Kultur
16.11.2018

"MythBuster" Adam Savage im Interview: „Der beste Job der Welt“

Seine TV-Show „MythBusters“ war Inspiration für die Science Busters. Ein Interview über Münzen, die töten können, und Donald Trump.

Die MythBusters ließen einen Ballon aus Blei fliegen. Haben Verschwörungstheorien rund um die Mondlandung widerlegt. Einen Heizungsboiler in eine Rakete verwandelt. Versucht, mit offenen Augen zu niesen. Und einen Zementlastwagen zum Explodieren gebracht.

Mit ihrer TV-Show haben Adam Savage und Jamie Hyneman (zu sehen auch hierzulande auf dem Discovery Channel), selber beide keine Wissenschaftler, urbane Legenden wissenschaftlich getestet. Mit Explosionen, Kanonen und allerlei anderem Spaß. Und so nicht nur 14 Saisonen lang überaus gute TV-Unterhaltung geliefert, sondern auch junge Menschen für Wissenschaft begeistert.

Kommt Ihnen bekannt vor? Ja, auch für die heimischen Science Busters waren die MythBusters Inspiration. Und (nicht nur) deswegen bekommt Adam Savage am Freitag (23. 11.) im Stadtsaal in Wien den „ Heinz Oberhummer Award für Wissenschaftskommunikation“ verliehen. Und er macht eine Show mit den Science Busters.

KURIER: Kannten Sie die Science Busters?

Adam Savage: Ich wusste zuvor nicht, dass die Science Busters existieren! Ich war entzückt von dem, was sie machen.

Waren die MythBusters Ihre Erfindung?

Nein. Die Show wurde von einer Produktionsfirma in Sydney entwickelt. Sie konnte sich aber nicht leisten, für die Pilotfolgen eine Werkstatt zu bauen. Also suchten sie jemanden, der bereits eine hatte. Ich arbeitete da gerade in San Francisco für Warner Bros am Film „Matrix“. Jamie Hyneman rief mich im Frühling 2002 an und sagte: „Der Discovery Channel versucht eine Show namens MythBusters zu machen.“ Wir sandten denen ein Demo – das sich, aus heutiger Sicht, bereits sehr wie die spätere Show anfühlte. Sie mochten es sehr. Drei Wochen später drehten wir den Piloten – und hörten bis Ende 2015 nicht mehr auf.

Sie konnten dabei Dinge in die Luft jagen und den Menschen etwas beibringen. Klingt nach einem Traumjob.

Alles, was einem wichtig ist, ist zugleich der beste und der schwierigste Job der Welt. Es forderte uns bis ans Limit – auf die beste Art und Weise. Wir mussten am Anfang vieles entwickeln – Experimentabläufe, unsere Art zu moderieren. Es ging darum, etwas zu zeigen und nicht zu erzählen.

Hatten Sie ein Lieblingsexperiment?

Wir haben mehr als 2500 verschiedene Experimente durchgeführt. Mir blieben die in Erinnerung, bei denen ich am meisten gelernt habe. Gleich in der ersten Saison haben wir getestet, ob eine Ein-Cent-Münze, wenn man sie vom Empire State Building fallen lässt, genügend Geschwindigkeit bekommt, jemanden zu töten. Ich wuchs in New York auf – und hörte dort diese Legende. Ein Penny ist ein interessantes Objekt: Die Münze hat nicht nur eine maximale Endgeschwindigkeit, sie hat zwei. Eine, wenn sie mit der Vorder- oder Rückseite nach unten fällt, und eine andere, schnellere, wenn sie mit dem Rand nach unten fällt. Ich wollte aber nicht einfach diese Mathematik in die Kamera hineinerklären – ich wollte das zeigen. Niemand hatte zuvor ein derartiges Experiment gemacht. Ich verwendete meinen eigenen Windtunnel, um das zu zeigen. Für mich war das das erste Mal, dass ich eine eigene Versuchsanordnung entwarf, um dem Publikum ein Konzept verständlich zu machen.

