© Orlan/Galerie Steinek

Kultur
09/04/2020

"Curated By": Ein Galerienfestival mit Hybridantrieb

24 Galerien engagierten erneut Kuratoren für Sonderausstellungen, die Eröffnung dauert ein ganzes Wochenende.

von Michael Huber

Ohne Vernissagengetümmel, aber mit vollem Programm läuten 24 Wiener Galerien am Wochenende die 12. Ausgabe des Festivals „Curated By“ ein: Am Samstag (5.9.) sind die Ausstellungen von 11–19 Uhr, am Sonntag (6.9.) von 12–17 Uhr geöffnet; danach laufen sie zu regulären Öffnungszeiten bis 26. 9., in einigen Fällen auch noch länger.

„Die Eröffnung über zwei Tage nimmt den Druck, dass eine Veranstaltung abgesagt werden könnte“, sagt der Galerist Martin Janda, der als Obmann der Veranstaltergruppe „ARGE Österreichische Galerien“ die Anpassung des international beachteten Festivals an Corona-Bedingungen zu koordinieren hatte. Dabei galt es, auch ohne Events einen Sog zu generieren, der kunstinteressiertes, aber auch sammelndes Publikum auf die Beine bringt.

Auf Sicht fahren

„Wir haben eine Gesundheitskrise, eine Wirtschaftskrise, aber auch eine Motivationskrise“, erklärt Janda, der in seiner Klientel zwei Tendenzen sieht: „Die einen sind noch intensiver dabei, sich mit Kunst zu beschäftigen, die anderen sind gerade weit weg. Es hat sich als gut erwiesen, auf Sicht zu fahren.“

Das Konzept von „Curated By“ ist so erprobt wie konstant: Die teilnehmenden Galerien engagieren einen Kurator oder eine Kuratorin; diese sollen eine Ausstellung zu einem übergeordneten Thema gestalten und neue Perspektiven abseits des sonstigen Programms eröffnen. Die Stadt Wien fördert jedes Galerienprojekt mit 9000 Euro, wobei 3000 als Kuratorenhonorar und der Rest für die Produktion der Schau budgetiert sind. „Wir haben darauf gedrängt, dass junge Galerien teilnehmen können, ohne dass eine arrivierte Galerie hinausfallen muss“, sagt Janda, der froh ist, heuer drei Teilnehmer mehr als im Vorjahr zu verbuchen.

Situationselastisch

Das Ausstellungsbudget ist für alle Reise- und Transportkosten dennoch nicht übermäßig üppig bemessen. Wobei die Corona-Krise heuer bewirkte, dass einige Kuratoren nicht anreisen konnten („manche haben die Ausstellung via Skype gehängt“). Zugleich stiegen die Tarife für Kunsttransporte massiv an, was einige Galerien dazu veranlasste, auf lokale Namen zu setzen oder aber Werke nach Spezifikationen der Künstler erst vor Ort zu bauen.

Der Rückgriff auf verschiedene Mittel und Wege passt zum Thema „Hybridität“, das dem heurigen Festival voransteht. Die von Janda als Kuratorin geladene Kunsthistorikerin Noit Banai zeigt dazu u. a. Fotos des Albaners Endri Dani, der sich für die Bilder in Hauseingänge stellte, die vom Nachkriegsregime auf eine Höhe von 182 cm normiert wurden: Wo die Umstände von außen diktiert wurden, mussten Menschen erfinderisch werden, einst wie auch jetzt.

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