Metallica heute: Das "Black Album" machte sie zu Superstars auf Lebenszeit.

© Kurier/Franz Gruber

Kultur
08/11/2021

Metallicas "Schwarzes Album": Als der Metal stubenrein wurde

Vor genau 30 Jahren erschien die Platte, die in der Rockmusik alles veränderte.

von Guido Tartarotti

Der 12. August 1991 veränderte die Welt.

Nein, das ist natürlich eine glatte Lüge. In Wahrheit passierte an diesem Tag ... nichts. Fast nichts. Die UdSSR (für die Jüngeren: das war der Staat, vor dessen Atombomben wir in den Achtzigerjahren mehr Angst hatten als vor dem Klimawandel)erklärt den direkten Handel zwischen den einzelnen Sowjetrepubliken für zulässig. Die Fluglinie Delta schnappt sich wesentliche Teile der kollabierten Pan Am.  In Holbæk kommt der dänische Handballspieler Mads Mensah Larsen zur Welt, der gerade in Tokio mit einer Silbermedaille seinen Hals schmücken durfte.

Und das Album „Metallica“ der Gruppe Metallica erscheint, auch bekannt als das „Black Album“. Es stieg direkt auf Platz eins der amerikanischen Hitparade ein. Und es hat vielleicht nicht den Lauf der Welt verändert – aber definitiv den Lauf der Rockmusikgeschichte.

 

Der Teufel hat Pause

Die Platte machte Heavy Metal – vorher eine starke, aber doch auf Insider-Gruppen beschränkte Subkultur – zum Massenphänomen und die Band zu den Königen des Stadionrock. Sie brachte unzählige Menschen (das Album ist mit mehr als 30 Millionen verkauften Exemplaren das erfolgreichste Stück Schwermetall aller Zeiten) dazu, sich mit Musik zu befassen, die vorher als vertonte Teufelsanbetung und als Verstoß gegen die Bürgerpflichten galt.

Andererseits verdarb sie vielen jungen Metal-Fans den Spaß: Mit Metal konnte man plötzlich nicht mehr seine Eltern schrecken, denn die fanden, diese Musik passe doch wunderbar zur neuen Wohnzimmer-Sitzecke.

Paradox: „Metallica“ machte Metallica zu Weltstars, gleichzeitig mussten sie sich von ihren „echten“ Fans anhören,  verweichlicht und kommerziell geworden zu sein. James Hetfield sang auf einmal, anstatt zu bellen, dazu gab es neumodischen Kram wie Melodien, wo sich vorher die Gitarre wie eine Flex durch den Sound sägte – war das überhaupt gesetzlich erlaubt?

Das Jahr 1991 war in der Rockmusik eine Zeit des Umbruchs. Es erschienen richtungsweisende Platten wie „Use Your Illusion I & II“ von Guns N’ Roses, „Blood Sugar Sex Magik“ von den Red Hot Chili Peppers, „Out Of Time“ von R.E.M., „Achtung, Baby“ von U2. Und natürlich „Nevermind“ von Nirvana, das dem Rock die Leopardenfellimitathosen auszog und den Grant zur wesentlichen Inspirationsquelle machten.

Enthärtung

Auch Metallica – damals die Vorstandsvorsitzenden des Thrash-Metal, also der Musik gewordenen Muskel- und Seelenverhärtung – spürten, dass sich etwas ändern musste. Seit ihrem ersten Album „Kill ’Em All“ von 1983 hatten sie ihren Stil verfeinert. Die Songs ihrer jüngsten Platte „...And Justice For All“ waren dermaßen kompliziert, dass die Musiker selbst wenig Freude daran hatten, sie live zu spielen.

Also engagierten sie für ihre neue Platte den Produzenten Bob Rock (was für ein Name!), der bisher mit Teddybären wie Bon Jovi, Veteranen wie Aerosmith oder Gaudimaxen wie Mötley Crüe gearbeitet hatte. Schon dieser Schritt galt in der Szene als Tabubruch.
In einem sehr schwierigen, konfliktbeladenen Produktionsprozess brachte Rock die Band dazu, ihre Songs radikal auf das Wesentliche zu beschränken. Das Ergebnis waren großartige Lieder wie das auf einem Riff des Leadgitarristen Kirk Hammett beruhende „Enter Sandman“, die Richtung Herz greifende Ballade „Nothing Else Matters“ oder schwer arbeitende Geräte aus der Rock-Werkzeugkiste wie „Sad But True“.

Die Rechnung ging auf: Das groß klingende, hart und weich zugleich ins Ohr drängende Album mit dem ikonografischen schwarzen Cover wurde ein Welthit.

Drastische Folgen

Die Folgen waren drastisch: Metallica erholten sich nicht  mehr von ihrem Erfolg, es gelang ihnen nie wieder etwas vergleichbar Wichtiges, aber sie blieben bis heute die Vorstandsvorsitzenden des Stadionrock.

Und der Heavy Metal war endgültig als Musik etabliert, die auch in Werbespots nicht mehr unangenehm auffiel.

 

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