Kultur
28.08.2018

TV-Protokoll: "Ich bin ja Kanzler", sagt Strache. "Naja", sagt Bürger

Lösegeld, Frischluft und gelebte Hochzeitsdiplomatie: Heinz-Christian Strache im "ORF-Sommergespräch".

* Disclaimer: Das TV-Tagebuch ist eine streng subjektive Zusammenfassung des TV-Abends.*

"Bitte sehr", sagt Hans Bürger und zeigt auf Heinz-Christian Straches Sitzplatz. Strache lacht, als wäre das eine typische ORF-Aufforderung.

Strache, FPÖ-Chef und Vizekanzler, hat etwas für den Beginn des Sommergesprächs vorbereitet, "ein Kompliment an den ORF, das ist ja gar nicht so oft der Fall". Strache lacht über Strache.

Man zückt den Stift zum Mitnotieren: Das Lob für den ORF. Aber ach, es ist eigentlich ein Lob für die Wachau, eine "wundervolle Örtlichkeit". Ah, jetzt doch das Lob für den ORF: Das sei "Werbung für die Region".

Und Strache hat noch etwas vorbereitet. In Dürnstein war ja Richard Löwenherz gefangen gehalten worden und nur gegen Lösegeld freigekommen. Ist das ein Lob für den ORF? Fühlt sich Strache gefangen? Überlegt er, wieviel an GIS-Gebühren der ORF als Lösegeld abgezogen bekommt, wenn Bürger und Bernhard böse Fragen stellen?

Bürger korrigiert Strache: Nicht das 14. Mal - wie Strache glaubte -, sondern das zwölfte Mal ist er im Sommergespräch. "Wird es das 13. Mal auch geben?" Strache geht davon aus, und die Landschaft im Hintergrund ist wirklich sehr schön.

Strache redet über Regierungsverantwortung.

Nadja Bernhard fährt einen Umweg über Krems, bis sie bei der ersten Frage ankommt.

Strache redet über den Falter und wie sehr er sich verändert hat und seine geliebte Ehefrau. Kirchenglocken im Hintergrund. Strache sieht so aus, als würde er gerade dem ORF wieder ein paar Gebührenmillionen draufschlagen wollen.

Strache und Bernhard sagen gleichzeitig "authentisch". Keiner von beiden lacht.

Strache erzählt, dass er sich doch nicht verändert hat.

Strache erzählt, dass er der schweigenden Mehrheit zuhört. Keiner lacht.

Bürger hebt an: "Im Amt sind Sie mit relativ wenigen Kompetenzen...". Strache schaut zu ihm. Bürger verläuft sich im Wort "ausgestattet".

"Jetzt hab ich da kurz etwas im Ohr gehabt", sagt er. Bürger sagt nicht, ob das Norbert Steger war. Strache grinst.

Bürger sagt "schwacher Vizekanzler" zu Strache und macht Anführungszeichen in die Luft. Wegen "Vizekanzler"?

Strache sieht aus, als überlege er, wieviel Gebühren er dem ORF abzieht.

Strache erklärt, warum er kein "schwacher Vizekanzler" ist.

Bürger sagt, dass der Vizekanzler früher auch relativ starke Ministerien gehabt hat.

Strache sagt nein. Er hat in der Vergangenheit den Eindruck wahrgenommen, dass die Vizekanzler in der Öffentlichkeit nicht so wahrgenommen wurden. Der Satz fällt sofort wieder aus der Wahrnehmung. Strache sagt, er macht das mit Sebastian Kurz gemeinsam.

Bürger fragt, ob der "Kanzlertraum ausgeträumt ist. "Ich bin ja Kanzler", sagt Strache. "Naja", sagt Bürger. "Jetzt muss nur noch das ,Vize' weg", sagt Strache. Strache lacht über Strache. "Sebastian Kurz wird sich freuen", sagt Bürger. "Als Vizekanzler hat man den Kanzler im Namen, wie Sie sagen", sagt Strache. Bürger sagt nicht, dass er das nicht gesagt hat. "Es geht nicht darum, welche Funktion man genau hat", sagt Strache. Harald Mahrer nickt wohl vor dem Fernseher.

Bürger findet seine Frage sehr gut und fragt erneut, ob der Kanzlertraum ausgeträumt ist. Strache sagt "es geht nicht um Austräumen", und die Landschaft ist wirklich sehr schön.

Bernhard findet Bürgers Frage auch sehr gut und stellt sie mit anderen Worten nocheinmal.

Videoeinspielungen: Ein Bürger sagt vor einem Bild von New York, dass sich Strache für die Sorgen der Österreicher einsetzt. Eine Bürgerin fragt "Haben Sie kein Herz?"

Strache sieht so aus, als wolle er rund 200 Millionen von den ORF-Gebühren abziehen.

Bernhard findet die Frage gut und stellt sie nochmal.

Strache findet, er hat Herz. Und redet über Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen kommen, über Außengrenzsicherung, Exekutive, Fremdenrecht. Und über den Schutz für jene, die wirklich Asylstatus bekommen.

Bernhard erzählt Strache, wie die Reaktionen auf die Abschaffung der Lehre für Asylwerber waren. Schwenk über die Landschaft. Strache erzählt Bernhard, dass er für die Abschaffung der Lehre für Asylwerber ist und was alles in der Debatte oft verschwiegen werde, wenn auch nicht von der schweigenden Mehrheit, die solche Sachen sehr gerne sehr laut sagt.

