VDB-Kampagne: Frau Gertrude als "Arbeit" bei Kreativgala ausgezeichnet

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Foto: Screenshot Frau Getrrude bei ihrem Video-Appell für Alexander Van der Bellen

Jung von Matt/Donau bekam dafür am Donnerstag den Grand Prix auf der heimischen Werbegala - Van der Bellen bei Gala.

*UPDATE, 16.00 Uhr: Martin Radjaby, Co-Geschäftsführer von Jung von Matt/Donau, kann die Kritik nachvollziehen. Frau Gertrude sei jedoch ein "Monument". *

Der Van der Bellen-Wahlkampf hat ein goldenes Nachspiel: Die Werbeagentur Jung von Matt/Donau bekam am Donnerstag eine Auszeichnung für ihre Arbeit "Frau Gertrude". DerCreativ Club Austria verlieh der Arbeit den Jurypreis, den "Grand Prix".

Frau Gertrude?  Da war doch etwas. Genaugenommen ein Facebook-Post auf Alexander Van der Bellens Wahlkampfseite, kurz vor dem Finish. Die damals 89-jährige Holocaust-Überlebende wurde dort in einem aufrüttelnden Videoappell gezeigt. „,Für mich ist es wahrscheinlich die letzte Wahl' – Gertrude, 89 und aus Wien, hat uns ersucht, dieses Video-Statement zu veröffentlichen", schrieb das Wahlkampfteam auf der Seite.

Das Video schlug auch außerhalb Österreichs große Wellen: "Holocaust-Überlebende mischt den Wahlkampf in Österreich auf", attestiert die Süddeutsche. "Entscheidet Oma Gertrude die Ösi-Wahl?", mutmaßte die Bild. Das Video brachte knapp drei Millionen Klicks in vier Tagen und politische Gegner in Rage. "Das wohl übelste Hetzvideo, das jemals in diesem Land von einer Partei produziert wurde" – postet die FPÖ Radenthein. "Schmutzkübelkampagne von der VdB-Truppe" – nannte es ein KURIER-Leser.

Van der Bellen: Besonderer Dank an Frau Gertrude

Van der Bellen auf der CCA-Gala… Foto: /Heidi Pein Der Bundespräsident auf der CCA-Gala Frau Getrude, so hieß es im November, sei an das Wahlkampfteam von Alexander Van der Bellen herangetreten, um sich für ihn als Bundespräsidenten auszusprechen. Fünf Monate später gibt es einen Preis dafür, der an eine der größten Werbeagenturen des Landes ging. Was sagt Alexander Van der Bellen dazu? Der war am Donnerstag am Ende der Gala vor Ort. Wie in der Presseaussendung zur Veranstaltung zu lesen war: "Eine besondere Auszeichnung für den CCA war der Besuch von Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Er würdigte am Rande der Veranstaltung die Arbeit der Kreativen". Unter anderem mit diesem Satz: "Die Kreativen unseres Landes sorgen mit ihren Ideen dafür, dass Menschen auf eine besondere Art und Weise berührt und erreicht werden. Dafür möchte ich ihnen meinen Respekt und meine Anerkennung ausdrücken. Ein ganz besonderer Dank und große Anerkennung gehen an Frau Gertrude, die ein großartiges Vorbild für uns alle ist."

Radjaby kann Kritik nachvollziehen, Frau Gertrude sei "großes Monument"

Martin Radjaby von Jung von Matt/Donau äußerte sich auf KURIER-Anfrage so: „Als ‚Arbeit‘ würde ich das Statement nicht verstanden wissen wollen. Es war ein großes Monument, ein Statement einer Person, die etwas spürt.“ Die Kritik daran, dass das Video bei der Gala als „Arbeit“ bezeichnet wurde, „kann ich nachvollziehen“.

Die Frau sei an den Unterstützerverein für Van der Bellen herangetreten und von diesem auch gefilmt worden. In der Agentur sei entschieden worden, wie man damit umgeht. Insgesamt habe man im Van der Bellen-Wahlkampf 226 Videos produziert.

Die Auszeichnung sei ein Preis der Jury, den Jung von Matt/Donau gemeinsam mit dem Verein entgegengenommen habe, betont Radjaby. „Insgesamt muss man sagen, die Politik ist ein Kommunikationsgeschäft. Es zählen Inhalt, Haltung, Werte. Am Ende muss man das alles aber kommunizieren.“

Schicksalsträchtig

Bevor Zweifel an ihrer Identität aufkommen: Frau Gertrude gibt es wirklich, ebenso wie ihren schicksalsträchtigen Lebenslauf. Radiojournalistin Marlene Groihofer hat das Leben von Frau Gertrude nachgezeichnet. Ihr Beitrag "Die Einzige, die überlebt hat" wurde im März 2016 zweifach prämiert. Darin sprach die Holocaust-Überlebende über die Zwangsarbeit während des Kriegs in einer Lampenfabrik, das Bauen von Panzergräben in Hamburg und den Weg über Dänemark und Schweden 1947 zurück nach Wien. Hier arbeitete die Mutter einer Tochter als Büroangestellte.

(kurier) Erstellt am