vienna contemporary 2019

┬ę viennacontemporary/kunst-dokumentation.com/Manuel

Kultur
08/04/2021

"viennacontemporary" stellt sich neu auf, will "mehr als Messe" sein

Der einstige Platzhirsch wird zur Off-Messe und bespielt von 2. bis 5. 9. die "Alte Post"

von Michael Huber

Zeitgen├Âssische Kunstmessen und Wien: Das hat Elemente eines Prater-Ringelspiels, immer wieder ziehen bekannte Formen und Figuren in leicht ver├Ąnderter Weise an den Zuschauern vorbei, bis diesen mitunter schwindlig wird. Wer angesichts der Ank├╝ndigung mit dem Titel "Vienna Contemporary - Contemporary Vienna", mit dem am Mittwoch die j├╝ngste Bewegung im Messe-Karussell verk├╝ndet wurde, an den Monty-Python-Klassiker "Das Leben des Brian" dachte (Stichwort "jud├Ąische Volksfront"), hatte allerdings etwas zu schnell reagiert.

Selber Name, anderes Konzept

Nein, die Messe "viennacontemporary", die eine Zeitlang der Platzhirsch unter den Kunstmarktpl├Ątzen der Stadt war und auch 2020 am Standort in der Wiener Marx Halle ├╝ber die B├╝hne ging, wird wohl bis auf weiteres "viennacontemporary" oder kurz VC hei├čen. Sonst aber wird alles neu: Denn nachdem der einstige VC-Gesch├Ąftsf├╝hrer Renger van den Heuvel mit seinem Projekt "Spark Art Fair" im Juni in der Marx Halle auftrumpfte (k├╝nftig soll die Messe dort im Fr├╝hjahr stattfinden), verzichtete die VC wie berichtet auf ihren Herbst-Termin in derselben Location.

Neuorganisation

Im Hintergrund stellte sich das Team neu auf: Als neuer k├╝nstlerischer Leiter wurde der in Wien und Bratislava lebende Kurator und K├╝nstler Boris Ondrei─Źka berufen, die Tr├Ągergesellschaft wurde zum Non-Profit-Unternehmen umgewandelt - mit einem mehrk├Âpfigen Vorstand, in dem neben dem russischen Investor Dmitry Aksenov auch Marta Dziewa┼äska, Kuratorin am Kunstmuseum Bern, der Leiter des "Erste Hub", Boris Marte, sowie der Marketingberater Tom Wallmann sitzen.

In dieser Form will die VC offenbar das Beste aus allen Welten vereinen: Mit der Hauptausstellung in der im Umbau befindlichen Alten Post in Wien (2. - 5. 9.) adaptiert die Gesellschaft die Idee, bestehende Geb├Ąude als Kunst-Orte zwischenzunutzen. Das Konzept wird von der einst als Off-Messe gestarteten "Parallel Vienna" seit Jahren erfolgreich umgesetzt - diese residierte 2015 und 2016 selbst im einstigen Postzentrum in der Wiener Innenstadt, das seiner Transformation zur Luxusimmobilie harrt. Die "Parallel" findet ihrerseits von 7. bis 12. September in der ehemaligen Semmelweis-Frauenklinik in Wien-W├Ąhring statt.

Wer In ist, ist Off

Die "viennacontemporary" kooperiert ihrerseits nun mit dem Galerienfestival "curated by" (4.9. - 2.10.) und dem ebenfalls als Off-Projekt gestarteten "Das Haus", das ebenfalls an brachliegenden Immobilien-Standorten Kunst pr├Ąsentiert. Die "Zone 1", ein vom Bundeskanzleramt gef├Ârdertes Projekt, das junge Kunst, vorrangig aus Mittel- und S├╝dosteuropa, auf Vorschlag von Kuratorinnen (heuer: Franziska Sophie Wildf├Ârster, M├╝nchen) nach Wien bringt, wird beibehalten.

Wem sich von all diesen Projekten nun der Kopf dreht, kann sich jedenfalls eine Sache merken: Es wird ein hei├čer Kunstherbst in Wien. Und wenn alles gut geht, gibt es auch noch gen├╝gend Menschen, die im Ringelspiel Geld einsetzen, um Kunst zu erwerben und das Drehmoment zu erhalten.

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