Wird von Frankreich an die Stiasny-Erben restituiert: "Rosen unter Bäumen" von Gustav Klimt (Ausschnitt)

© Musee d' Orsay

Kultur
02/28/2022

Nicht sehr fair: Zwei Apfelbaum-Bilder für die Stiasny-Erben

Trenklers Tratsch: Die Lederer-Erben baten die Regierung um ein Einschreiten, doch Andrea Mayer will keinen "diplomatischen Affront"

von Thomas Trenkler

Anfang 1998 wurden in New York zwei Bilder aus der Sammlung von Rudolf Leopold beschlagnahmt. Daraufhin begann in Wien die Provenienzforschung. Das ist fast ein Vierteljahrhundert her. Und fast ebenso lange zieht sich die Apfelbaum-Geschichte hin.

Im Herbst 2000 empfahl der Rückgabebeirat aufgrund fragwürdiger Indizien die Restitution des Bildes „Apfelbaum II“ von Gustav Klimt an die Erben nach Nora Stiasny. Die Provenienzforscherin Monika Mayer hegte zwar Zweifel und informierte ihren Chef, Belvedere-Direktor Gerbert Frodl. Doch die damalige Kulturministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) scheute davor zurück, die bereits gefällte Entscheidung zu revidieren: Sie verschenkte 2001 „Apfelbaum II“. Die Hintergründe hat man bis heute nicht untersucht. Und es gab natürlich auch keine Konsequenzen.

 

Längst weiß man, dass Nora Stiasny ein anderes Apfelbaum-Bild gehört hat. Es heißt „Rosen unter Bäumen“ und befindet sich im Musée d’Orsay. Am 15. Februar beschloss Frankreich ein Gesetz, dass die Restitution an die Stiasny-Erben gestattet. Die Übergabe habe, so deren Anwalt Alfred Noll, im Laufe eines Jahres zu erfolgen.

Den „Apfelbaum II“ müssten die Erben eigentlich der Republik Österreich zurückerstatten. Schließlich gaben sie im November 2001 eine Haftungserklärung ab. Doch sie haben das Bild längst verkauft und den Erlös aufgeteilt; auch der Anwalt bekam sein Honorar. Und die Republik unternahm nicht viel. Weil das Bild ohnedies verloren wäre? Wirklich alle Indizien sprechen dafür, dass „Apfelbaum II“ August und Serena Lederer gehört hatte.

 

Ein Teil der Lederer-Erben, zwei Brüder, sieht nun eine Chance, doch noch zu seinem Recht zu kommen. Dessen Anwalt Stefan Nenning forderte Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer auf, „Rosen unter Bäumen“ vor der Ausfolgung an die Stiasny-Erben sicherstellen zu lassen. Dieses sei eben „der einzig greifbare Vermögenswert, der der Republik gegenüber der Erbengruppe nach Nora Stiasny zur Sicherung und Durchsetzung des Anspruchs aus der fälschlich erfolgten Rückgabe von ,Apfelbaum II‘ zur Verfügung“ stehe. Der Staat müsse jetzt eingreifen, da nicht ausgeschlossen sei, dass die Stiasny-Erben nicht auch dieses Bild sofort verkaufen. Eine Inaktivität käme einer Amtspflichtverletzung gleich, „da der Republik ein Vermögenswert in zweistelliger Millionenhöhe vorhersehbar verloren gehen“ würde.

Der KURIER bat Andrea Mayer um eine Antwort. Sie fiel erwartungsgemäß aus: „Eine ,Einmischung‘ Österreichs in diesen Vorgang käme einem diplomatischen Affront gleich.“ Man tut also nichts. Und: „Nur, weil bei der Übereignung von ,Apfelbaum II‘ ein folgenschwerer Irrtum passiert ist, bedeutet das ja nicht, dass die Restitution von ,Rosen unter Bäumen‘ weniger gerechtfertigt wäre.“

Das ist richtig. Aber Journalisten traten vor einem Vierteljahrhundert für Gerechtigkeit und Wiedergutmachung ein. Es ist wohl nicht in ihrem Sinn, dass die eine Erben-Gemeinschaft zwei Apfelbaum-Bilder erhält, die andere keines.

Dies dürfte auch den Stiasny-Erben bewusst sein. Es sei daher, so deren Anwalt, von ihnen beschlossen worden, vom Milliardär Bernard Arnault den „Apfelbaum II“ zurückzukaufen, um ihn der Republik zurückstellen zu können. Doch dessen Fondation Louis Vuitton hätte leider nicht reagiert. Die Frage, ob er bloß Mails an contact@fondationlouisvuitton.fr schrieb oder mehr unternahm, ließ Noll offen.

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