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Kultur
06/24/2021

"Spark Art Fair": Ein Modell für post-pandemische Kunstmessen

Die neue Messe in der Marx-Halle bietet bis 27.6. fokussierte Präsentationen und Kontakt zu neuen Kunstmarkt-Formaten

von Michael Huber

Besondere Zeiten erfordern Flexibilität. Wie es mit den für viele Kunstschaffende und Galerien überlebensnotwendigen Kunstmessen nach dem Gipfel der Pandemie weitergeht, wird in der Branche weltweit diskutiert.

Mit der „Spark Art Fair“, inmitten der Corona-Wirren im Dezember 2020 angekündigt und lockdownbedingt noch einmal von Frühjahr auf Sommer verschoben, versucht sich Renger van den Heuvel, einst Geschäftsführer der „viennacontemporary“, nun an einer Antwort. Er setzt auf Fokussierung – jede Koje auf der Veranstaltung, die bis Sonntag in der Wiener Marx Halle läuft, präsentiert nur einen Künstler oder Künstlerin. Der Schwerpunkt liegt auf regionalem Publikum, nicht auf Sammler-Jetset.

Last but not least steht die Messe mit einem Fuß fest im Digitalen. Nicht nur mit dem fast schon selbstverständlichen 3D-Rundgang und der Präsenz aller Werke auf der Marktplattform Artsy (bis 10. 7.), sondern auch mit einer speziellen, von der MAK-Kuratorin Marlies Wirth gestalteten Schiene zu neuer Medien- und Digitalkunst.

Da kann man etwa in den Künstler Jonas Lund investieren, der mit jedem Exemplar seiner Plexiglas-Bilder Einheiten seiner eigenen Kryptowährung (um umgerechnet 2.800 – 11.600 €) mitliefert und Käufer zu Teilhabern seiner Praxis macht: Sie dürfen dann etwa mitbestimmen, ob der Künstler Urlaub machen oder ein neues Projekt in Angriff nehmen soll.

Luftig auf hohem Niveau

Im „Realraum“ funktioniert die Messe wunderbar – es gibt sehr viel Platz (3-G-Regel gilt) und anspruchsvolle Präsentationen, die von Kuratoren bestimmt wurden: So findet sich in der von Sabine Breitwieser betreuten Sektion „Utopia: Post-War“ die Performancequeen Marina Abramović (Galerie Krinzinger) in Sichtweite zu ihrem einstigen Vertrauten Ulay (König Galerie, Berlin). Auch die Präsentation der Galerie Thoman zu Walter Pichler hat museale Qualität.

Es bleibt die Frage, wie das Format wirtschaftlich funktioniert. Junge Galerien, die sich in der tortenscheiben-artigen Architektur unter die „Platzhirschen“ mischen, erhielten von Kulturministerium oder Stadt Wien bis zu 40.000 € Förderung, wie van den Heuvel erklärt. Auch die Wirtschaftsagentur Wien fördert die Messe. Dass dem de-facto-Eigentümer der Marx Halle, Herwig Ursin, auch die Veranstaltungsgesellschaft Spark Art gehört, ergibt zudem eine andere Ausgangslage als bei Messen, in denen jeder Quadratmeter möglichst teuer vermietet werden muss.

"viennacontemporary" heuer nicht in St. Marx

Die „viennacontemporary“, angesetzt für 2.–5. September, werde heuer jedenfalls nicht in der Marx Halle stattfinden, wie deren Sprecherin auf Nachfrage bestätigte: „Wir sind der Ansicht, dass die Galerien nicht davon profitieren, zwei nahezu idente Events so knapp hintereinander zu haben“, sagte sie. Die Messe werde daher heuer "ein spannendes neues Format ausprobieren", Details sollen Anfang kommender Woche bekannt gegeben werden.

Im Folgejahr 2022 wolle die vom russischen Investor Dmitry Aksenov angeführte Viennacontemporary aber wieder in die Marx Halle zurückkehren, es gebe auch aufrechte Verträge, so die Sprecherin. Auch van den Heuvel und Ursin bekräftigten, dass künftig zwei Messetermine für zeitgenössische Kunst - die "Spark" im Frühjahr und die "viennacontemporary" im Herbst - in St. Marx stattfinden sollen. Der Kunststandort Wien würde davon profitieren.

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