Ein internationales Künstler-Komitee war zu Besuch in Nordkoreas Haupstadt Pjöngjang: Eine Reise voller Missverständnisse (21.45/Arte)
 

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Kultur
08/14/2019

"Nordkorea – Kunst im Schatten der Bombe" auf Arte

In "Nordkorea – Kunst im Schatten der Bombe" (21.45/Arte) versuchen Künstler unter Überwachung einen kulturellen Austausch. Eine Reise voller Enttäuschungen.

von Marco Weise

Das Kunstverständnis der westlichen Welt hat im Land des erzwungenen Lächelns keine Gültigkeit. Denn kaum eine andere Gesellschaft lebt so abgeschottet wie Nordkorea. Im Reich der Kims darf man nur weinen, wenn ein Diktator stirbt. Und nur so malen, wie es der geliebte Diktator schätzt. Diverse moderne Kunstströmungen und allgemeinbekannte Paradigmenwechsel in der Malerei, Architektur und Musik der vergangen 100 Jahren spielen dabei keine Rolle. Wer etwa bildende Kunst an der Hochschule studiert, fertigt nur jene Kunst an, die sich auch für Propagandazwecke nutzen lässt. Diese von Fotos abgemalten Bilder gleichen aufgrund ihrer Farbwahl und künstlerische Gestaltung oftmals einem Drogentrip, als wären sie auf LSD entstanden.

Austausch von Kunst

Einen Auszug davon bekam man im Wiener MAK im Jahr 2010 zu sehen. „Blumen für Kim Il Sung. Kunst und Architektur aus der Demokratischen Volksrepublik Korea“ hieß die damals durchaus umstrittene Ausstellung, die eine Auswahl von 100 Ölbildern, Tuschmalereien und Aquarellen, rund 30 Plakaten sowie Architekturentwürfen aus dem kommunistischen Nordkorea zeigte.

„Kunst ist die einzige gesellschaftliche Kraft, die es vermag, Grenzen zu überwinden“, wird der damalige MAK-Direktor Peter Noever zitiert. Ein Statement, das sich sechs Jahre später wohl der Norweger Morten Traavik zu Herzen nahm, denn er reiste nach zwei Jahren intensiver Planung 2017 mit anderen Künstlern aus verschiedenen Ländern nach Pjöngjang. Er wollte wissen: Ist Austausch durch Kunst möglich unter den Bedingungen einer Diktatur? Wie kann sich Kunst in einem Land wie Nordkorea entwickeln? Und was kann man im Austausch mit nordkoreanischen Künstlern erreichen? Organisiert und überwacht von staatlichen Organen versuchten sie eine Woche lang mit der lokalen Kunstszene zusammenzuarbeiten. Sie wollen ihre zeitgenössischen Werke in einem Land präsentieren, in dem es keine abstrakte Kunst gibt. Es entwickelt sich eine Reise voller Missverständnisse, ein Abenteuer zwischen enttäuschten Erwartungen und unerwarteten Begegnungen, die mit einer Kamera dokumentiert wurden.

Das Ergebnis dieses Versuchs des kulturellen Austauschs ist heute, Mittwoch, um 21.45 auf Arte zu sehen: In „Nordkorea – Kunst im Schatten der Bombe“ sieht man den Zusammenprall zweier völlig unterschiedlicher Welten. Der Versuch des künstlerischen Austauschs scheitert zwar, dennoch ist die Doku gewinnbringend. Und unterhaltsam. Das liegt u. a. an den unfreiwillig komischen Dialogen: „Gibt es in Nordkorea schwule Männer?“, fragt der chinesische Fotograf Quentin Shih seinen Aufpasser. Der erwidert kopfschüttelnd: „Schwule und Lesben sind ein Produkt des Kapitalismus.“