1975 spielt Oskar Werner den Mörder in der US-Krimiserie "Columbo"

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Oskar Werner
11/03/2013

"Ein Mann mit einer alten Seele"

Legende und Mythos, weit über den Tod hinaus – Erinnerung an eine Begegnung 1981.

von Werner Rosenberger

Keine Ruh’ währt ewig: Mit Empörung oder Mitgefühl reagierten Leser auf den KURIER-Bericht über Oskar Werner zu Allerheiligen: Der Schauspieler wurde in Liechtenstein 27 Jahre nach seinem Tod exhumiert, nachträglich verbrannt und in einer Urne im Friedhofswinkerl in Triesen wieder beigesetzt.

Das ruft Erinnerungen an eine Begegnung der besonderen Art im Café Eiles im Spätherbst 1981 wach:

Zwei Tage vorher hatte er beim Palais Liechtenstein „Gedichte gegen den Krieg“ gelesen. „In Oskar Werners Kunst liegt ein Staunen der Welt gegenüber“, schrieb die Kritikerin Karin Kathrein. „Etwas Reines, Unschuldiges, das ihn Dinge neu sehen lässt, neu erfassen, neu erfühlen. Doch das mit Kraft, mit Leidenschaft und Liebe ...“

Es war das damals vielversprechende Comeback eines Genies, das erklärt hatte: „Mit dem Theater bin ich verheiratet, der Film ist meine Geliebte.“

Oskar Werner: Seine Filme

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Große Pläne

Es war nach jahrelanger Zurückgezogenheit auch die Rückkehr eines Genies der vertanen Chancen und versäumten Gelegenheiten, das sich ähnlich rar gemacht hatte wie später Carlos Kleiber.

Der manische Melancholiker, dem dann nur noch knapp drei Jahre Lebenszeit verblieben, wirkte vital und hatte große Pläne. Welche Rolle hatte er sich zugedacht?

„Nach Camus kann man nur noch revoltieren oder resignieren – ich aber bin in der Revolte, weil ich mich auflehne. Ich bin altmodisch und ein Mann mit einer alten Seele“, sagte er mit dem ihm eigenen leicht nasalen Timbre.

Das war, bevor er nur noch gesoffen hat und der Glanz seiner bis heute faszinierenden Stimme stumpf wurde. Aber schon Georg Kreisler sagte: „Man kann sich seine Abgründe nicht aussuchen.“

Werner, der einst als gegen alle Ströme der Konventionen drängender Rettungsschwimmer des Theaters angetreten war, gab sich damals noch mit heiterer Schwermut kämpferisch.

Und wirkte doch ein bisschen wie aus der Zeit gefallen in seinem Urteil über den aktuellen Theaterbetrieb.

Gegen den Zeitgeist

„Ich ging einst zum Theater, um die großen Meisterwerke zu spielen, und manchmal erinnert man sich noch an Hamlet, Torquato Tasso, Don Carlos oder Kabale und Liebe. Ich bin im Monat Luthers geboren und ein echter Protestant.“ Er protestiere gegen den Zeitgeist:

„Wenn ein Kind ein brennendes Streichholz an ein Benzinfass hält, so kann man es dafür nicht verantwortlich machen. Aber wenn man sich ein Leben lang bemüht, für den Adel des Geistes und für die Qualität des Gefühls einzutreten, dann kann man die Schändungen, die heute an den großen klassischen Meisterwerken vollbracht werden, einfach nicht mitmachen. Das wäre ja dann die billigste Kollaboration.“

Jeder Satz ein Treffer.

Schlagfertig antwortet er auf die Frage nach seiner Meinung über Kritiker: „Mich interessiert nicht, was Eunuchen über die Liebe sagen.“

Woran glauben Sie?

„An das Erhabene und das Schöne und daran, dass der Mensch nicht nur ein Schweinehund ist.“

Und irgendwann die gewagte, weil intime Frage: Wie wollen Sie sterben?

„Kurz und bündig.“

Dass es am Ende genau so kommt, wer hätte das gedacht. Es ist eine Ironie der Geschichte. Zehn Tage vor seinem Tod in Marburg notiert er: „Zum Glück bin ich seit 30 Jahren Auslandsösterreicher.“ In Wiener Erde will Oskar Werner nicht geschaufelt werden. Das verfügt er schriftlich, wie Robert Dachs in seinem Buch „Oskar Werner: Abgründe eines Giganten“ (Braumüller) verrät. Aber als Leiche muss er noch einmal nach Wien. Bis das Begräbnis in Liechtenstein organisiert ist, liegt er in einem Kühlhaus in Favoriten.

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