„Porträt einer jungen Frau in Flammen“ von Céline Sciamma eröffnet die Viennale

 

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Kino
10/30/2019

Viennale-Chefin im Interview: Tiere und Zombies überall

Festival-Chefin Eva Sangiorgi diskutiert ihr heuriges Filmprogramm, ihre Langzeitpläne und #MeToo.

von Alexandra Seibel

Die Italienerin Eva Sangiorgi hat nach dem überraschenden Tod von Hans Hurch die Viennale übernommen. Heuer findet erstmals ein Programm statt, das vollständig von ihr verantwortet wird. Darüber hinaus hat die Viennale ihren Vertrag bis ins Jahr 2026 verlängert.

Ein Gespräch über Langzeitpläne, Polanski und Tiere.

KURIER: Frau Sangiorgi, die Viennale startet Donnerstagabend, seit Langem erstmals ohne ihren Viennale-Präsidenten Eric Pleskow, der traurigerweise kürzlich verstorben ist. Wie wird es weitergehen?

Eva Sangiorgi: Für mich ist das alles sehr seltsam. Ich kam hierher, nachdem Hans Hurch gestorben war, und nun, in meinem zweiten Jahr, stirbt Eric Pleskow. Er hat immer angeboten, dass wir seine Position als Präsident jederzeit jemand anderem übergeben könnten. Das hatten wir natürlich nicht vor. Was nun die Nachfolge betrifft, gibt es Ideen, aber da möchte ich erst einmal die Trauerzeit abwarten. Und natürlich werden wir bei der Eröffnung seiner gedenken.

Das ist Ihre erste Viennale, die komplett Ihre Handschrift trägt. Wo sehen Sie Erneuerungen?

Natürlich gibt es bei der Viennale eine klare Kontinuität. Aber ich hatte den Eindruck, dass die historischen Programme – abgesehen von der großen Retrospektive – ein bisschen zu kurz kamen. Insofern habe ich mich bemüht, eine neue Ordnung und Klarheit in die Programme zu bringen. Es gibt die „Monografien“, die „kleine“ Retrospektiven eines Filmemachers anbieten. „Historiografie“ widmet sich Restaurierungen, „Kinematografie“ ist ein kuratiertes Programm, das sich Regisseuren oder Themen widmet, etwa „Brasilien entflammt!“. Außerdem habe ich getrimmt – die Viennale ist einen Tag kürzer.

Sie wollen auch stärker Social-Media-Kanäle bespielen?

Genau. Ich möchte näher an eine jüngere Generation herankommen. Die Website wird erneuert und nächstes Jahr relauncht. Außerdem haben wir einen Blog, auf dem Regisseure Material zu ihren Filmen teilen können, wie Fotos, Videos, Texte – was immer sie wollen.

 

Ihr Vertrag läuft bis 2026. Haben Sie Langzeitpläne?

Auf jeden Fall. Nun habe ich genügend Zeit, um vertieft für die Retrospektiven zu recherchieren. Dann möchte ich editorische Projekte machen: Heuer geben wir ein kleines Buch über Angela Schanelec heraus. Außerdem will ich verstärkt die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen suchen – nächstes Jahr wird es etwa eine mit der Kunsthalle geben.

Sie zeigen nicht den umstrittenen neuen Film von Roman Polanski, aber den neuen von Woody Allen. Warum?

Den Polanski-Film habe ich einfach nicht bekommen, hätte ihn aber gezeigt. Aber die Diskussion, ob man Filme von Menschen mit fragwürdiger Vorgeschichte zeigen kann, beschäftigt mich ununterbrochen. Ich teile nicht die Position, dass man zwischen Person und Werk unterscheiden soll, im Gegenteil: Wenn ein Film gut ist, dann soll man ihn zeigen und alle Probleme, die mit dem Regisseur einhergehen, offen auf den Tisch legen. Aber ich hätte Polanskis Film nicht, wie in Venedig, im Wettbewerb gezeigt. Was Woody Allen betrifft (ihm wird sexueller Missbrauch vorgeworfen, Anm.), habe ich die Programmierung ebenfalls davon abhängig gemacht, ob mir der Film gefällt.

Es gibt eine Diskussion auf der Viennale zum Thema Filmkritik, mit neun Männern und nur zwei Frauen ...

Das stimmt. Dieses Programm wurde nicht von mir kuratiert, sondern von Roger Koza. Ich habe ihn darauf aufmerksam gemacht, aber ihm alle Freiheit gelassen. Eingeladene Frauen haben abgesagt. Aber trotzdem: Dieses ungleiche Geschlechterverhältnis muss unbedingt diskutiert werden – und zwar genau auf dieser Veranstaltung.

Gibt es rote Fäden, die sich durchs Programm ziehen?

Oh ja, zum Beispiel finden sich in den Filmen überall Tiere! (lacht) Ich glaube, das hat mit dem Verlust unseres Verhältnisses zur Natur zu tun. Und es gibt auffallend viele Geschichten mit Geistern und Zombies.

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