Die Show wird viele junge Menschen näher an die Wissenschaft herangeführt haben – und vielleicht sogar Wissenschaftler-Karrieren ausgelöst haben.

Ja! Jene Menschen, die zu Beginn der Show in der Highschool waren, sind jetzt mit ihren Doktoraten fertig. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht Menschen treffe, die sagen, dass sie Ingenieur wurden oder in die Wissenschaft gingen, weil MythBusters ihnen gezeigt hat, wie viel Spaß das machen kann. Das berührt mich immer. Das ist der erstaunlichste Nebeneffekt dieser unglaublichen eineinhalb Jahrzehnte, die ich damit verbracht habe, all diesen verrückten Scheiß zu machen (lacht).

Wie war es, als die Show endete?

Wir hatten 14 Staffeln lang nur zwei bis drei Wochen Pause im Jahr. Es war wie ein Güterzug, wir haben permanent Experimente überlegt, gefilmt. MythBusters hat mich zu einem Wissenschaftler gemacht – mit oder ohne Abschluss. Als das aufhörte, habe ich für kurze Zeit den Verstand verloren (lacht). Es war wirklich hart. Ich hatte noch nicht einmal meine Frau getroffen, als wir zu filmen begannen. Als die Show endete, waren wir 13 Jahre lang verheiratet. Mein Leben nach dem Ende hatte nichts mit dem zu tun, wie es war, als wir begannen. Ich ging in meine Werkstatt und arbeitete. Am Ende der Woche sagte meine Frau: „Du bist genauso manisch wie damals, als du die Shows gemacht hast. Aber du machst die Shows nicht mehr.“ Ich sagte: „Ich weiß nicht, was ich sonst tun soll.“

Die Show endete 2016 – in dem Jahr, in dem Trump gewählt wurde. Der ist bekannt dafür, Fakten nicht an oberste Stelle zu reihen. Die Quoten der MythBusters gingen bereits zuvor schon zurück. Gibt es da eine Verbindung, verlieren die Amerikaner die Lust an der Wissenschaft?

Ich hoffe, dass Sie unrecht haben! Die Trump-Regierung ist nicht desinteressiert an Fakten. Sie ist aktiv brutal den Fakten gegenüber. Ich habe viele Tage im Weißen Haus bei Barack Obama verbracht – auf seine Bitte hin. Er spielte sogar in einer Episode mit. Dann die Trump-Regierung dort einziehen zu sehen war sehr verstörend. Es gibt dennoch, glaube ich, kein sinkendes Interesse an Wissenschaft. Aber eine radikale Veränderung darin, wie wir Medien konsumieren: Die Zahl der fernsehenden Menschen sinkt. Zu Beginn waren 1,5 Millionen Zuseher eine fantastische Quote. Am Ende waren schon 750.000 Seher fantastisch. MythBusters war eine lange Zeit ganz oben. Es war klar, dass das mal anders wird.

Mythenzerstörer

Adam Savage (51) drehte gemeinsam mit Jamie Hyneman 14 Staffeln der MythBusters. 2016 endete die Show. Savage ist derzeit auf seiner Webseite tested.com aktiv. Im Jänner folgt eine neue Show mit jungen „Mythbusters“. „Der Betreuer einer neuen Generation zu sein – das ist eine der erfüllendsten Aufgaben, die ich je hatte“, sagt Savage. Abseits der MythBusters hat Savage Modelle für prominente Filme aus den Reihen „Matrix“, „Terminator“ und „Star Wars“ gebaut.Er ist Skeptiker, Atheist, Freidenker und Humanist.

In Wien

Am 23. 11. bekommt er im Stadtsaal in Wien den mit 20.000 Euro und einem Glas Alpakakot dotierten „ Heinz Oberhummer Award für Wissenskommunikation“. Savage spielt dann mit den Science Busters eine Liveshow.

Info unter sciencebusters.at