David Yaffe hat Joni Mitchells Biografie verfasst - nun ist sie auch auf Deutsch erschienen

© REUTERS/STAFF

Kultur
07/21/2020

Joni Mitchell: Reise zu den weiten Horizonten einer spannenden Lebensgeschichte

David Yaffes Biografie eines komplizierten Charakters und einer Musikerin, deren Songs eigentlich Kurzgeschichten sind.

von Werner Rosenberger

Für den Rolling Stone ist Joni Mitchell, die ihre große Zeit in den 60er- bis 80er-Jahren hatte, aber bis heute Musiker wie Rufus Wainwright inspiriert, „eine der großartigsten Liedermacherinnen aller Zeiten“.

Sich selbst sieht sie vor allem als Malerin, die auch Songs schreibt.

19 Plattenalben, darunter viele Meisterwerke wie „Hejira“ (1982) „Travelogue“ (2002) oder „Shine“ (2007), hat die Kanadierin seit ihrem Debüt 1968 veröffentlicht.

Was an ihr fasziniert, berührt, mitunter auch verstört, erzählt ihre Stimme. Auch ihre von David Yaffe erzählte – jetzt auch auf Deutsch erschienene – Biografie.

Auf fast 600 Seiten, in 33 Kapiteln und von rund 50 Interview-Partnern ist dabei allerlei an Irrungen und Wirrungen zu erfahren, über ihre Polio-Erkrankung, eine zur Adoption freigegebene Tochter und das immer wiederkehrende Gefühl der Einsamkeit, kurzum: über ein Leben, das trotz mancher Enttäuschung ein ziemlich spannender Trip gewesen sein muss.

Stau vor Woodstock

Joni Mitchell, die es wegen des Autostaus nicht bis nach Woodstock geschafft hat, aber einem ihrer bedeutendsten Songs den Titel „Woodstock“ gab, hatte mehrere Ehemänner, zahlreiche Gefährten und unzählige Liebhaber. Weil sich die junge Musikerin Mitte der 60er-Jahre im Zentrum des Folk-Rock-Zirkus der USA bewegte, waren die bekanntesten Songschreiber der Zeit unter den Gefährten: Neil Young, Leonard Cohen, David Crosby, Graham Nash. James Taylor behandelte sie roh. Und als Jackson Browne sie verließ, wollte sie sich umbringen.

Aber anders als das Klischee vom männlichen Künstler und seiner Muse hat sie als Songwriterin die Männer in ihrem Leben als Musen benutzt.

Der Rest ihrer Biografie lässt sich aus ihren Songs herauslesen und -hören. So wie sie mit der für sie typischen Deutlichkeit erklärte, dass sie vom „korrupten Sumpf, den pornografischen Schweinen“ des Musikbusiness die Nase gestrichen voll habe, so nahm sie sich auch bei ihren Songs nie ein Blatt vor den Mund.

Wie Frauen singen und Männer zuhören

Zu den Lyrics – lustig, poetisch, tiefgründig und oft herzzerreißend – fliegt ihre Stimme über die Akkorde wie eine Schwalbe vor dem Gewitter. Da verteilt sie ihre Texte so beiläufig, schleifend und hüpfend wie absichtslos über den Takten, als erzählte sie plaudernd ihr Leben.

Für jemanden, der einmal meinte, dass er die Musik zu hassen gelernt habe, hat die heute 76-Jährige doch erstaunlich gefühlvolle Songs geschrieben. Noch schöner sagte es Leonard Cohen: „Joni Mitchell hat die Art verändert, wie Frauen singen und Männer zuhören.“

David Yaffe: „Joni Mitchell. Ein Porträt“ Aus dem Englischen von Michael Kellner. Verlag Matthes & Seitz, Berlin 2020. 583 S., 28 €

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