Bernhard zitiert die Menschenrechtskonvention. Strache will sich davon nicht die Rechtsstaatlichkeit aushebeln lassen.

Bernhard kommt endlich dazu, ihre Frage zu stellen. Strache redet wieder über den Rechtsstaat.

Bürger bittet um kürzere Antworten. Strache redet darüber, dass die Mindestsicherung nicht gekürzt wird. Kurz schaut man wieder auf die Landschaft. Sehr schön! Die neue Landesgalerie kann man von hier aus nicht sehen.

Strache kündigt die Steuerreform für 1919 an. Bürger, hellwach: 2019. Strache lacht. "Ein Freud'scher".

Kurzer Exkurs in Richtung Wikipedia: Bei einer Freudschen Fehlleistung wird davon ausgegangen, dass in der Bedeutungsabweichung, die durch einen Versprecher entsteht, eine unbewusste Aussage zum Vorschein kommt. Es werde anstelle des eigentlich Gemeinten etwas gesagt werden, das dem Gedachten ggf. sogar besser entspräche und in diesem Sinne interpretiert werden könnte. Nur was könnten politische Ideen der Vergangenheit mit der FPÖ zu tun haben?

Das Gespräch wird langsam lang. Bernhard schwenkt passend zum Zwölfstundentag. "Der kleine Mann hat Ihnen Verrat vorgeworfen", sagt sie. Wieder 100 Millionen weg von der GIS-Gebühr.

Strache "kennt die Spielchen". Es bliebe ja beim gesetzlichen Achtstunden-Tag. Die Neuregelung sei im Interesse der Arbeitenden. So könnte der Maurer am Donnerstag mit der Baustelle fertig sein.

Die SPÖ habe "genauso unehrlich agiert", sagt Strache. Genauso wie wer, sagt er nicht.

Strache zeigt, dass er die Spielchen kennt, und hat ein Beispiel gegen die SPÖ mitgebracht, das zur völligen Überraschung aller am nächsten Tag im Boulevard zum Skandal ausgerufen wird.

"Das wird jetzt aber kein Monolog", sagt Bürger.

Strache beendet seinen Monolog.

Bürger wirft Strache vor, "Menschen Ihres Vertrauens" bei u.a. Nationalbank, ÖBB, Asfinag, VFGH in höhere Positionen zu bringen. Strache sieht aus, als würde er Bürger nicht vertrauen.

Strache sieht "Frischluft". Bürger sieht keine Frischlauft "bei Blau statt Rot". Strache will dafür sorgen, dass endlich "die besten Köpfe" etwas werden.

Bürger zieht einen theoretischen ex-revolutionären Ex-Marxisten aus dem Hut. Strache sieht so aus, als würde er mit Bürger nicht auf Urlaub fahren wollen. "Auch freiheitliche Personen leisten gute Arbeit", sagt Strache.

Bernhard erklärt die Causa BVT und fragt, ob "unsere Reputation davon wirklich keinen Schaden genommen hat". Strache fällt es leicht, diese Frage zu ignorieren. Er redet stattdessen vom Rechtsstaat. Und amüsiert sich darüber, dass die Washington Post etwas behauptet, was der österreichische Boulevard nicht behauptet. Bernhard findet ihre Frage gut und stellt sie nochmal. Strache erklärt Bernhard die Causa BVT.

Bürger würde schon interessieren, ob der Innenminister alles richtig gemacht hat. Strache sagt, wir haben den besten Innenminister der Zweiten Republik. Bürger und Bernhard haben dazu keine Fragen. Und nichts im Ohr. Strache sagt, Herbert Kickl habe nicht die Rolle eines Staatsanwaltes gelebt, wohl ein Beispiel für die gute Arbeit freiheitlicher Personen.

Bürger fragt, ob Kickl damit nichts zu tun hat. "So ist es", sagt Strache. Und schon wieder gute Arbeit.

Das Gespräch ist auf der Weinstraße angekommen. Nicht in der Wachau, sondern in der Südsteiermark (da könnte man den ORF schon wieder loben!). Putins Gastspiel auf der Hochzeit der Außenministerin sei "gelebte Hochzeitsdiplomatie" , sagt Strache. Es werde immer wieder versucht, alles negativ zu machen, sagt Strache. Und meint damit nicht die gute Arbeit freiheitlicher Personen. Das sei "schäbig", sagt Strache.

Und man wolle die "Sanktionen überwinden". Bürger und Bernhard haben keine Fragen.

Bernhard lässt einen Witz Straches über Merkel im Raum stehen. Die Landschaft ist wirklich schön.

Bernhard zitiert die FPÖ-Kritik an Wolfgang Ambros und fragt, ob das einer Regierungspartei würdig ist. Strache ist ein Wolfgang-Ambros-Fan und sagt, dass "Kritik an uns selbstverständlich erlaubt" sein muss. Ob von Norbert Steger oder von Herbert Kickl, sagt er nicht. Strache kritisiert dann Künstler, die die FPÖ kritisieren, und ruft nach Gelassenheit.

Und hat noch einen Witz auf Lager. "Am ORF schätze ich...", ist die erste Frage im Word-Rap. "Charmante Moderatoren", sagt Strache. Danke, sagt Bürger.