Seit 4. Mai der Arbeitsplatz von Alex Spörl: die Zentrale der Bundestheater

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Kultur
05/13/2020

Neuer Art-for-Art-Chef: "Ich finde die Dissertation auch nicht"

Trenklers Tratsch: Axel Spörl nimmt ausführlich zu seiner Promotion Stellung; die Ausführungen halten dem Gegencheck nicht stand.

von Thomas Trenkler

Der Wahrheit auf die Spur zu kommen, ist mitunter vertrackt.

Am 7. April wurde bekannt gegeben, dass Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne) Dr. Axel Spörl zum Geschäftsführer der Bundestheater-Servicegesellschaft „ART for ART“ ab Mai ernannt hat.

Am 16. April teilte der „Plagiatsjäger“ Stefan Weber Lunacek und Christian Kircher, dem Chef der Bundestheater, mit, dass er beauftragt worden war, die Dissertation von Spörl zu prüfen. Er hätte keinen Hinweis auf deren Existenz finden können. Eine von Spörl angegebene Hochschule hätte ihr Promotionsrecht erst nach dem angeblichen Datum der Promotion erhalten.

Am 29. April wurde der KURIER über eigenartige Geschichten aus Spörls Leben und Webers Sachverhaltsdarstellung in Kenntnis gesetzt.

Ihr Tratschpartner begann zu recherchieren (den ersten Teil der Ergebnisse lasen Sie in der Dienstagsausgabe). Christian Kircher sagte ihm, er hätte die von Spörl vorgelegte Promotionsurkunde der Universität Würzburg geprüft, es sei alles in Ordnung. Aber ich solle doch Axel Spörl selber kontaktieren.

Am 1. Mail schrieb ich dem neuen Geschäftsführer: „Es wurde das Gerücht verbreitet, dass Sie keine Dissertation geschrieben hätten – also den Doktortitel zu Unrecht tragen würden. Ich bitte Sie um eine Stellungnahme. Es wäre sehr freundlich, wenn Sie mir den Titel Ihrer Dissertation verraten und vielleicht als Scans die ersten Seiten mailen könnten. Hilfreich wäre zudem, wenn Sie mir mitteilen könnten, wo und wann Sie promoviert wurden.“

Spörl antwortete am gleichen Tag umfänglich und freundlich (in Kopie an Kircher): „Ich habe meine Dissertation 1992 als wissenschaftliche Arbeit an der Hochschule für Tonkunst in Würzburg bei Prof. Julian von Karolyi und seinem Nachfolger Prof. Hollfelder begonnen. Der Titel der Arbeit lautet ,Mathematische Analyse axiomatischer Phänomene in der klassischen Harmonielehre und Kompositionstechnik’.“ Dann folgen tieflotende Ausführungen zur Fragestellung.

Spörl weiter: „Da die Hochschule für Tonkunst seinerzeit kein Promotionsrecht hatte, habe ich die Arbeit im Oktober 1995 an der Universität Würzburg, Fakultät für Mathematik und Informatik, bei Prof. Vollrath verteidigt. Das Datum auf meiner Promotionsurkunde (Anlage 4) gibt den Tag der Verleihung an, das war der 6. Februar 1996.“

Spörl nimmt auch zum Gutachten Stellung, das ihm zur Kenntnis gebracht worden war: „Es sagt im Grunde aus, dass Herr Dr. Weber meine Dissertation im Internet nicht findet. Das ist korrekt, ich finde sie auch nicht. Sie müsste eigentlich vorhanden sein. Es ist momentan schwierig, dieses Phänomen zu klären, aber ich bin der Erklärung auf der Spur (...) Mein Exemplar meiner Dissertation liegt bei der Familie meiner Frau in Bayern. (...) Meine Schwiegereltern sind am Dachboden unterwegs und werden die ersten Seiten fotografieren. Ich reiche Ihnen diese Fotografien unverzüglich nach, noch dieses Wochenende. Parallel dazu habe ich heute Schreiben an die Universität Würzburg und die Hochschule für Tonkunst verschickt, um (...) eine Bestätigung der Ordnungsmäßigkeit meiner Dissertation zu erhalten.“

Der Gegencheck bringt das Ergebnis: In Würzburg gibt es keine Hochschule für Tonkunst; Peter Hollfelder und Julian von Károlyi lehrten an der dortigen Hochschule für Musik. Beide sind tot. Sie waren Pianisten, Spörl studierte eigenem Bekunden nach klassische Gitarre.

Am 4. Mai schreibe ich Spörl: „Darf ich Sie nochmals um einen Lebenslauf bitten? Und sind Ihre Schwiegereltern fündig geworden?“

Spörl antwortet umgehend, aber ausweichend: „Ich werde die Bundestheater-Holding notariell bevollmächtigen, alle meine Unterlagen an den beiden Würzburger Hochschulen einzusehen.“

Am 7. Mai frage ich wieder nach: „Sind Ihre Schwiegereltern am Dachboden fündig geworden?“ Spörl antwortet nächtens: „Ich habe an dieser Front das Gas rausgenommen. Zwei alte Menschen am Dachboden mit schlechter Beleuchtung. Die Bundestheater-Holding hat mit einer beglaubigten Vollmacht die Hochschulen angeschrieben. Das wird verbindliche Klärung bringen.“

Natürlich habe ich auch bei der Universität Würzburg nachgefragt. Antworten zu erhalten, ist mühsam. Corona und Kurzarbeit. Aber dann, zumindest mündlich: Die Würzburger Promotionsurkunden seien nicht, wie die von Spörl als Scan vorgelegte, auf Lateinisch. Sie seien vom Uni-Präsidenten und vom Dekan unterfertigt (und nicht nur vom Dekan wie jene von Spörl). Stefan Weber findet heraus: „Offensichtlich stellte nur die Uni Heidelberg lateinische Promotionsurkunden mit der Unterschrift des ,Decanus’ aus.“

Und Weber telefonierte auch mit dem von Spörl namhaft gemachten Hans-Joachim Vollrath. Der emeritierte Professor sagt laut Protokoll von Weber: „Nein, einen Axel Spörl, den kenne ich nicht. Und ich kenne alle meine Promovierten.“ Und zum Dissertationsthema sagt Vollrath: „Nein, zu dem Thema hat niemand bei mir promoviert. Ich hätte das auch nicht angenommen.“

Fortsetzung folgt – demnächst.

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