter Einhaltung der Abstandsmaßnahmen, es hätte FFP2-Maskenpflicht geherrscht.

"Im Wesentlichen mitgebrachte Getränke"

Nach Ende der Generalprobe soll es, wie böse Zungen behaupten, eine kleine Feier im Weißen Salon gegeben haben. Das Volkstheater stellt es so dar: "Nach Ende der Probe um ca. 21.45 Uhr haben sich die Kolleginnen und Kollegen zu einer Nachbesprechung und Danksagung und Verabschiedung des Teams im Weißen Salon zusammengefunden." Man habe diesen Veranstaltungssaal gewählt, weil das Führerzimmer, heute der Besprechungsraum, zu klein sei, um die vorgeschriebenen Mindestabstände einzuhalten.

Auf die Frage, ob, wie man hört, alkoholische Getränke ausgeschenkt worden seien, antwortet das Volkstheater ausweichend, dass die Personen "im Wesentlichen selbst mitgebrachte Getränke konsumiert" hätten.

Nicht in Abrede gestellt wird, dass die Mitarbeiter zum Rauchen auf den Balkon gingen – und so der Öffentlichkeit ein Bild der Nähe boten. Auf die Frage, warum man denn nicht das interne Raucherzimmer aufgesucht hätte, kam die Antwort, dass das Rauchen auf dem Balkon vor dem Weißen Salon "praktischer" gewesen sei.

Um 22.30 Uhr jedenfalls sah die Polizei – laut Voges "wohl in der Annahme, dass eine größere Veranstaltung in den hell beleuchteten Räumlichkeiten des Hauses stattfand" – nach dem Rechten. Sie nahm Personalien auf, die Mitarbeiter wurden, so Voges, "aufgefordert die ,Party‘ aufzulösen", die ja gar keine, sondern nur eine "entspannte" Besprechung gewesen sei.

Findet es die Direktion richtig, sich derart zu präsentieren? Müssten kulturelle, mit Steuergeld finanzierte Einrichtungen nicht Vorbildcharakter haben? Warum soll sich der "kleine Mann" an Beschränkungen halten, wenn es die Theaterleute nicht tun?

Die Antwort fällt lapidar aus: "Das Volkstheater ist bemüht, verantwortungsvoll mit der vorherrschenden Pandemie umzugehen."

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