Demonstranten bei der United Voices Rally .

© APA/AFP/KYLE GRILLOT

US-Filmpreise
02/25/2017

Vor Oscars: Hollywood macht gegen Trump mobil

Wer gewinnt die wichtigsten Filmpreise der Welt? Diese Frage, die sonst ganz Hollywood bewegt, verkommt am Sonntag zur Nebensache. Und das nicht nur, weil dem Filmjahr 2016 die großen Aufreger fehlen. Die Oscar-Verleihung am Sonntag steht im Zeichen des Protests gegen den neuen US-Präsidenten. Es ist eine Konfrontation mit Ansage.

von Karl Oberascher

Es ist schon bezeichnend. Als größter Favorit in der Reihe einer ansonsten mit durchaus politischen Filmen durchsetzten Nominiertenliste für den besten Film gilt den Kritikern und Buchmachern ausgerechnet „La La Land“. Ein Musical, in dem Emma Stone und Ryan Gosling tanzend und schwärmend an den Glanz des alten Hollywood erinnern. Nichts deutet darauf hin, dass die Gegenwart nicht ganz so wundervoll ist. Das mag in einem Jahr wie dem vergangenen Leistung genug sein – es zeigt aber auch die grundsätzliche Haltung der "Traumfabrik": Politik und Hollywood – diese zwei Sphären wurden bisher immer tunlichst getrennt. Jedenfalls in der Oscarnacht.

Und wenn doch einmal einer der Filmstars eine politische Äußerung wagte, war es ein Skandal. Als Michael Moore 2003 seine Brandrede gegen George W. Bush hielt, wurde er vom Live-Orchester von der Bühne gespielt. Als Marlon Brando 1973 seinen Oscar für der Pate verweigerte und stattdessen eine junge Aktivistin der American Indian Movement auf die Bühne schickte, war das Unverständnis auch unter seinen Kollegen im Saal groß (Mehr dazu lesen und sehen Sie hier: "Oscars: Die fünf legendärsten Dankesreden").

Bei der Verleihung am Sonntag werden politische Statements aber zum Teil der Inszenierung gehören. Und zwar ganz bewusst. Erstmals ermuntert die Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die den Filmpreis verleiht, die Sieger aktiv, auf der Bühne politisch Stellung zu nehmen. Ein absolutes Novum. "Trump habe aus allen Künstlern Aktivisten gemacht", sagte Academy-Präsidentin Cheryl Boone Isaacs.

"Es ist Zeit, sich zu zeigen!"

Meryl Streep hat ihre Verwunderung über den neuen US-Präsidenten schon bei den Golden Globes vor bald sieben Wochen geäußert (siehe Video unten). Bei der Verleihung am Sonntag wurde sie nun als eine der 15 finalen Laudatoren ausgewählt. Auch Matt Damon, wie Streep bekannt für sein politisches Engagement, soll einen Filmpreis übergeben dürfen. Der Schock über Trump sitzt im traditionell eher linken Hollywood eben noch immer tief.

Bereits am Freitag protestierten rund 2.000 Menschen vor der United Talent Agency (UTA), eine der größten Agenturen Hollywoods, die Stars wie Gwyneth Paltrow und Angelina Jolie vertritt, berichtet Spiegel Online. Die Party, die die UTA normalerweise um diese Zeit im Jahr feiert, wurde abgesagt. Agenten, Schauspieler, Autoren und Regisseure - darunter Michael J. Fox, Kristen Wiig und Jodie Foster- versammelten sich lieber zum Anti-Trump-Protest. "Ich gehöre nicht zu denen, die sich wohl fühlen, ihr Gesicht für politische Zwecke einzusetzen", sagte Jodie Foster bei ihrer Rede. "Aber es ist jetzt alles anders. Es ist Zeit, sich zu zeigen!"

Protestbewegung aus Kalifornien

Überhaupt wird Kalifornien aktuell zum Zentrum des Widerstands gegen Trump. Im bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat entschieden sich nur 31,5 Prozent der Wähler für den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner. Kalifornien steht beispielhaft für den demografischen Wandel Amerikas: 40 Prozent der fast 40 Millionen Einwohner sind Latinos, jeder Vierte ist außerhalb der USA geboren. Viele Arbeitsmarktsektoren sind von Einwanderern abhängig - auch die Filmindustrie.

Da scheint es nur folgerichtig, dass Trumps radikale Pläne für die Abschiebung undokumentierter Einwanderer in Kalifornien auf besonders heftigen Widerstand stoßen. Auch auf anderen Gebieten erscheint das wirtschaftsstarke Kalifornien als Antithese zu Trumps Politik. Der US-Bundesstaat ist führend im Klimaschutz und im Bereich der erneuerbaren Energien.

In den Filmen des Jahres 2016 hat sich der lauter werdende Widerstand freilich noch nicht niedergeschlagen. Dafür zeigten die Diskussionen aus der Vergangenheit Wirkung. Nachdem im Vorjahr kritisiert worden war, dass sich kein einziger schwarzer Künstler unter den Nominierten befand, wurde nun die Oscar-Akademie diversifiziert. Mehr als 600 Menschen wurden neu nominiert, darunter mehr Frauen und nicht-weiße Künstler.