Roland Geyer: Der Hausherr als Regisseur

zwei porträtfotos nebeneinander
Foto: APA/dapd Roland Geyer (links): "Ich wollte eine völlig Neuinterpretation der Frauenfiguren. Wir sind uns da mit Friedkin nicht einig geworden."

Im Interview erzählt der Chef des Theaters an der Wien von seinem Konflikt mit Regisseur Friedkin und wie er auf ihn verzichten konnte.

Es war einer der spektakulärsten Theater-Konflikte der jüngsten Zeit: Roland Geyer, Chef des Opernhauses an der Wien, und der amerikanische Regisseur William Friedkin ("French Connection", "Der Exorzist") beendeten die Zusammenarbeit lautstark und medienwirksam.

Friedkin hatte Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen" im Theater an der Wien szenisch inadäquat auf die Bühne gebracht. Die zweite Premiere dieses Werkes, mit nur einer Sängerin in den großen Frauenrollen, inszenierte darob nicht mehr Friedkin. Geyer sprang selbst ein. Kommende Woche hat der Debütant Premiere.

KURIER: Sie sind erfolgreicher Intendant des Theaters an der Wien und inszenieren erstmals selbst an Ihrem Haus. Woher kommt die Anmaßung zu glauben, dass Sie das können?

Roland Geyer: Ich habe vor etwa 20 Jahren in diesem Bereich einiges gemacht. Ich habe zum Beispiel im Studio Molière eine Fassung von "Hoffmanns Erzählungen", bestehend aus sieben Szenen, für Jugendliche inszeniert. Oder eine spezielle Fassung von "Tapfere Soldaten" von Oscar Straus. Ich habe also ein bisschen Erfahrung damit, einem Stück eine Fassung zu geben. Das ist bei "Hoffmann" sehr wichtig.

Gerade die Fassung wurde zuletzt heftig kritisiert, als Hollywood-Regisseur William Friedkin bei der jüngsten "Hoffmann"-Premiere im Theater an der Wien scheiterte.
Wir spielen die bekannte Keck/Kaye-Fassung, diese bietet ein ganzes Konvolut an Möglichkeiten. Daraus habe ich meine Fassung hergestellt, die insgesamt kürzer ist als die von Friedkin. Und die Spiegelarie wandert vom Beginn der Oper in den Giulietta-Akt.

Theater an der Wien, LES CONTES D HOFFMANN Foto: photo © A.Bardel5;#165; [email protected] ¥ www.arminbardel.at Neues Bühnenbild, neue Regie: "Hoffmanns Erzählungen" hat an der Wien zum zweiten Mal Premiere – nach einem gescheiterten ersten Versuch

Sie haben die Regie nach einem Konflikt mit Friedkin übernommen. Was ist da passiert?
Es war immer geplant, dass es für "Hoffmann" eine zweite Premiere gibt – mit einer Sängerin (Marlis Petersen, Anm.), die alle drei Frauenpartien gibt. Ich wollte eine völlig Neuinterpretation der Frauenfiguren. Wir sind uns da mit Friedkin nicht einig geworden.

Was war der Grund, es gleich selbst zu versuchen?
Zunächst ein budgetärer und terminlicher. Bei einem anderen Regisseur hätten wir das finanziell und zeitlich nicht hinbekommen. Ich hatte kein volles Regiehonorar mehr im Budget. Und dazu kam die Lust, es selbst zu machen.

Verdienen Sie zusätzlich zu Ihrer Gage etwas für die Regie?
Nein, gar nichts. Es war auch ein glücklicher Zufall, dass ich im Mai meinen Urlaub geplant und daher Zeit hatte, mich intensiv darauf vorzubereiten.

Haben Sie keine Angst, auf die Nase zu fallen?
Entweder man hat die Chuzpe oder man hat sie nicht. Man kann sie nicht halb haben. Ich hätte mir früher gut vorstellen können, auch Regisseur zu werden. Aber das geht für mich nicht parallel zu einem Intendantenjob. Ich ziehe vor jedem Kollegen den Hut, der parallel zu seinem Direktionsjob inszeniert. Ich persönlich fühle mich im Kreativprozess gestört durch jede administrative Frage.

Haben Sie bei den Proben Blut geleckt. Wird es öfter Geyer als Regisseur geben?
Die Proben bisher waren eine schöne Zeit. Aber ich werde sicher nicht als Regisseur durch die Welt ziehen. Wenn ich so etwas noch einmal mache, dann nur, wenn alles passt – vor allem die Vorbereitungszeit. So kurzfristig wie "Hoffmann" wären nur "Fledermaus" und "Don Giovanni" noch denkbar gewesen. Dafür hätte ich konkrete Konzepte und Ideen. Aber wenn man, wie ich im Theater an der Wien, 70 Produktionen herausbringt und intensiv begleitet, lernt man schon einiges.

Ist dieser neue Job der Kick, den Sie nicht gekriegt haben, weil Sie die geplante Intendanz der Bregenzer Festspiele wieder zurückgelegt haben?
Bregenz hätte mir letztlich nur ermöglicht, die Hälfte meines Konzeptes umzusetzen. Das war zu wenig. Ich habe ein fertiges Konzept für Bregenz, das kann man aber nirgendwo anders auf der Welt umsetzen. Aber das Thema ist für mich abgehakt.

Bei den Salzburger Festspielen gab es zuletzt auch einen Konflikt zwischen dem Intendanten und dem Kuratorium, noch ehe die erste Saison von Alexander Pereira begonnen hat. Ihr Kommentar dazu?
Es ist in Salzburg ähnlich, wie es in Bregenz mit mir und bei den Wiener Festwochen mit Shermin Langhoff war. Man kontaktiert spezielle Kreative, innovative Intendanten oder Direktoren, um einem Festival einen neuen Impuls zu geben. Kaum arbeiten diese Leute, merken die zuständigen Politiker, dass man jemanden geholt hat, der eine völlig neue Denkweise einbringt. Dann wird es den Politikern rasch zu viel. So gesehen war auch dieser Konflikt vorhersehbar.

Zur Person: Der Neo-Regisseur

Der Intendant
Roland Geyer, geboren 1952 in Wien, studierte Wirtschaftsmathematik an der TU Wien und Sportwissenschaften an der Universität Wien. Er war als Kultur- und Sportmanager in Amstetten tätig, ehe er 1987 als Generalsekretär zur Jeunesse wechselte. 1996 wurde er Musikintendant der Stadt Wien, gründete die Festivals KlangBogen und OsterKlang und ist seit 2006 Intendant des Theaters an der Wien.

"Hoffmanns Erzählungen" ist nun seine erste Regiearbeit an diesem Haus.

Die Produktion
Premiere der Offenbach-Oper ist am 4. Juli. Riccardo Frizza dirigiert die Symphoniker. Marlis Petersen ist als Olympia/Antonia/Giulietta zu hören, Arturo Chacon-Cruz singt Hoffmann, John Relyea die Bösewichte.

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(kurier) Erstellt am
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