Der König der Löwen in Neuauflage sorgte für Einnahmen.

© Disney

Kultur
08/08/2019

Umbruch im Kino: Disneys letzter Rekord und Chinas Geld für Europas Filme

Kaum wo verändert sich so viel, wie in der Filmbranche. Und die ist immer noch für Überraschungen gut.

von Georg Leyrer

  • Disney hat schon jetzt den Jahreseinnahmenrekord gebrochen - aber 2020 wird alles anders. In diesem Text erfahren Sie, warum.
  • Und Europas Filme haben international ein neues, etwas überraschendes Publikum: Die chinesischen Kinogeher. Das hat Folgen, die man aus Hollywood bereits kennt. Hier lesen Sie, welche.

    Disney letztes Hurra: Der Kinorekord vor dem Streamingkrieg

    Es ist einnahmenmäßig ein mittelmäßiges Kinojahr, mit einer Ausnahme mit Mausohren: Disney hat bereits jetzt, nach sieben Monaten, mit seinen Filmen so viel eingenommen wie kein Studio jemals zuvor innerhalb eines Jahres. Bald 8 Milliarden Dollar sind es bereits, und es ist noch lange nicht Schluss: So folgt zu Weihnachten noch der letzte Teil der aktuellen „Star Wars“-Trilogie.

    Aber schon das bisherige Jahr hatte einen popkulturellen Präge-Charakter wie wohl kaum ein Studiojahr zuvor: Mit „Avengers: Endgame“ setzt sich Disney auf den Thron der Filmeinnahmen. Kein Film hat jemals mehr eingenommen als die derzeit 2,8 Milliarden Dollar, die das Finale der großen Superheldenerzählung eingespielt hat. Dazu liefen noch u. a. „Captain Marvel“ (über eine Milliarde Einnahmen) sowie Live-Action-Versionen von „Dumbo“, „Aladdin“ und dem „König der Löwen“ an.

    Und der neueste „Toy Story“-Film hat auch schon 900 Millionen Dollar eingespielt.

    Großes Finale

    Stellt sich nur die Frage: Warum bringt Disney heuer gar so viele lukrative und auf ihre Art wichtige Filme heraus? Die nahe liegende Antwort wird den Kinobetreibern nicht gefallen. Denn ab 2020 wird Kino für Disney eine weit weniger wichtige Rolle spielen als bisher. Man könnte 2019 als großes Finale sehen – und als Werbeeinschaltung: Denn im November startet Disney seinen eigenen Streamingdienst, Disney+.

    Und ab dann will Disney die Menschen weniger ins Kino locken – sondern zu Abonnenten machen. So hat Disney einige geplante Kino-Releases schon zurückgezogen und ins Streamingangebot geholt. Dort gibt es auch eine Neuauflage von „Kevin – Allein zu Haus“.

    Und dorthin fließen auch die Einnahmen: Trotz Einspielrekord blieb Disney zuletzt wegen der Investitionen in Streaming unter den Gewinnerwartungen.

    Chinas neue Lust am europäischen Film - und die Folgen

    Viel wurde über die boomende Kinolandschaft in China geschrieben: Der asiatische Riese soll Amerika als wichtigsten (d. h. lukrativsten) Kinomarkt der Welt ablösen.

    Der Zeitpunkt hat sich aber nach hinten verschoben – wie immer in China aus politischen Gründen: Der Handelskrieg mit Amerika schlägt durch auf die Zahl der US-Filme, die in China gezeigt werden dürfen, und auf die chinesischen Investitionen am Filmsektor.

    Das Ganze hat nun einen etwas überraschenden Zwischengewinner:   den europäischen Film. Während in Deutschland gerade wieder die Debatte schwelt, wer denn eigentlich mit den europäischen Produktionen angesprochen werden soll, gibt es international nun eine neue Antwort auf genau diese Frage: offenbar die Chinesen.  

    Denn China hat die USA als wichtigsten Exportmarkt für europäische Filme überholt, gemessen an den Kinokarten, meldet die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle (deren Information finden Sie hier).

    China verschafft den europäischen Filmen nun 37 Prozent aller Eintritte außerhalb Europas. Das Interesse in Nordamerika hingegen sank auf 28 Prozent. Luc Bessons „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“, in Europa und den USA recht böse gefloppt, war dank China der erfolgreichste Film.

    Großes Interesse gab es für Filme aus Frankreich, Großbritannien, Spanien, Russland und Deutschland.

    Im letztgenannten Land ist dann gleich etwas spürbar, das Hollywood schon  kennt: Die Welt ruft es zum „Skandal“ aus, dass der Film „Berlin, I Love You“ aus Angst vor China und Sorge um die dortigen Einnahmen in die Knie gegangen sei. Eine Episode mit dem regimekritischen Künstler Ai Weiwei fehle in der Kinoversion.

    Derartige Selbstzensur macht Hollywood schon lange: Böse Chinesen gibt es dort seit Jahren nicht zu sehen.