Kultur
22.07.2017

"Valerian": Comeback der Weltraum-Amazonen

Nach "Wonder Woman" kommt die nächste starke Frau ins Kino: Supermodel Cara Delevingne ist die toughe Partnerin von "Valerian".

Gut Ding braucht Weile. Schon vor 20 Jahren wollte sich Luc Besson, Frankreichs Kinoexportschlager Nummer eins, über die Abenteuer der Science-Fiction-Agenten Valerian und Laureline hermachen. Mit deren Comiczeichner Jean-Claude Mézières hatte er bei der Arbeit an seinem Film „Das fünfte Element“ sogar ein Jahr lang Pläne dazu gewälzt. Aber, so Besson, die (Kino-)Welt war damals noch nicht so weit: „Zu viele Aliens, zu viele Monster, zu viele Raumstationen.“

Hauptsache 3-D

Die Wende kam dann mit James Camerons utopischem 3-D-Event „Avatar“. Besson: „Ich hatte bereits einige Drehbuchentwürfe verfasst. Aber die Technologie musste erst so fortgeschritten sein, um diese auch umzusetzen. Letzten Endes machte erst Avatar das möglich.“
Kompliment! George Lucas hat sich nie so lobend über Kollegen geäußert, etwa als er sich für „Star Wars“ ausgiebig beim visuellen Schatz von „Valerian“ bediente. Da haben Franzosen eben doch die besseren Manieren.

Wie auch immer, fünfzig Jahre nach dem Debüt der Comic-Serie erleben die gewitzten Raum-Zeit-Agenten jetzt ihre Kinopremiere. Und das in einer durchaus illustren Gesellschaft. Bilderstürmer Luc Besson konnte neben den Publikumsmagneten Ethan Hawke und Clive Owen auch zwei absolute Superstars aus verwandten Genres verpflichten – Pop-Überstimme Rihanna und Jazz-Gigant Herbie Hancock.

200 Mio. Euro Budget
Kolportierte Produktionskosten von mehr als 200 Millionen Euro machen „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ nicht nur zum bis dato teuersten Film Europas, sondern vielleicht sogar zum aufwendigsten des Jahres. Besson: „Es gibt 2.734 Special-Effects-Einstellungen. Beim Fünften Element waren es nur 188.“

Dass es dem Weltraumabenteuer angesichts dieser Eckdaten etwas an Raffinesse mangelt, mag Besson nicht bestreiten. „Eine Graphic Novel hast du in einer halben Stunde gelesen, ein Spielfilm aber dauert vier Mal so lang.“ So gesehen musste er die Story um den Spezialauftrag des sexy Duos ziemlich aufblasen. Kein Problem. Der Abstecher in die intergalaktische Mega-Metropole Alpha bietet eine willkommene Bühne für den Auftritt Tausender bizarrer Aliens, die aus allen Winkeln des Universums hierherkommen. Funtastisch!

Recht und Ordnung
Ach ja, worum geht es hier eigentlich? Es geht – und hier schließt sich der Kreis zur Gegenwart – um die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung. Auch das ist keinesfalls reine Fiktion: Männer meinen immer, nur sie hätten alles im Griff; aber ohne die Waffen der Frauen geht nichts. Cara Delevingne und Rihanna setzen sie mehr als nur beherzt ein.

Cara im O-Ton

Oder, wie sagt noch einmal die bezaubernd erfrischende Cara Delevingne als Laureline augenzwinkernd? Die Rollenaufteilung zwischen ihr und dem SF-Spezialagent Valerian sei so schlicht wie klar: "Er flirtet, ich lächle."

Liga der starken Frauen

Ganz oben in der Liste der Weltraum-Amazonen steht natürlich Jane Fonda. Ihre " Barbarella" (1968) schrieb Filmgeschichte, nicht nur wegen dem vermutlich allerersten Striptease im All. Apropos: Sigourney Weaverzeigt sich dem ersten "Alien"-Monster immerhin in Unterwäsche. Vier Mal stand sie neben dem Bösen aus dem Weltraum vor der Kamera, trotz ihrer unvergesslichen Momente als Tierschützerin in "Gorillas im Nebel", als Frau an der Seite von Mel Gibson im Politthriller "Ein Jahr in der Hölle" oder als verfolgte Psychologin in dem Serienmörder-Thriller "Copykill" die Rolle ihres Lebens. Heute sagt sie ironisch: "Ehe ich sterbe, will ich noch einen echten Alien treffen."

Mission gelungen

Auftritt Milla Jovovich: Als Außerirdische namens Leeloo Minai Leka- tariba-Lamina-Tchai Ekbat De Sebat sollte sie in „Das Fünfte Element“ die Liebe zurück auf die Erde bringen. Zumindest diese Mission gelang: Die Schauspielerin wurde die zweite Ehefrau von Luc Besson, jenem Regisseur, der schon jetzt von einer Fortzsetzung von "Valerian" träumt.