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Kultur
07/20/2020

Chicks: Comeback mit neuem Namen und Songs über Lügner

Das 13-fach Grammy-prämierte Trio, das früher Dixie Chicks hieß, veröffentlicht das erste Album seit 14 Jahren

„Wir wollen dem Moment gerecht werden!“ Das war der knappe Kommentar, mit dem sich die Dixie Chicks vor einem Monat – am Höhepunkt der „Black Lives Matter“-Proteste in den USA – von dem ersten Teil ihres Namens verabschiedeten. Ab jetzt heißt das Pop- und Country-Trio nur mehr Chicks. Denn das Wort Dixie ist ein Synonym für die Südstaaten, das aus der Zeit stammt, als dort Sklaven gehalten wurden.

So erscheint auch das neue Album „Gaslighter“, das erste seit 14 Jahren, unter dem Namen Chicks. Musikalisch scheint dabei die Country-Vergangenheit von Sängerin Natalie Maines, Banjospielerin Emily Robison und Geigerin Martie Maguire immer noch durch, obwohl sich die drei wie schon mit dem Vorgänger mehr an Pop und Rock orientieren.

Wörtlich übersetzt heißt „Gaslighter“ Feuerzeug. Die Chicks beziehen sich mit dem Titel aber auf die Bedeutung des Wortes in der amerikanischen Umgangssprache, in der es für einen manipulativen Lügner steht. Mit der Geschichte der Chicks scheint klar zu sein: Damit meinen sie Donald Trump.

2003 nämlich, eine Woche bevor der damalige Präsident George W. Bush die US-Truppen in den Irak schickte, sagte Maines bei einer Show in London zu ihrem Publikum: „Wir wollen diesen Krieg nicht, das ist rohe Gewalt. Wir genieren uns dafür, dass der Präsident aus Texas kommt.“

Diese paar Sätze, so ehrlich und authentisch sie auch waren, wurden von der Mehrzahl der Fans und der traditionell konservativen Country-Community als Provokation und Skandal empfunden. Radiostationen boykottierten die Platten der 13-fachen-Grammy-Gewinnerinnen, Fans verbrannten wütenden ihre CDs und es gab sogar Morddrohungen.

Maines entschuldigte sich danach zwar für die Wortwahl („Ein Präsident verdient Respekt“), aber inhaltlich blieben die drei bei der Verurteilung der Politik des Republikaners.

Trotzdem haben sie den Titelsong „Gaslighter“ nicht über den aktuellen, ebenfalls republikanischen Präsidenten Donald Trump geschrieben. „,Gaslighter’ ist sicherlich das Wort unserer Zeit“, erklärte Maines kürzlich der britischen Musikplattform NME. „Ich kann verstehen, dass alle diese Assoziation haben. Selbst wenn wir nie wieder den Mund aufmachen würden, wegen unserer Vorgeschichte würde man immer denken, dass wir kontroversiell sein wollen. Hinter dem Lied steckt aber tatsächlich etwas anderes.“

Die meisten der Songs wurden von Maines Scheidung von dem Schauspieler Adrian Pasdar inspiriert. Es geht um Lügen und desaströse Backstage-Partys, die Hochzeit von Freunden. Nur in „March March“ greifen die Chicks ein soziales Thema auf, singen von selbstbestimmten Frauen, die mutig ihren Weg alleine gehen.

Haben die Chicks die Aussagen über Bush bereut? „Ich wünschte, ich hätte das diplomatischer ausgedrückt“, sagt Maines. „Aber ich finde, man kann Entertainer sein und darf trotzdem eine Meinung haben. Und es ist unsere Pflicht, unsere Stimme für das zu benützen, was uns wichtig ist.“

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