Franziska Hackl (hier mit Pascal Gross), wunderbar als Warwara.

© /Nurith Wagner-Strauss

"Sommergäste": Picknick, Prosecco und Hass
04/25/2015

"Sommergäste": Picknick, Prosecco und Hass

Michael Sturminger zeigt mit Maxim Gorkis "Sommergästen" im Landestheater St. Pölten, wie verantwortungslos wir mit unserem Leben umgehen.

von Barbara Mader

Es ist die unerträgliche Leichtigkeit des Seins: Ein Sommer auf dem Land, man spielt ein bisserl Tischtennis, hängt auf der Couch herum, trinkt Prosecco beim Picknick. Und ist irgendwie unzufrieden. Denn die müde dahinschleichende Sommerfrische erlaubt den Blick in die Abgründe der Seele. Hier, in der vermeintlichen Unbeschwertheit, wird man sich gewahr, wie unfähig man ist, aus den eigenen Mustern auszubrechen, so sehr man auch nach einem anderen Leben sucht. Hinter der Fassade der guten Manieren hasst man einander und schert sich einen Dreck um die wahren Probleme dieser Welt. ROMY-Preisträger Michael Sturminger unterstreicht bei seinem Regie-Debüt in St. Pölten behutsam die Aktualität von Gorkis 1904 veröffentlichtem Drama.

Ausweglos

Denn das ausweglose Gefangensein im eigenen Dasein, das drängender wird, je mehr Zeit man ihm zu widmen vermag, das klingt schon sehr zeitgenössisch. In seinen feinen Dialogen erweist sich Gorki als großer Menschenkenner, der aus jeder seiner Figuren spricht. Doch fehlen der hier knapp dreistündigen Tragikomödie im ersten Teil Höhepunkte, die Unzufriedenheit plätschert träge dahin, trotz Türen-auf-und-zu-Schlagen und aus dem Zuschauerraum-Spielen. Einzig Hausherrin Warwara (sehr gut: Franziska Hackl) zeigt echten Willen, ihr Leben in die Hand zu nehmen: "Keiner nimmt das Leben ernst!", mahnt sie.

Sturminger inszeniert sehr filmisch: Die zeitlos ausgestattete Drehbühne (Andreas Donhauser, Renate Martin) ist fast immer in Bewegung, das Drama wird oft mit elegischer Klaviermusik unterlegt. Dieser filmische Blick auf das Kammerspiel passt gut, hätte ruhig noch intensiver sein dürfen. Insgesamt ist die weitgehend sehr gut besetzte Inszenierung gelungen. Sturminger ist, ebenso wie Gorki, ein feiner Beobachter, der viel Wert aufs Detail liegt. Einzig: Das Stück hätte noch mehr Zuspitzung vertragen. Im zweiten Teil gelingen großartige, authentische Momente, in denen Leidenschaften, Abscheu und Zorn endlich ausbrechen und zaghaft Hoffnung auf einen neuen Anfang zulassen.

KURIER-Wertung:

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