"Mystery Hunt – Der Ball der Albertina": Infos und Buchung unter mystery.at. Preis pro Person: 38 Euro – inkludiert Spiel und Eintritt.

© © Philipp Lipiarski/Mystery Makers

Kultur
08/12/2019

"Mystery Hunt" kommt in die Albertina

Der dänische Spieleentwickler Mystery Makers lädt ab 21. August zur Schnitzeljagd in die Albertina.

von Marco Weise

Seit Oktober vergangenen Jahres kann man im Kunsthistorischen Museum auf den Spuren des Da-Vinci-Codes wandeln und in der ägyptisch-orientalischen sowie der Antikensammlung auf Rätseljagd gehen. Dem Ruf der Sphinx folgen auch zahlreiche Menschen, um im Rahmen eines Betriebsausflugs ihrer Arbeitskollegen besser kennenzulernen, die Laune im Büro zu verbessern oder um mit Freunden aus dem Alltag auszubrechen.

"Enterbrainment" nennen die Spieleentwickler des dänischen Unternehmens Mystery Makers ihren analogen Spaß, bei dem die jeweilige Gruppe Kuverts mit den Aufgaben erhält, die mit sozialer Kompetenz und Gruppendynamik zu lösen sind.

Ab 21. August kann man auch in der Schatzkammer der Albertina auf „Mystery Hunt“ gehen. Beim Spiel „Der Ball in der Albertina“ haben die Teilnehmer ein Ziel: In die kaiserliche Hofgesellschaft aufgenommen zu werden.

Der KURIER hat den Gründer von Mystery Makers zum Interview getroffen.

KURIER: Wie kam es zur Idee, Rätselspiele fürs Museum zu entwickeln?
Mads Lind: Die erste "Mystery Hunt" war ein Hochzeitsgeschenk für Freunde. Es war eine Schnitzeljagd durch ein Museum in Kopenhagen, die sehr gut angekommen ist. Danach habe ich mir gedacht, ich stelle das auch anderen via Internet gegen ein bisschen Geld zur Verfügung. Und das Angebot wurde dann von immer mehr Menschen genutzt. Für mich war das anfangs nur ein Hobby, das mir – neben meinem Job als Grafikdesigner – etwas Geld eingebracht hat.

Wie wurde das Hobby zum Business?
Die Entwicklung der Spiele hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen und ich konnte meiner täglichen Arbeit kaum noch nachgehen. 2012 habe ich dann mit mir selbst eine Wette abgeschlossen: Wenn ich beim Creative Business Cup gewinne, werde ich meinen Beruf als Grafiker aufgeben und ein Unternehmen gründen.

Sie haben den Wettbewerb gewonnen. Wie viele Museen werden derzeit bespielt?
Neben Dänemark ist Österreich das einzige Land, in dem bisher unsere Angebote genutzt werden können. Nach drei Schatzsuchen in Dänemark hat es uns nach Wien gezogen. In Kopenhagen gibt es vier Spielorte.

Was müssen die Museen zur Verfügung stellen?
Wir ändern nichts, wir bauen nichts um und stören den normalen Museumsbetrieb nicht. Die Museen haben keine Arbeit, keine Kosten. Sie müssen nichts machen, außer uns reinlassen, damit wir das Spiel entwickeln und anbieten können. Wir legen den Fokus nicht auf aktuelle Ausstellungen, die mit einem Ablaufdatum versehen sind. Uns interessieren mehr die Dauerausstellungen, die es in jedem Museum gibt und die oftmals von den Besuchern vernachlässigt werden – zu Unrecht, wie wir finden.

Braucht es bei Museen trotzdem Überzeugungsarbeit?
Ja, weil am Anfang die Skepsis überwiegt. Spätestens wenn sie es selber in einem anderen Museum ausprobiert haben, sind sie begeistert.

War das auch beim Albertina-Direktor der Fall?
Klaus Albrecht Schröder hat noch keine „Mystery Hunt“ ausprobiert – auch die in der Albertina nicht. Aber ich weiß, dass er das Projekt mag.


Wie lange laufen die Verträge, die mit den Museen abgeschlossen werden?
Die Verträge laufen über mehrere Jahre, weil die Entwicklung eines Spiels sehr viel Geld kostet. Da wäre es für uns ein großer Verlust, wenn wir das nur ein paar Monate in einem Museum anbieten könnten.

Wie lange dauert eine Spielentwicklung?
Meistens eineinhalb Jahre. Zuerst informieren wir uns ausführlich über das Museum, die Geschichte, die Atmosphäre, die aktuellen Ausstellungen. Danach arbeiten an einem Spiel fünf bis sechs Personen vier Monate lang sehr intensiv. Es werden alle Spielunterlagen per Handarbeit selbst gefertigt. Wir füllen alle Kuverts händisch und müssen das alles doppelt, dreifach kontrollieren, weil uns auf keinen Fall ein Fehler unterlaufen darf.

In Zeiten der Digitalisierung des Lebens gehen die Spiele einen völlig anderen Weg: Sie sind zu 100 Prozent analog. Ist das noch zeitgemäß?
Wir würden uns viel Zeit, viele Ressourcen und viel Aufwand sparen, wenn wir das Spiel in einer digitalen Version anbieten würden. Aber genau das wollen wir nicht. Digitale Elemente spielen bei uns keine Rolle. Wir wollen Interaktion zwischen den Menschen schaffen. Im Vordergrund steht gemeinsames Lösen von Rätseln, das nur im Team möglich ist. Miteinander kommunizieren, diskutieren, rätseln, lachen und Erfolge feiern. Dass man dabei das Smartphone nicht braucht, ist ein schöner Nebeneffekt. Wir romantisieren aber keineswegs die analoge Welt.

Gibt es eine Zielgruppe?
Nicht unbedingt, was man aber sagen kann, ist: Die Nutzer kommen verstärkt aus einer höheren Bildungsschicht, sind zwischen 25 und 55 Jahren alt. Wenn man sich die Statistiken ansieht, fällt aber besonders auf, dass vor allem Frauen im Alter um 35 Jahren die Initiative ergreifen und ihre Freunde oder Kollegen zu einer „Mystery Hunt“ motivieren.

Sind weitere „Mystery Hunts“ geplant?
Wir sind bereits mit weiteren Museen in Europa, vor allem in Deutschland im Gespräch. Mehr kann ich dazu aber noch nicht sagen. In Wien wird es – und so viel steht bereits fest – in naher Zukunft eine zweite Schatzsuche im Kunsthistorischen Museum geben. Wir wollen die Kunstkammer bespielen. Wann wir damit starten, weiß ich noch nicht genau, geplant ist aber einmal Mitte November.