Der polnische Startenor Piotr Beczala ist verschnupft.

© APA/GEORG HOCHMUTH

Eklat in Mailand

"Schmarrn": Startenor Beczala buht zurück

Piotr Beczala will nach den Buhrufen bei der Scala-Saisoneröffnung mit "La Traviata" nie wieder in Italien auftreten.

von Gert Korentschnig

12/09/2013, 04:49 PM

Große Oper auf der Bühne, große Oper abseits der Bühne. Am Samstag war Startenor Piotr Beczala an der Mailänder Scala bei der Premiere von Giuseppe Verdis „La Traviata“ (siehe KURIER-Kritik) von einem Teil des Publikums mit Pfiffen und Buh-Rufen bedacht worden. Nun buht der Künstler verbal zurück und zieht seine Konsequenzen.

Auf seiner Facebook-Seite schreibt Beczala: „Das war meine letzte Produktion an der Scala.“ Zwar werde er seinen laufenden Vertrag am Mailänder Opernhaus erfüllen; danach aber sei Schluss. Beczala: „Nach Italien komme ich nur noch zum Urlaubmachen.“ Und sein Ratschlag an das renommierte Haus: „Die sollten nur mehr italienische Sänger engagieren. Warum ich meine Zeit mit diesem Schmarrn vergeudet habe ...“

Außerdem betont der 46-Jährige, dass er mit dem Regiekonzept von Regisseur Dmitri Tchernaikow nicht einverstanden gewesen sei, aber dennoch sein Bestes gegeben habe. Aber: „Das Ergebnis meiner Bemühungen waren meine ersten Buhs überhaupt.“

„Arrivederci“: Auf Facebook machte sich Beczala nach der Aufführung Luft

„Keinen Buhruf wert“

Rückendeckung erhält Beczala unter anderem von Wiens Staatsoperndirektor Dominique Meyer, der bei der Premiere in Mailand war. Meyer zum KURIER: „Ich habe nicht verstanden, warum Piotr Peczala ausgebuht wurde. Er hat wunderbar gesungen und ist ein großer Künstler, den wir immer mit Freude empfangen. Ein nicht gesungenes hohes C ist jedenfalls keinen Buhruf wert!“

Auch Noch-Scala-Intendant Stephane Lissner betont: „Beczala ist einer der wenigen guten Tenöre dieser Zeit und ist nie ausgepfiffen worden. Wegen eines fanatischen Teils des Scala-Publikums wollen viele Sänger nicht in Mailand auftreten.“

Damit liegt Lissner richtig. Immer wieder kam es an der Scala zu Eklats. 2006 schmiss der Tenor Roberto Alagna eine Vorstellung von Verdis „Aida“, nachdem Pfiffe ertönt waren. Alagna brach die Aufführung ab und flüchtete aus dem Haus.

Damals unterstützte Lissner den Tenor aber nicht, sondern warf Alagna „mangelnden Respekt gegenüber Haus und Publikum“ vor. Eine Auseinandersetzung mit Folgen, denn auch Alagna erklärte öffentlich, nie wieder an der Scala singen zu wollen.

„Geh nach Hause!“

Gleiches gilt für einen anderen Superstar. Im Dezember 2012 kehrte Cecilia Bartoli nach fast 20 Jahren Pause für einen Arienabend an die Scala zurück. Wurde der erste Teil noch positiv aufgenommen, so setzte es im zweiten Teil Pfiffe und Buhrufe. „Geh nach Hause!“ riefen die Zuschauer. Sogar Musikdirektor Daniel Barenboim musste bei den Tumulten eingreifen. „Schluss jetzt! Wir sind in einem Operntheater“, rief Barenboim dem Publikum zu. Vergebens. Bartoli trat letztlich erhobenen Hauptes ab und kündigte in der Folge an, nie wieder an der Scala auftreten zu wollen.

Und die Fans? In fast allen Fällen standen sie aufseiten der Sänger. Auch Beczala darf sich über viel Zuspruch in den Neuen Medien freuen, viele erklären sich mit dem Tenor solidarisch. Nur wenige Kommentatoren werfen Beczala ein divenhaftes Verhalten vor. Der Zuspruch für Alagna war damals nicht ganz so groß ...

Tenor Piotr Beczala, der als Alfredo in der "Traviata" bei der Saisoneröffnung der Scala am Samstag ein Pfeifkonzert einstecken musste, reagiert beleidigt auf die Kritik des Mailänder Publikums. Auf seiner Facebook-Seite kündigt der Pole an, nie wieder im Mailänder Opernhaus und in Italien überhaupt auftreten zu wollen. „Das war meine letzte Produktion an der Scala", schreibt der 46-Jährige.

Er sei mit dem Regiekonzept von Dmitri Tchernaikow nicht einverstanden gewesen, doch habe er seine Rolle so gut wie möglich gespielt: "Das Ergebnis meiner Bemühungen waren meine ersten Buhs überhaupt", schreibt der Pole. Er werde seinen Kontrakt an der Scala natürlich erfüllen, aber dann sei Schluss: "Nach Italien komme ich nur noch zum Urlaubmachen." Seine Empfehlung für die Scala fällt entsprechend klar aus: "Die sollten nur mehr italienische Sänger engagieren. Warum ich meine Zeit mit diesem "Schmarrn" vergeudet habe...."

TIPP: Die Mailänder "La Traviata" zum Ansehen als Webcast auf Arte.

Szenenfotos aus der Mailänder "Traviata"

Nicht im Stadion

Als Piotr Beczala nach Violettas Tod wieder auf die Bühne der Scala kam, konnte er es selbst sichtlich nicht fassen: Statt mit einem (erwarteten) Schlussapplaus wurde er, der Alfredo in Verdis „La Traviata“, von Teilen des Publikums mit Buhs verabschiedet. Er lachte verlegen, verbeugte sich aber dennoch höflich.

Tags darauf reagierte er auf seiner Facebook-Seite, mehr enttäuscht als beleidigt, und kündigte an, nach dieser Aufführungsserie nicht mehr am berühmten italienischen Opernhaus zu singen.

Er ist nicht der Erste, der das tut. Auch seine ebenso renommierten Kollegen wie Cecilia Bartoli oder Roberto Alagna hatten Konsequenzen aus der Ablehnung des Mailänder Publikums gezogen.

Nicht nur der Autor dieser Zeilen, auch der Direktor der Wiener Staatsoper konnte die Buhs für Beczala nicht nachvollziehen. Der polnische Tenor, ein Publikumsliebling in Wien, an der New Yorker Metropolitan Opera und an vielen anderen Opernhäusern, ist (auch, wenn er diesmal das hohe C in der Cabaletta nicht sang) zurzeit der denkbar beste Alfredo: Enorm musikalisch, kultiviert, mit einem traumhaft schönen Timbre gesegnet. Wer in dieser Partie lieber einen Sänger wie etwa Vittorio Grigolo hört, ist selber schuld.

Beczala hat auch völlig recht, dass er so reagiert: Mit Opernliebhabern (und deren Kritik) setzt man sich ja gerne auseinander, bei Fanatikern ist das aussichtslos. Sie verwechseln allzu oft ein Opernhaus mit einem Fußballstadion.

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