Mario und Giovanna Fartacek sind Zwillingsgeschwister und machen als Mynth  zusammen Musik.

© /Matthias Hombauer

Kultur
02/06/2016

Schwermut und Pop: Mynth als Newcomer der Stunde

"Plaat II" nennt sich das elektronisch geerdete, elegische und verspielte Debüt der Zwillinge.

"Es ist wahnsinnig schön mit seinem Bruder eine Leidenschaft teilen zu können", sagt Giovanna Fartacek im KURIER-Interview, denn mit keinem mache sie so gerne Musik wie mit ihm. Ihr Zwillingsbruder heißt Mario, und gemeinsam sind sie Mynth, ein Elektropop-Duo aus Salzburg, das in Wien zusammenlebt und arbeitet.

Durch diese Nähe entstehen natürliche Reibungspunkte, die sich dann aber in Grenzen halten. "Streitereien gibt es immer, aber das ist einfach unser Temperament und das ist gut so, denn so kommt es gar nicht erst dazu, dass sich irgend etwas Unausgesprochenes aufstaut", sagt Giovanna.

Umwege

Als temperamentvoll kann man den Sound, den das Zwillingspaar seit rund zwei Jahren forciert, aber nicht beschreiben. Die zwölf Songs auf ihrem am Freitag veröffentlichten Debütalbum "Plaat II" haben zwar einige wunderschöne Pop-Momente zu bieten, aber es überwiegt der Schwermut: schleppende Beats treffen auf zähe, atmosphärisch-dichte und mystisch klingende Synthesizerklänge. Über dieser Melancholie schwebt der sanfte, zerbrechliche Gesang Giovannas, der mehr liebevoll gehaucht als kraftvoll intoniert wird.

Zur elektronischen Musik hat das in Salzburg aufgewachsenes Zwillingspaar erst über Umwege gefunden: "In meiner Schulzeit habe ich grundsätzlich viel mit klassischer Musik zu tun gehabt. Später habe ich mich dann mit Indie- und Rockmusik befasst und seit einigen Jahren hänge ich ziemlich an der elektronischen Musik fest", sagt Giovanna. Und Mario komme ursprünglich vom Stonerrock über Nine Inch Nails zur elektronischen Musik.

Zeit zum Wachsen

Das Songwriting läuft bei Mynth meistens nach dem gleichen Schema ab: "Ich fange mit einem Beat an und dann arbeiten wir gemeinsam weiter. Die Lyrics und die Gesangslinie macht dann Gio", wie Mario seine Schwester liebevoll nennt.

Die tragende Säulen ihrer Arrangements sind Flächen und Melodien, die in Nummern wie "Lola" oder "Alive" dann Schicht für Schicht aufgebaut und aufgetragen werden.

Das Wichtigste sei ihnen, dass die Songs "wachsen, aufgehen, bei den Menschen ankommen, sie Gefühle auslösen und zum Nachdenken oder Nichtsdenken anregen", sagt Mario.

Für "Plaat II" muss man sich Zeit nehmen. Denn für einen Quickie für Zwischendurch, ein schnelles Date am Abend ist die Platte zu sperrig. Es ist zwar keine Liebe auf den ersten Blick, aber eine auf den dritten.

Mynth auf Tour

2. 4. - Rockhouse, Salzburg
15. 4. - Weekender, Innsbruck
16. 4. - Orangehouse, München
21. 4. - Kino, Krems
22. 4. - Röda, Steyr
23. 4. - Orpheum, Graz
28. 4. - Grelle Forelle, Wien