Der ACT-Jazz-Labelchef Siggi Loch wird am 6. August 80

© ACT/Siggi Loch/Rade 2013

Kultur
07/27/2020

Siggi Loch wird 80: Ein Leben für den Jazz

Die bewegte Karriere von "Mister ACT", einem der erfolgreichsten deutschen Musikproduzenten, nun in einem Buch nachzulesen.

von Werner Rosenberger

Mit seinem eigenen Jazz + World-Jazz Label ACT hat sich Siegfried „Siggi“ Loch einen Lebenstraum erfüllt. Und beteuert kurz vor seinem 80. Geburtstag: „Das war die schönste Zeit meines Lebens.“

Jazz faszinierte den Wahlberliner immer als „die Musik der Freiheit, die Musik des Individuums in einer Gruppe von Gleichberechtigten“.

Er hatte stets eine gute Nase für Jazz, Pop und die Kunst. Al Jarreau hat er einst entdeckt, noch ehe dem Sänger in den USA der Durchbruch gelang, und mit Katja Ebstein und Marius Müller-Westernhagen gearbeitet.

Sidney Bechet

Sein Liebesgeschichte mit dem Jazz beginnt 1955 mit einem Konzert von Sidney Bechet – bis heute einer seiner Heroen: „Ich wurde von der Musik so sehr gepackt, dass sie mein ganzes Leben bestimmte.“

Bereits mit 22 Jahren produziert er den Saxofonisten Klaus Doldinger, hat aber auch ein G’spür für die aufkommende „Beat“ Bewegung und nimmt im legendären Hamburger „Star Club“ die Searchers, Rattles, die Spencer Davis Group und Jerry Lee Lewis auf.

Mit Erfolg, sodass er sich eine Hasselblad leisten kann, „seit den 60er Jahren, wann und wo immer möglich, die faszinierenden Persönlichkeiten des Jazz auch im Bild festhält“ und im Fotoband „Love of my Life“ veröffentlicht.

Auf alten Fotos ist der Musikmanager und -produzent neben Rockstars wie Rod Stewart oder Rolling Stone Mick Jagger zu sehen. Led Zeppelin ist für ihn die bis heute vielleicht beste Rock’n’ Roll-Band aller Zeiten: „Da haben vier Genies zusammen gespielt.“ Und schließlich waren Begegnungen mit Prince Highlights der Jahre von Siggi Loch bei WEA (heute: Warner Music Europe).

„Ich konnte mit Rockmusikern umgehen“, sagte er, „doch die Eleganz eines Jazzers wie Miles Davis war mir näher.“

Talententdecker

60 Jahre lang hat er die Branche von ihren Anfängen bis heute geprägt und mitgestaltet. Zunächst als jüngster Chef eines Major Labels und dann 1992 als ältester Gründer eines unabhängigen Labels: Mit ACT öffnet er von der ersten Produktion „Jazzpaña“ an Musikern Türen, die neue Wege beschreiten und den Jazz als stiloffene Weltsprache begreifen.

Oder wie es der Gitarrist Nguyên Lê poetisch ausdrückt: „Die Zeit fliegt und Musik verleiht uns Flügel.“

Siggi Loch verhilft – nach oft jahrelanger Aufbauarbeit – etlichen europäischen Jazzmusikern, u. a. Nils Landgren, Esbjörn Svensson oder Michael Wollny, zum Durchbruch, und sagt: „Für mich war von Anfang an klar, ich will nicht nur Talente entdecken, sondern ihnen auch zum Erfolg verhelfen.“

Swedish Folk Jazz

So entdeckt er die Schlagerlegende Katja Ebstein („Wunder gibt es immer wieder“), den Gitarristen und Zeichner Volker Kriegel, den französi-schen Fusionjazz-Geiger Jean- Luc Ponty und viele mehr.

So definiert er mit Landgren, Svensson u. a. die Geburtsstunde des Swedish Folk Jazz neu.

So sind Karrieren von Künstlern wie Wolfgang Haffner, Viktoria Tolstoy, Vincent Peirani, Emile Parisien, Youn Sun Nah, Lars Danielsson u. v. a. untrennbar mit ACT verbunden. Und Lochs Ehrgeiz ist, die besten Pianisten in seine Künstlerfamilie einzubinden.

Das mit dem Norweger Bugge Wesseltoft eingespielte „It’s Snowing on my Piano“ (1997), die vielleicht schönste CD des zeitgenössischen Jazz mit Weihnachts- und Winterliedern, ist mittlerweile Kult und mit mehr als 150.000 verkauften Exemplaren das erfolgreichste ACT- Album. Über das der Spiegel schrieb: „Eine Platte, bei der die Akkorde ruhen und die Töne Pause machen.“

Mittlerweile bringt ACT in Deutschland die meisten Jazz-Produktionen heraus und gewinnt mehr Echo-Jazz-Preise als alle Konkurrenten.

Kunstsammler

Ein geschicktes Händchen hat Loch auch als Sammler u. a. von Werken Bruce Naumans, Andy Warhols und Katarina Grosses. 1970 kauft er für 20.000 Mark – „eine stattliche Summe für meine Verhältnisse damals“ – das Ölgemälde „Vierwaldstätter See“ eines Künstlers namens Gerhard Richter.

Jahre später bekommt er dafür 3,2 Millionen Euro und finanziert damit seine Villa in Berlin Grunewald, erbaut vom Architekten Oskar Kaufmann, der die Volksbühne entworfen hat.

Und wann ist ein Plattenalbum gelungen? „Wenn die Musik ein Geheimnis hat und man ihr auch nach dem x-ten Hören nicht überdrüssig wird. Nur dann qualifiziert es sich auch für die Ewigkeit.“ Lochs Credo ist der schönste Satz im Band „A Life in the Spirit of Jazz“. Ein Zitat von Jean Dubuffet: „Musik muss die Seele erfreuen, nicht die Ohren.“

www.actmusic.com

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