Kultur
05.02.2018

Türkis-blaue Farbenlehre bei Jobs im ORF

Nach außen signalisiert die Regierung Distanz – Schlüsselstellen sind aber im Visier.

Die Karten liegen auf dem Tisch: Mit jeder neuen Regierung gehen traditionell neue Personalwünsche im ORF einher. Zwar versucht ÖVP-Chef Sebastian Kurz eindringlich zu vermitteln, man setze auf Kompetenz statt Parteibuch und mische sich noch dazu überhaupt nicht ein. Doch rangeln sich ein paar Reihen unter ihm diverse Vertraute mit dem geschmeidigen ORF-Chef Alexander Wrabetz. Ziel: Genehme Nachbesetzungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Und wo von Türkis-Blau gewünscht, eine Umfärbung. Top-Wunsch: Der frühere SPÖ-Wunsch Fritz Dittlbacher soll als Chefredakteur abgelöst werden. Mit Spannung erwartet wird in diesem Zusammenhang die angeblich diese Woche erfolgende Ausschreibung der von Wrabetz schon lange angekündigten Channelmanager für ORFeins und ORF2 samt den dazugehörigen Chefredakteuren.

Als Fixstarterin für die ORFeins-Leitung gilt in einem ersten Schritt dessen Infochefin, Lisa Totzauer (sie wird in weiterer Folge als neue Programmdirektorin genannt). ORF2 soll dem Vernehmen nach Alexander Hofer ("Seitenblicke", "Guten Morgen Österreich") führen.

Schrom ante Portas

Als neuer ORF2-Chefredakteur wird Matthias Schrom kolportiert, der derzeit als Reporter in der "ZiB" arbeitet. Er gilt als in nahezu alle Parteien gut vernetzter Journalist mit Karriereambitionen. Gegen ihn spräche, dass er noch keine Leitungsfunktion inne hatte, aber trotzdem dann für einen Großteil der rund 180 Personen umfassenden ORF-Information zuständig wäre. Für ORFeins käme als Chefredakteur der derzeitige Reporter Wolfgang Geier in Frage.

Als Chefverhandler in Personalfragen gelten ÖVP-Stiftungsrat Thomas Zach sowie FPÖ-Gremienvertreter Norbert Steger. Während sich die ÖVP nach außen in vornehmer Zurückhaltung übt, schießt sich die FPÖ verstärkt auf ORF-Journalisten ein und sucht hinter den Kulissen nach Personal – manchen wird dabei ohne eigenes Zutun ein blauer Mantel umgehängt. Ob die Regierung heuer noch ein neues ORF-Gesetz (samt einer Ablöse von Wrabetz) auf den Weg bringt, ist fraglich: In der zweiten Jahreshälfte startete die österreichische EU-Ratspräsidentschaft – Zores im ORF würden auch die internationale Presse beschäftigen.