© Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Kritik
01/23/2021

"Nabucco" mit Domingo in Wien: "Happy Birthday“ inklusive

Verdis Oper für und mit Plácido Domingo.

von Peter Jarolin

Es waren Tränen der Rührung, die Plácido Domingo am Ende in den Augen hatte. Denn nach der Aufführung von Giuseppe Verdis „Nabucco“ ohne Publikum – nur wenige Medienvertreter waren zugelassen – stellte sich doch noch so etwas wie Geburtstagsstimmung ein. Zwar gab es beim Schlussvorhang nur imaginären Applaus, doch der Chor der Wiener Staatsoper stimmte auf offener Bühne ein „Happy Birthday“ für den nun offiziell 80-jährigen Ausnahmesänger an.

Extra für Domingo hatte Staatsoperndirektor Bogdan Roščić diesen „Nabucco“ angesetzt; via ORF III kann am Sonntag, ab 20.15 Uhr das Publikum wenigstens über die Bildschirme mit dabei sein. Und dabei wohl staunen. Denn Domingo ist und bleibt ein Phänomen.

Der ehemalige Tenor und nunmehrige Bariton brilliert mit einer körperlichen wie vokalen Virilität, die aber auch ein Hauch von Alter umweht. Dies ist für die Partie des erst größenwahnsinnigen, dann wahnsinnigen und letztlich geläuterten Nabucco nicht von Nachteil – Domingos überaus intensives Rollenporträt trägt diesem Umstand auch Rechnung.

Weltenwanderer

Stimmlich changiert Domingo zwischen tenoralen Ausflügen, baritonalen Anklängen und – wenn es einmal vielleicht notwendig ist – veritablem Sprechgesang. Die Kraft seiner Stimme, die physische Präsenz und die präzise Zeichnung des ambivalenten Charakters Nabucco sind auch mit 80 Jahren ein Genuss. Zumindest für den Autor dieser Zeilen, der Domingo auch in den vergangenen Jahren oft gehört hat, darf dieser Nabucco als eine der besten Partien des längst legendären Weltenwanderers gelten. Chapeau!

An Domingos Seite sind bei dieser TV-Aufzeichnung bewährte und neue Kräfte zu erleben. So demonstriert etwa der junge Italo-Brite Freddie De Tommaso als Ismaele, dass er ein echter tenoraler Gewinn für das Ensemble am Ring ist. So gibt der Bassist Riccardo Zanellato (Hausdebüt) einen sicheren Zaccaria, ebenso wie Szilvia Vörös die Partie der Fenena sehr souverän bewältigt. Anna Pirozzi wiederum ist eine gewaltige, mehr als durchschlagskräftige, nur in den Höhen etwas schrille Abigaille. Dan Paul Dumitrescu, Daniel Jenz sowie Aurora Marthens füllen die kleineren Partien gut aus.

Ein Sonderlob verdient der hervorragend einstudierte (von Thomas Lang) Chor der Wiener Staatsoper, der nicht nur mit dem populären „Va, pensiero“ begeistert. Wie auch Dirigent Marco Armiliato am Pult des packend aufspielenden Orchesters einen großen Anteil am Gelingen dieses „Nabucco“ hat. Armiliato ist (nicht nur) für Verdi einfach der richtige Dirigent und eine wahre Stütze für die Sänger. Dass Günter Krämers zeitlos-minimalistische Inszenierung auch nach fast zwei Jahrzehnten gut funktioniert, ist ebenfalls sehr erfreulich.

Womit wir noch einmal bei Plácido Domingo wären. Denn der Jubilar hatte bereits im Vorfeld seines runden Geburtstages mehrfach medial angekündigt, dass es stimmlich wie auch physisch immer noch geht, dass noch lange nicht Schluss sein soll. Nach diesem „Nabucco“ ist man fast geneigt, ihm das auch zu glauben.

 

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.