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Kultur
09/18/2019

Nikolaus Bachler zu den Osterfestspielen: "Man muss das Ding reformieren“

Der künftige Chef des Salzburger Festivals über Reformen, sein Konzept und den Konflikt mit Christian Thielemann.

von Gert Korentschnig

„Ich habe mein ganzes Leben entweder ein großes Haus oder ein großes Festival geleitet. Jetzt freue ich mich auf diese spezielle Konzentration: Höchste Intensität in zehn Tagen.“ Das sagt Nikolaus Bachler, erfolgreicher Intendant der Bayerischen Staatsoper München, im KURIER-Interview über seinen neuen Job in Salzburg. In den Jahren 2021 und 2022 ist er Geschäftsführer der dortigen Osterfestspiele, ab 2023 auch alleiniger künstlerischer Leiter. Dann verlässt Christian Thielemann die Osterfestspiele mit seinem Residenzorchester, der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Das hat der Aufsichtsrat der Osterfestspiele beschlossen – definitiv ein voller Erfolg für Bachler.

Monatelang war zuletzt über einen Konflikt zwischen ihm und Thielemann über die künstlerische Letztentscheidung gesprochen und geschrieben worden. „Über die Wahrheit spricht aber niemand“, so Bachler. Die wäre? „Ich wurde eingeladen, weil man das Ding reformieren muss. Seit 52 Jahren hat sich bei der Struktur der Osterfestspiele nichts geändert. Aber diese Struktur ist versteinert. Und es gab zuletzt Abwärtsbewegungen. Die Osterfestspiele brauchen daher eine grundsätzliche Reform.“ 1967 wurden sie von Herbert von Karajan für sich selbst und die Berliner Philharmoniker gegründet.

Wechselnde Orchester

Bachlers Konzept für die Zukunft sieht unter anderem vor, dass es jedes Jahr ein anderes Spitzenorchester in Salzburg gibt. Nach dem Abzug der Berliner Philharmoniker nach dem 2010 ausgebrochenen Finanzskandal Richtung Baden-Baden hatten die Dresdner übernommen. Aber welche Orchester rechtfertigen Kartenpreise jenseits der 400 Euro für eine Opernaufführung? Bachler: „Erstens haben die Sommer- und die Osterfestspiele mittlerweile die selben Preise. Zweitens brauchen wir natürlich die allerbesten Orchester. Ich werde mich sehr bemühen, diese zu bekommen.“ Auch die Berliner oder die Wiener Philharmoniker? „Ich werde mit allen reden.“ Ist es aufgrund des neuen Berliner Chefdirigenten Kirill Petrenko, der bei Bachler Musikdirektor in München ist, für ihn leichter, diese zu engagieren? „Es ist eine Ente, dass ich Berlin schon in der Tasche habe. Die Berliner Philharmoniker sind zur Zeit auf Baden-Baden festgelegt. Aber ich bemühe mich natürlich um sie. Aber auch Dresden kommt in meinem Konzept vor.“

Inhaltlich will er das Festival erweitern, auch um andere Genres wie Tanz oder geistliche Musik. „Im Idealfall beginnt der Tag für einen Besucher mit Kammermusik und endet mit Jazz.“

Ist das finanzierbar? „Ich werde es finanzierbar machen.“ Durchaus auch mit Koproduktionen, freilich nicht mehr ausschließlich mit Dresden. Was Bachler nämlich nie verstanden hat: „Dass man in Salzburg für eine ,Meistersinger’-Aufführung 480 Euro zahlt und ein halbes Jahr später in Dresden für die gleiche Besetzung 80 Euro.“

Über den Konflikt mit Thielemann, der sich zuletzt um ein „Lohengrin“-Dirigat 2022 (zu dem es kommt) drehte, sagt Bachler: „Ich habe mit Thielemann in Bayreuth geredet und gefragt: Warum ,Lohengrin’? Das ist doch die Oper, die er zuletzt so oft, in Bayreuth und in Dresden, dirigiert hat. Warum also nicht ,Tannhäuser’ oder ,Der fliegende Holländer’? Am nächsten Tag habe ich in der Zeitung gelesen: ,Bachler verbietet Thielemann ,Lohengrin’. Das ist keine Basis für eine Zusammenarbeit.“ Er hätte sich „bemüht, Thielemann mitzunehmen“. Reformen seien jedoch schwer mit einem Bild des Alleinherrscher und Zampanos, wie unter Karajan vor 50 Jahren, vereinbar.

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