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Tagebuch-Slam
03/31/2014

"Peinliche Teenie-Liebes-Scheiße"

Im Theater an der Gumpendorfer Straße beichten Mutige ihre Jugendsünden.

von Anna-Maria Bauer

Das wird jetzt wahrscheinlich eine peinliche Teenie-Liebes-Scheiße", warnt Miriam, bevor sie ihr Diddl-Tagebuch aufschlägt und die Gedanken ihres zwölfjährigen Ichs zum Besten gibt: "13. 6. 2001: Hey Baby, weißt du was? Ich bin solo!" Eine große Erleichterung nach einer Woche Beziehung.

Miriam ist eine der zehn Teilnehmer, die beim fünften Tagebuch-Slam im Theater an der Gumpendorfer Straße (TAG) Auszüge aus ihren alten Tagebüchern vortragen. Jeder hat fünf Minuten Zeit vorzulesen, der Gewinner wird mittels Applaus ermittelt und erhält 1000 Schilling Preisgeld. Schilling deshalb, weil Tagebücher zu Schilling-Zeiten geschrieben wurden, argumentiert Veranstalterin Diana Köhle. Ausbezahlt wird der Betrag dann doch in Euro (70 €). Zusätzlich bekommt jeder Teilnehmer ein neues Tagebuch zum Vollschreiben.

Diana Köhle organisiert seit zehn Jahren Poetry-Slams, das Tagebuch-Genre hat sie vergangenen Herbst angefangen. Die gebürtige Tirolerin füllte selbst 18 Tagebücher, "weil das Leben in den Bergen langweilig war". Das Spektrum der Teilnehmer reicht von der 75-jährigen Lore, die von ihrem Erlebnis als Aktmodell erzählt (und zum Beweis auch die Zeichnungen vorzeigt), bis zur 18-jährigen Lydia, die vier Tagebücher über einen einzigen Burschen gefüllt und den BDMKK (Bund der mutigen Kämpfer-Kerle) gegründet hat.

Die Veranstaltung kommt beim Publikum gut an. Der Saal ist restlos ausverkauft. Der Grund fürs Kommen? Laut Köhle ist es dieses "Aha-Erlebnis", dass es uns damals doch allen irgendwie gleich ging. Die Teilnehmer wiederum haben die Möglichkeit, Bühnenerfahrung zu schnuppern.

Gebrochenes Herz

Die Slams finden vor dem Bühnenbild der aktuellen Produktion statt. Der derzeitige Hintergrund könnte dafür nicht passender sein. Eine riesiges rosafarbenes Herz mit einem Riss in der Mitte.

So wird sich Jimis Herz wohl angefühlt haben, als er als Zwölfjähriger versuchte, das Herz seiner Flamme Nora zu gewinnen, die er toll fand, weil sie "das entwickeltste Mädchen" der Klasse war. Das gebrochene Herz passt auch zu Josefs Gemütszustand, als er sich 1998 wünschte, dass ein Klavier auf ihn fällt. Und ergänzend hinzufügt: "Dieses Jahr wird sich in meiner Biographie nicht gut machen."

Beim Tagebuch-Slam machen sich seine vorgelesenen Gedanken allerdings sehr gut. Josef gewinnt die Veranstaltung und freut sich, endlich Sieger eines Redewettbewettbewerbs zu sein. Beim letzten wurde er zweiter. Von zwei.

Nun bleiben noch zwei Wünsche, die er seinem Tagebuch anvertraut hat, offen: "Auf allen fünf Kontinenten Brot essen". Und: "Mit einem Balken über den Augen in der Krone erscheinen."

Tagebuch-Slams

Entstehung: Tagebuch-Slams kamen 2005 in Brooklyn (New York) unter dem Titel "Cringe Night" (Schäm-Abend) auf. 2008 fand die erste Veranstaltung in London, 2011 der erste deutsche Slam in Deutschland, in einer Hamburger Bar, statt.

Aktuelle Termine: Die nächste Veranstaltung am 26. April ist bereits ausverkauft. Die nächsten freien Termine sind der 11. Mai und der 25. Mai 2014.

Link: dastag.at

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