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Kultur
09/24/2020

Unternehmer Aksenov über Kunstmesse: "Investieren in die Zukunft"

Der Immobilienmagnat und Kunstfreund über die Zukunft der Viennacontemporary, Wien als Tech-Standort und neue Räume für Kultur

Dmitry Aksenov (*1966), mit dem Bau großer Wohnsiedlungen im Umland Moskaus zu Reichtum gelangt, ist seit 2013 Mehrheitseigentümer der Messe Viennacontemporary.

KURIER: Stimmt es, dass Sie die treibende Kraft waren, die Messe trotz Corona stattfinden zu lassen?

Dmitry Aksenov: Ja, jemand muss am Ende eine Entscheidung treffen. Wir tätigen heuer eine Investition in die Zukunft. Wir haben nur etwa halb so viele Galerien wie sonst, und um ihnen einen finanziellen Anreiz zu geben, haben wir ihnen 50 % Nachlass gewährt. Wir machen hier also nur ein Viertel des Umsatzes.

Wann soll die Messe profitabel sein?

Das Geschäftsmodell für Galerien und Messen macht auch ohne Corona eine turbulente Zeit durch. Wir hoffen, dass wir im kommenden Jahr den Break-even erreichen. Bisher waren wir in der Phase der Investition.

Die Viennacontemporary bietet alle ausgestellten Werke heuer auch digital an. Zugleich konkurriert sie damit auch mit der "Art Basel", die zur selben Zeit eine neue Online-Messe gestartet hat. Wie sieht ihre Vision für den digitalen Raum aus? 

Die Digitalisierung hat ungeheuere Auswirkungen auf die Kultur und auch auf die bildenden Künste. Galerien, Messen, Auktionshäuser gehen in den digitalen Raum, und wir hoffen, bei jenen dabei zu sein, die sich schnell auf diese Situation einstellen können. Den digitalen Arm der Messe, "VC-ON", sehen wir heuer als Experiment, wir mussten ih unser Zeitdruck umsetzen, mit der Unsicherheit im HIntergrund, ob die physische Messe stattfinden kann.

Sie investieren auch abseits der Messe in Technologie für den Kultursektor. Wie geht es damit voran?

Wir wollen einen Inkubator für Kultur & Technologie an den Start bringen und in interessante und ausbaufähige Start-ups investieren. Das Hauptquartier soll in Wien sein, und wir sind in Gesprächen mit potenziellen Partnern. Den digitalen Arm der Messe, „VC-ON“, haben wir bereits selbst finanziert. In den kommen Jahren soll der Bereich ein Fokuspunkt unserer Investments werden.

Welche neuen Räume wird die Kunst und Kultur in der nahen Zukunft brauchen? Ich frage Sie jetzt sowohl als Kunstfreund und als Immobilienentwickler.

Das Konsumentenverhalten ändert sich gerade dramatisch. Viele Leute vermeiden physischen Kontakt, wenn sie Informationen auch online bekommen können. Gleichzeitig ist es gerade im Bereich der bildenden Kunst notwendig, sich Dinge vor Ort anzusehen, besonders wenn man als Sammler substanziellere Summen ausgeben will. Es ist unausweichlich, dass neue Orte des Kulturkonsums entstehen werden. Doch auch wenn sich der Anteil des realen Raums für Kultur verringern wird, wird die Nachfrage für  Kultur insgesamt wachsen.

Was bedeutet das für Ihre eigenen Immobilien-Projekte?

Wir überdenken unsere Strategie für Wohnbauten. Sie sollten mehr gemischte Nutzungen zulassen. Wir werden mehr gemeinschaftlich genutzte Flächen und Kulturräume direkt vor Ort einplanen. Früher waren Wohnbauten einfach die Orte, an denen man schlief, für Kultur, Unterhaltung, Sport oder zur Arbeit ging man anderswohin. Nun werden viele dieser Funktionen durch digitale Infrastruktur in den Wohnraum integriert, und man braucht mehr öffentlichen Raum, um zu interagieren und ein angenehmes Umfeld zu haben.

Sie sind auch als Unterstützer der Salzburger Festspiele aktiv. Wie sehen Sie die Entwicklung privater Kulturförderung in Russland?

Ich konnte heuer im August leider nicht in Salzburg sein, aber unsere Partnerschaft geht weiter. Das kulturelle Mäzenatentum in Russland wächst. Natürlich haben viele Menschen derzeit eher das eigene Land im Fokus, und die wirtschaftliche Situation ist nicht sehr positiv. Aber Kultur ist eine internationale Sprache, und so gesehen gibt es keine Barrieren. Wenn jemand klassische Musik unterstützt, unterstützt er die Besten, ob aus Russland oder von sonstwo.

Inwiefern kann sich die Kunstszene in Wien darauf verlassen, dass Sie die Messe weiterführen? Ihr Vertrag mit der Marx-Halle läuft bis 2027.

Es wäre leicht gewesen, heuer zu sagen, dass alles schwierig ist und wir kein weiteres Geld hineinstecken wollen. Wenn wir uns heuer verpflichten, dann ist unsere Bindung offensichtlich. Wir wollen, dass der Erfolg sich fortsetzt.

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