Über den zweiten Platz kann sich heuer Red Bull-Gründer Dietrich Mateschitz freuen. Mit einem Vermögen von 7,25 Milliarden Euro gelang es ihm, die Familie Flick zu überholen.

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Kultur
05/04/2016

Schubumkehr: Servus TV sperrt doch nicht zu

Red Bull führt den Fernsehsender weiter. Verzicht der Mitarbeiter auf Betriebsrat war ausschlaggebend.

Nach dem Knalleffekt von gestern nun die überraschende Wende: Servus TV bleibt doch bestehen, wie der Fernsehsender am späten Mittwochnachmittag mitteilte. "Red Bull führt den Sender weiter, und die Kündigungen werden zurückgenommen", hieß es in einer Aussendung. Grund: Arbeiterkammer und Gewerkschaft hätten bei einem Treffen mit Red Bull am Mittwochnachmittag die Ablehnung der Belegschaft, einen Betriebsrat zu gründen, akzeptiert. "Nicht überraschend für einen Betrieb, der für seine hohen sozialen Standards bekannt ist, lehnt die überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter einen Betriebsrat ab", lautet die Argumentation bei Servus TV.

Die "Fortsetzung der partei-politischen unabhängigen Linie" werde von allen Beteiligten begrüßt. "Die Verantwortlichen glauben, dass sie dadurch eine gute Basis und Strategie gefunden haben, um die jeweiligen Ziele – die überwiegend gemeinsame und im Weiteren ähnliche Ziele sind – zu erreichen", heißt es abschließend.

Gewerkschaft: Nichts von Rund-Mail gewusst

Die Gewerkschaft reagierte hoch erfreut. Gerald Forcher, Geschäftsführer der GPA-djp Salzburg, betonte, dass sich die GPA-djp nie in die inneren Angelegenheiten des Senders eingemischt habe. Die Frage, ob Mitarbeiter ihre innerbetrieblichen Mitwirkungsrechte wahrnehmen wollen, obliege ausschließlich ihnen selbst. "Diesbezüglich werden wir alle Entscheidungen akzeptieren."

Auch mit dem Rund-Mail habe man nichts zu tun gehabt. Die Gewerkschaft sei darüber informiert, dass es bei Servus TV Mitarbeiter gegeben habe, die eine Betriebsratswahl angedacht haben, erklärte Forcher im APA-Gespräch. "Es hat aber keine Einberufung für eine Betriebsversammlung gegeben. Es haben nur einige darüber nachgedacht, ob das sinnvoll wäre oder nicht." Der Salzburger Medienlandschaft seien nun jedenfalls "weitere Auseinandersetzungen und ein herber Verlust" erspart geblieben, so das erleichterte Fazit Forchers.

Entsetzen am Dienstag

Erst am Dienstag hatte die angekündigte Einstellung von Servus TV für Entsetzen in der Branche gesorgt. Die Kündigung von 246 Mitarbeitern stand im Raum. Spekulationen, dass eine versuchte Betriebsratsgründung der Anlass war, wurden von Mateschitz bestätigt: Es habe eine entsprechende Initiative per anonymem Mail, "unterstützt von Gewerkschaft und Arbeiterkammer", gegeben. Das widerspreche dem Prinzip der Unbeeinflussbarkeit und Eigenständigkeit des Senders, das durch eine solche Betriebsratsgründung "nachhaltig beschädigt" worden wäre, so der Red-Bull-Boss.

Über 200 Mitarbeiter unterschrieben dann einen Offenen Brief, in dem sie sich gegen einen Betriebsrat aussprachen. "Die anonyme Umfrage über die mögliche Gründung eines Betriebsrates unterstützen wir - und das ist die überwältigende Mehrheit aller Mitarbeiter von ServusTV - ausdrücklich nicht", hieß es darin. "Wir wollen und brauchen keinen Betriebsrat."

Wenn einer wichtiger ist als Millionen

Servus TV stellt den Sendebetrieb ein – ewig schad’. Servus TV stellt den Sendebetrieb doch nicht ein – o namenlose Freude.

Der Sender, der über Umwege so viel bewirkt hat, weil er Qualitätsfernsehen wieder salonfähig machte, überrascht also weiterhin – nicht nur wegen seines recht chaotischen Programmschemas.

Die Ankündigung von Dietrich Mateschitz, den Aus-Knopf zu drücken, war erfolgt, weil ein Betriebsrat gegründet werden sollte. Sofort tauchte die Frage auf: Bezieht sich der Name Servus TV etwa nicht nur auf den lieben Gruß? Greift er gar etymologisch ganz bewusst auch auf den lateinischen servus (zu deutsch: der Sklave, der Knecht) zurück?

Als die meisten Mitarbeiter schön brav bekundeten, einen Betriebsrat eh abzulehnen, kam der Rückzug vom Rückzug. Ein riesengroßer Marketing-Schmäh also? Oder nur der Beweis, wie sehr Geld die Welt regiert?

Jedenfalls wird der Wahrheitsgehalt eines Satzes, den man aus dem innersten Kreis des Senders hören konnte, wieder bestätigt: Es ist leichter, Programm für eine Million zu machen, als für einen (Mateschitz).

Fernbedienung

Womit wir direkt bei Politik und Muskelspielen wären. Ist es die Aufgabe eines Parteichefs, wenn er nicht per Fernbedienung abgedreht werden will, alles zur Zufriedenheit eines Landeshauptmannes zu unternehmen? Oder nicht doch, ein Programm (sofern man ein solches hat) umzusetzen? Das gilt für die SPÖ ebenso wie für die ÖVP. Und sollte der Mann in Blau in die Hofburg gewählt werden, darf man davon ausgehen, dass auch dort letztlich Politik für den Einen gemacht wird.

Konkret zum Kanzler: Muss er alles tun, um Subchefs wie etwa den obersten Burgenländer zu befrieden, der durch seine regionale Koalition eine ideologische Abmachung gebrochen hat, was der eigenen Partei zuletzt im ersten Wahlgang definitiv nicht nützte? Ist ein Slalomkurs der Partei mit Einfädlern nicht vorprogrammiert, wenn plötzlich alle glauben, Einzelinteressen verfolgen zu müssen? Wäre es nicht bedeutend sinnvoller, sich zunächst einmal auf ein gemeinsames Zukunftsprojekt zu einigen und erst danach über Personen zu sprechen?

An der Spitze der ehemaligen Großparteien passiert genau das, was bei Bestellungen im Kulturbereich zurecht immer wieder als Vorwurf erhoben wird: Dass vor allem über Namen diskutiert wird statt über Inhalte.

Daher haben es Kandidaten wie Irmgard Griss leicht, wenn sie eine "neue Politik" versprechen. Wie die dann konkret aussieht, muss ja im Ernstfall nicht bewiesen werden. Und wenn man beharrlich nachfragt, wie es denn nun weitergehe mit der sogenannten Bewegung, beziehungsweise wem sie selbst bei der Stichwahl am 22. Mai ihre Stimme geben werde, erntet man nahezu Empörung, warum denn das von Belang sei.

Nein, es ist für mündige Bürger nicht von Belang, wen Griss wählt. Aber es hätte gerade für eine Newcomerin eine Logik, nicht eigenes Kalkül über Klarheit zu stellen. So sieht nämlich neue Politik sofort ganz alt aus.

(Gert Korentschnig)