Hervorragend: Susanne Wolff als Ärztin auf Urlaubsreise, die in dem Thriller „Styx“ auf ein sinkendes Flüchtlingsschiff trifft

© © Schiwago Film/Arte/Schiwago Film

Fernsehen
01/27/2021

"Styx“: Urlaubsreise endet mit Schiffbruch

Eine Hobby-Seglerin trifft auf ein untergehendes Flüchtlingsboot (Arte, 20.15, Uhr)

von Alexandra Seibel

Seit die Pandemie Europa und den Rest der Welt im Würgegriff hält, geraten andere Probleme in den Hintergrund. Die Frage nach dem Schicksal von Flüchtlingen taucht zwar immer wieder auf, wird aber weitgehend von aktuellen Corona-Fallzahlen zugedeckt. Warum sich noch mit dem Schicksal von Migranten und Migrantinnen belasten, wenn man ohnehin selbst bis zum Hals in Schwierigkeiten steckt?

Einen aufrüttelnden und aufwühlenden Film zur Lage der schwelenden Migrationskrise bietet der österreichische Regisseur Wolfgang Fischer mit seinem packenden Atlantik-Thriller „Styx“ (Mittwoch, 20.15 Uhr, Arte). Was es bedeutet, im Angesicht einer Tragödie schwerwiegende, persönliche Entscheidungen treffen zu müssen, erfährt eine deutsche Urlauberin beim Segeltörn.

Rike ist Notärztin, kompetent, umsichtig – und mitreißend gespielt von Susanne Wolff. Ganz allein navigiert sie die zwölf Meter lange Yacht „Asa Grey“, mit der sie – auf den Spuren von Charles Darwin – von Gibraltar Richtung Ascension im Südatlantik segeln will.

Anfänglich ist das Wetter herrlich und der Meeresblick überwältigend. Die Kamera von Benedict Neuenfels legt wunderbare Ansichten frei, deren Schönheit bald von dunklen Wolken verdüstert wird. Ein Sturm kommt auf, und als sich das Unwetter verzogen hat, bemerkt Rike in ihrer Nähe einen mit Menschen überladenen Fischkutter, der unterzugehen droht. Sie funkt um Hilfe, doch die lässt auf sich warten.

Regisseur Wolfgang Fischer hat seinen Film nicht umsonst „Styx“ genannt: Styx bedeutet in der griechischen Mythologie „Wasser des Grauens“ und „trennt das Reich der Lebenden von dem der Toten“, erzählte Fischer im KURIER-Gespräch.

Keine Spezialeffekte

Gedreht wurde auf Malta und auf dem offenen Meer; die Menschen, die man aus der Ferne auf dem Flüchtlingsschiff winken und schreien sieht, haben die Überfahrt übers Meer tatsächlich unternommen: „Der Anspruch war, in allen Bereichen einen existenzialistischen Film zu machen. Wir haben zu 90 Prozent alles auf offenem Meer gedreht, kein Studio und keine Spezialeffekte benützt. Auch alle anderen Personen, die man in dem Film sieht – die Feuerwehrleute, die Rettungskräfte – kommen aus ihren echten Berufen.“

Ein afrikanischer Bub – herausragend gespielt von Gedion Oduor – schafft es, sich an Bord der „Asa Grey“ zu retten und fordert die Frau auf, zu dem sinkenden Boot zu fahren und zu helfen – was die Küstenwache allerdings streng verboten hat. Zwischen der Ärztin und dem Kind kommt es zu einer heftigen Konfrontation. Ihm war es wichtig, dass sich die Hauptfigur und der afrikanische Bub auf Augenhöhe begegnen, so Wolfgang Fischer.

Zudem habe er von den Zuschauern seines Films sehr viel Empathie erfahren: „Menschen kamen auf mich zu und sagten, sie kennen die Flüchtlingssituation aus den Zeitungen, doch sie haben kein Gefühl mehr dazu. Dieser Film aber ist ein profundes, emotionales Erlebnis.“

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