Kultur
13.12.2017

Mynth: Gegen Routine und Herzschmerz

Das für ihr Debüt mit einem Amadeus-Award ausgezeichnete Geschwisterduo veröffentlicht mit "Parallels" sein zweites Album.

Oft sind es Erlebnisse oder Begegnungen, die den Stein ins Rollen bringen und eins zum anderen führen. So einen Schlüsselmoment hatten unlängst Mynth, ein aus Salzburg stammendes und mittlerweile nach Wien übersiedeltes Duo der Zwillinge Giovanna und Mario Fartacek: "Als wir von unserer Mexico-Tour zurückfliegen wollten, war das Flugzeug beschädigt und wir mussten bzw. durften weitere 48 Stunden in Mexico bleiben, allerdings in einem Hotel am Flughafen mit schlechter Aussicht. Wir versuchten diese Wartezeit zu nutzten und begannen an einem neuen Song zu basteln", sagt Giovanna im KURIER-Interview. Entstanden ist daraus "Smog", ein verhalten euphorisches Pop-Liebeslied.

Das dazugehörige Album nennt sich "Parallels", wurde vor einigen Tagen veröffentlicht und hat wesentlich mehr Gefühlsebenen zu bieten als der wehmütige Erstling "Plaat II". Die geheimnisvollen und unnahbaren Momente sind nun zwar nicht verflogen, aber immerhin versucht das Duo die Stimmung zu heben – manchmal mit Optimismus, manchmal mit Galgenhumor. "Uns gefiel einfach der Gedanke, mit der Melancholie, die wir so gerne haben, zu spielen – sie auf den Arm zu nehmen", sagt Giovanna Fartacek.

Im Großen und Ganzen sind die zehn neuen Songs auf "Parallels" eine Fortsetzung ihres 2014 eingeschlagenen Weges, der ihnen heuer bereits den Amadeus Austrian Music Award in der Kategorie "Electronic/Dance" einbrachte. Trotzdem wollte man nicht einfach so weitermachen, sich selber kopieren.

Umstellung

"Der Plan war es, Song-orientierter zu arbeiten, und die Essenzen mehr herauszuarbeiten", antwortet Giovanna auf die Frage nach der gewünschten Veränderung. Entstanden seien die neuen Stücke hauptsächlich auf der Gitarre. "Wir wollten, dass das Songgerüst steht, bevor wir ins Studio gingen. Um sich nur ja nicht zu wiederholen, tauschten Mynth noch alle bisher eingesetzten Synthesizer aus und stellten den Drumcomputer in die Ecke. Er wurde durch ein Schlagzeug ersetzt. "Die Umstellung war gar nicht schwer, im Gegenteil, sie hat uns kreativ angeregt", erklärt Giovanna. "Zudem haben wir diesmal alle Instrumente live eingespielt und weniger gesampelt."

Diese Neuheiten verleihen "Parallels" eine poppige Schlagseite, neue Lockerheit und wohltuende Frische, die nicht via tanzbarer "4-to-the-floor"-Rhythmen, sondern verspielter und gebrochener Beats angereichert wird. Zu gebrochenen Beats passt ein gebrochenes Herz: Textlich geht es um Selbstreflexion, Trennung und Herzschmerz. "Jedoch haben wir auch hier versucht, mit diesen Themen zu spielen. Denn sie gehören eben zum Leben dazu", sagt Giovanna Fartacek.