Olivia de Havilland als reiche Tochter und Montgomery Clift als Brautwerber: „Die Erbin“ von William Wyler 

© © NBC Universal

Kultur
12/13/2021

Olivia de Havilland auf Arte: Unscheinbare Schönheit

Ein Schwerpunkt auf Arte zeigt ein Doku-Porträt und den besten Film der herausragenden Schauspielerin: „Die Erbin“ von William Wyler.

von Alexandra Seibel

Entdeckt hat sie Max Reinhardt. Er engagierte sie im Jahr 1934 als Zweitbesetzung für seine Theaterinszenierung von Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“. Als die Rolle der Hermia dann überraschend frei wurde, sprang sie ein und war bei der Premiere so nervös, dass ihr der frisch getrunkene Tomatensaft aus dem Magen ins Gebüsch der Kulisse kippte: „Danach hatte ich kein Lampenfieber mehr“, erinnert sich Olivia de Havilland leutselig in der Doku „Olivia de Havilland. Unbeugsam und so charmant“ (heute, Montag, 22.05 Uhr, Arte).

Als Olivia de Havilland vergangenen Juli im sensationellen Alter von 104 Jahren starb, erlosch mit ihr der letzte Star aus dem klassischen Studiosystem der „Goldenen Ära Hollywoods“.

Wenn man nur einen einzigen Film gesehen hat, in dem Olivia de Havilland eine prägende Rolle spielt, dann wahrscheinlich das Großereignis „Vom Winde verweht“ von 1939. Die spektakuläre Verfilmung von Margret Mitchells Südstaatenroman mit Vivian Leigh und Clark Gable in den Hauptrollen brachte ihr ihre erste Oscarnominierung als beste Nebendarstellerin ein.

Berühmte Schwestern

Olivia de Havilland spielt Melanie Hamilton, selbstlose Freundin der egozentrischen Scarlett O’Hara, von der sie fälschlicherweise denkt, sie sei ihre beste Freundin. Mit ihrem herzförmigen Gesicht, den zärtlichen braunen Augen und der schmelzenden Stimme verkörpert de Havilland den weiblichen Inbegriff von Mitgefühl und Güte.

Sie habe „ein Gehirn wie ein Computer, der sich hinter Rehaugen verbirgt“, sollte Studioboss Jack Warner später von ihr sagen.

Warner hatte de Havilland für sieben Jahre unter Vertrag genommen, in denen sie sich vielfach unter ihrem Wert schlagen musste. Acht Filme spielte sie an der Seite von Herzensbrecher Errol Flynn, mit dem man ihr ein Verhältnis nachsagte, was sie aber immer zurückwies.

Es war übrigens ihre Schwester Joan Fontaine, ebenfalls Schauspielerin, die Olivia für die Rolle der Melanie vorschlug. Den berühmten Schwestern wurde zeit ihres Lebens ein rivalisierendes Verhältnis nachgesagt.

Als das Angebot kam, für „Vom Winde verweht“ vorzusprechen, musste sich die Schauspielerin heimlich zum Termin schleichen, weil sie vertraglich immer noch an Jack Warner gebunden war. Dieser tobte und schäumte, als ihn de Havilland bat, für den Produzenten David O. Selznick arbeiten zu dürfen. Erst, als de Havilland Warners Frau Anne auf ihre Seite ziehen konnte, gab er schließlich nach.

Doch das letzte Wort war nicht gesprochen: In einem aufsehenerregenden Gerichtsprozess setzte Olivia de Havilland ein bahnbrechendes Gesetz durch, das die Knebelverträge der Schauspieler mit den Studios neu regelte.

Farblos

Olivia de Havilland spielte oft farblose, treuherzige Mädchen, doch konnte sie hinter der Fassade der Gutmütigkeit unversehens ein eisernes Emotionsgerüst aufziehen. Die Wandlung vom liebreizenden Mädchen zur rächenden Frau hat sie virtuos in William Wylers herausragendem Drama „The Heiress“ (1949, auf Deutsch: „Die Erbin“) vorgeführt und dafür einen Oscar bekommen. Der Film (heute, 20.15 Uhr, Arte) gilt als ihre beste künstlerische Arbeit.

Catherine ist eine junge, unscheinbare Frau, die mit ihrem dominierenden Vater in einem vornehmen Haus lebt. Plötzlich taucht ein gut aussehender Mann – Montgomery Clift! – auf und wirbt um ihre Hand, doch ihr Vater vermutet sofort Erbschleicherei. Als Catherine zu der bitteren Einsicht kommt, dass sie weder von ihm noch von ihrem Verehrer geliebt wird, verwandelt sich ihre glühende Gutmütigkeit in ein kaltes Schwert, mit dem sie ihre Beziehungsbande durchtrennt.

Großes Kino mit der großen Olivia de Havilland.

Olivia de Havilland

Die Schauspielerin wurde  1916 in Tokio als Tochter britischer Eltern geboren und war die Schwester von Joan Fontaine. Sie wurde 104 Jahre alt und war eine Filmlegende der „Goldenen Ära Hollywoods“

Karriere

1935 wurde sie von Max Reinhardt entdeckt.  Mit Errol Flynn   spielte sie in acht Filmen. Für ihre Rolle der Melanie Hamilton in dem Filmklassiker „Vom Winde verweht“ (1939) erhielt eine Oscarnominierung

2 Oscars

Für ihre Rollen in „Mutterherz“ (1946) und „Die Erbin“ (1949) bekam sie je einen Oscar als beste Hauptdarstellerin

 

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