© APA/AFP/ANNE-CHRISTINE POUJOULAT

Interview
06/06/2021

Robin Wright: „Wir haben darum gekämpft, gehört zu werden“

Die Schauspielerin im Gespräch über "Land", ihre erste Regiearbeit für die Kinoleinwand, Vorbilder und Gleichberechtigung in der Filmbranche.

von Elisabeth Sereda

„House of Cards“ ist Geschichte und der Skandal um ihren Co-Star Kevin Spacey beinahe schon vergessen. Doch eins ist Robin Wright aus den Tagen der Serie geblieben: die Liebe fürs Regieführen. Nachdem sie bei einigen Folgen im Regiesessel saß, erfüllte sie sich nun mit dem poetischen Film „Land“ (deutscher Titel: „Abseits des Lebens“, ab August in den heimischen Kinos) den lang gehegten Wunsch, dies auch für die Kinoleinwand zu tun. Sie spielt in „Land“ auch die Hauptrolle der Edee, die sich nach einem schmerzhaften Verlust in die Einsamkeit der Rocky Mountains zurückzieht. Wright, 54, betrachtet ihre Arbeit als die größte Herausforderung ihrer Karriere.

KURIER: War der Unterschied, Regie bei einer TV-Folge zu führen und bei einem Film, sehr groß oder war es im Grunde der gleiche Job?

Robin Wright: Es war ein vollkommen anderes Paar Schuhe für mich. In der Serie war ich nur Teil des Ensembles, hier war ich mehr oder weniger die gesamte Zeit allein im Bild. Und dann mussten wir vier Jahreszeiten und eine inhaltliche Spanne von zweieinhalb Jahren in 29 Tagen drehen. Ich war ja gar nicht so darauf aus, auch noch die Rolle zu spielen, aber als wir den Film endlich finanziert hatten, sagten die Produzenten: Okay, dein Fenster für die Dreharbeiten wird immer kleiner. Ich hatte also keine Chance, eine andere Besetzung zu finden. Die Produzenten meinten: Warum spielst du sie nicht? Ich wehrte mich, solange ich konnte, ich wollte wirklich nur hinter der Kamera sein. Also sagte ich: Okay.

Was brachte Sie dazu, diese Geschichte zu erzählen?

Das Projekt landete auf meinem Schreibtisch, als jede Woche irgendwelche sinnlosen, tödlichen Verbrechen in den Medien waren. Mich hat das sehr betroffen gemacht, weil ich mir immer vorstellte, wie es den Familien, den Angehörigen der Opfer geht. Ich las das Drehbuch und wusste, ich wollte mich mit dem Thema der Trauer nach einem tragischen Verlust auseinandersetzen. Dieser Frau in meinem Film wird der Boden unter den Füßen weggezogen, und dann flüchtet sie in die Wildnis, in die totale Einsamkeit, und versucht dort zu überleben. Sie glaubt, dass sie die Brutalität der Natur aushalten kann, aber sie erkennt, dass sie andere Menschen braucht, die Liebe und Sorge und das Mitgefühl von anderen, um diese schwierige Zeit durchzustehen.

Finden Sie, dass der Kampf um Gleichberechtigung in diesem bis heute männlich dominierten Beruf leichter geworden ist?

Ja und nein. Wir haben immer darum gekämpft, gehört zu werden, nicht ignoriert zu werden. In der Hinsicht haben wir große Fortschritte gemacht. Aber selbst, wenn wir den unsichtbaren Plafond durchbrochen haben, müssen wir uns doch bemühen, die Basis, auf der wir stehen, zu erhalten. Wir werden nicht mehr komisch angesehen, wenn wir sagen, dass wir Regie führen wollen. Aber das heißt nicht, dass es nicht Männer gibt, die sich noch nicht daran gewöhnt haben. Und die müssen jetzt ihre Perspektive ändern – eine Perspektive, die sie im Geschlechter-Verhältnis über Jahrhunderte als selbstverständlich hingenommen haben, und was die Filmindustrie betrifft, fast ein ganzes Jahrhundert.

Welche Regisseure, mit denen Sie als Schauspielerin gefilmt haben, haben Sie beeinflusst?

Der beste war sicher Anthony Minghella, weil er nie nonverbale Regieanweisungen gab (Wright und Minghella arbeiteten für das Drama „Breaking and Entering“ von 2006 zusammen, Anm.). Es gibt ja Regisseure, die sagen: Geh nochmal in das Zimmer, aber mit mehr Energie. Was, bitte, soll das heißen, mehr Energie? Minghella gab mir eine Story, und als Schauspieler baust du deine Vorstellungskraft auf der Story auf. Das ist etwas, das ich von ihm gelernt habe.

Was haben Sie aus der Regie-Erfahrung gelernt?

Du kannst wirklich sehen, wie schlecht du sein kannst als Schauspieler, wenn du dir selbst Regieanweisungen gibst! Aber weil ich die Kontrolle hatte, konnte ich nach einer Szene zum Monitor rennen, auf Playback drücken und dann sagen: Noch mal bitte, ich war ganz schrecklich.

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