Susanne Schnabl-Wunderlich.

© Kurier/Franz Gruber

Kultur
01/31/2019

ORF-Journalistin Schnabl kämpft für neue Streitkultur

Die "Report"-Moderatorin plädiert für Gespräche gegen die allgemeine Aufgeregtheit.

von Nina Oberbucher

„Es ist eine lautstarke Aufgeregtheit feststellbar“, sagt Susanne Schnabl, ORF-Journalistin und Moderatorin des Politmagazins „Report“. In ihrem Buch „Wir müssen reden“ (2018) hat sie sich mit dem Thema Streitkultur auseinandergesetzt. Warum uns diese anscheinend fehlt, erklärt Schnabl im Gespräch mit dem KURIER: „Ich glaube, das hat unter anderem mit dem Geschwindigkeitsrausch der Digitalisierung zu tun, mit dem Reflex, in Echtzeit alles sofort zu kommentieren“, so Schnabl. „Ich lese sehr selten: Ich habe dazu noch keine Meinung oder muss mir erst eine bilden. Mir kommt vor, die Meinung ist oft schon da, bevor die Frage gestellt wurde. Das führt zu einer Unerbittlichkeit – nicht nur im digitalen Diskurs.“

Soziale Medien will Schnabl aber nicht verteufeln:Ob die Empörung durch sie verstärkt werde oder nur sichtbarer geworden sei,  „das ist die Henne-Ei-Frage“.

Keine Patentrezepte

Fest steht für Schnabl, dass das Denken nach einem Freund-Feind-Schema  niemanden weiterbringt: „Man hat dadurch keinen Erkenntnisgewinn.Und wenn man sich über alles empört, was bleibt dann übrig für die Dinge, die wirklich empören sollten, wie soziale Ungerechtigkeit oder der Klimawandel?“

Was also tun?

„Patentrezept habe ich leider keines“, sagt Schnabl. Sie plädiert für eine „demokratische Grundkompetenz“, die „manche erst erlernen müssen und manche wieder lernen müssen“. Dazu gehöre, sich verschiedene Meinungen anzuhören, diese auch auszuhalten und sich nicht beleidigt zurückzuziehen. Denn das führe nur zu einer Schweigespirale, dazu, dass sich die gemäßigte Mitte gar nicht mehr zu Wort melde. „Wenn  man am Ende einer Diskussion sagen kann ,We agree to disagree‘ (Wir sind uns einig, dass wir und nicht einig sind),  ist das auch ein Ergebnis.“

Gespräche lassen Fronten bröckeln

Wie eine gesunde Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Standpunkten  aussehen kann, war bereits zwei Mal im „Report“ zu sehen, wo  Schnabl Menschen, die sich in Alter, Beruf, Herkunft und politischer Einstellung unterscheiden, zum Gespräch am Runden Tisch lud. „Beide Male gab es jeweils  zwei, die total konträrer Meinung waren und anfangs sehr konfrontativ auftraten. Nach der Sendung sind die zusammengestanden und haben noch eifrig weiterdiskutiert. Und zwei haben sogar Kontaktdaten ausgetauscht.“

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