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Interview
12/26/2020

Meryl Streep über das "beste Gefühl der Welt“ (und ein grauenhaftes Date)

Die Schauspielerin über ihren neuen Film, Inspiration und einen bekannten Narzissten.

von Elisabeth Sereda

Sie gilt als die beste Schauspielerin, nicht nur ihrer Generation, sondern seit Bette Davis und Katherine Hepburn. Und es gibt wenig, was sie noch nicht gemacht hat.

Vielleicht mit Ausnahme von Musicals, für die sie eine nicht so geheime Liebe empfindet. Man erinnere sich an die Phase vor über 20 Jahren, als Meryl Streep ihrem Unmut über die Besetzung von Madonna als Evita Ausdruck verlieh.

Ryan Murphy, der Mann hinter der Highschool-Musical Saga „Glee“, hat das nie vergessen und kontaktierte seine Ikone Meryl für den Musicalfilm „The Prom“ (zu sehen bei Netflix).

Und die Streep ist happy, dass sie endlich ausgiebig singen und tanzen darf.

KURIER: Sie spielen einen Broadwaystar, der, um PR für sich selbst anzufeuern, eine Kampagne gegen Diskriminierung bei einer Highschool-Prom startet. Wo verschieben sich die Grenzen von Narzissmus und Ego bei Menschen im Showbusiness?

Meryl Streep: Die meisten Menschen, die ich im Showbusiness kenne, überspielen damit ihre gigantischen Unsicherheiten. Wenn ein Schauspieler sagt, „eigentlich bin ich ganz furchtbar scheu“, ist das nicht gelogen. Die Bühne oder die Kamera gibt ihnen eine Chance, all das zu tun, was sie sich in Wirklichkeit nie trauen würden. Es hat mir einen Riesenspaß gemacht, eine große, fette Narzisstin zu spielen. Wir hatten ja jetzt vier Jahre täglich so ein Exemplar vor Augen, und der war nicht mal ein Entertainer. Man muss hier die Inspiration nicht lange suchen.

War es schwierig, sich in Ihre Rolle hinein zu versetzen?

Nein. Man kann sich über Narzissten und ihr aufgeblasenes Ego sehr leicht lustig machen, und es bringt jeden zum Lachen. Sehr viele Komödien beruhen auf dieser Prämisse. Und es ist mindestens ebenso witzig, so jemanden zu spielen. Dee-Dee ist eine Diva, und sie kommandiert die Szene, den Raum, als ob es ihr Königreich wäre. Ich kann so etwas nicht, aber es war super, es zu spielen.

Welche Diva hat Sie inspiriert?

Liza Minnelli. Ich studierte Schauspiel auf der Yale Universität und schlich mich eines Abends davon, um „Liza with a Z“ am Broadway zu sehen. Ich konnte mir nur die billigste Karte ganz hinten oben leisten, aber Liza hatte die Power, ihren Auftritt auch bis ins letzte Eck hineinzutragen. Und das hat mich gelehrt, wie viel Kraft und Großzügigkeit man als Theaterschauspieler haben muss, um dem Publikum wirklich etwas zu bieten. Sie hat mich, die Schauspielstudentin, inspiriert. Wie keine andere.

Sie erzählten uns mal, dass Sie eigentlich Opernsängerin werden wollten, nicht Schauspielerin…

Ja, in sehr jungen Jahren. Aber dafür fehlt mir wirklich die Stimme. Was nicht heißt, dass ich nicht schon immer sehr gern gesungen habe. Ich liebe es.

Eine Prom ist so etwas Wichtiges für Teenager in den USA, aber mit Ausnahme der Maturafeier gilt das nicht für den Rest der Welt. Was sind Ihre Erinnerungen an Ihre erste Prom?

Meine erste Prom war mit 14, und ich ging mit einem Senior, also einem 18-Jährigen als Date hin. Ich war schrecklich aufgeregt. Meine Mutter hatte mir ein Kleid genäht, mit Spaghettiträgern. Ich sah perfekt aus, Kleid, Make-up, Frisur. Mein Date holte mich ab und öffnete die Autotür, und ich stieg ein, setzte mich hin und stretchte dabei das Kleid wohl ein bisschen zuviel, und beide Träger rissen. Ich versteckte die Träger in meinem BH und so tanzte ich die ganze Nacht, während ich mein Kleid festhielt, damit ich nicht in der Unterwäsche dastand. Es war grauenhaft.

Im Film geht es um Diskriminierung eines lesbischen Pärchens, das nicht zur Prom eingeladen wird. Wann ist Ihnen zum ersten Mal Diskriminierung aufgefallen?

Ich war 11, es muss also in der zweiten Klasse Gymnasium gewesen sein. Mein Musikprofessor wurde eine Frau. Ich habe eine kleine Schule in New Jersey besucht. Und er war trans. Sie haben ihn von der Schule gefeuert. Er ist bei seiner Familie geblieben, bei seiner Frau und seinen Kindern und hat den Beruf gewechselt. Er war einer meiner Lieblingslehrer und es war mir völlig gleichgültig, ob er ein Mann oder eine Frau war. Und ich konnte nicht verstehen, warum er dafür bestraft wurde. Das hat mir die Augen geöffnet, und ich habe begonnen, die Welt mit anderen Augen zu sehen.

Sie haben im Laufe Ihrer Karriere so viele Preise gewonnen (177! darunter drei Oscars und acht Golden Globes), dass Sie wohl allein dafür einen Lkw brauchen, wenn Sie umziehen. Was bedeuten Ihnen Preise?

Preise gewinnen wird nie langweilig. Das ist eine Auszeichnung deiner Arbeit, dass du gesehen und geschätzt wirst. Wenn ich mir die jungen Leute in „The Prom“ ansehe, Ariana DeBose und Jo Ellen Pellman, und ihr junges Talent, dann ist das alles so frisch, so neu. Und ich kann die Preise, die noch auf sie zukommen werden, spüren. Ich kann’s kaum erwarten für sie. Dass sie das Gefühl haben gesehen zu werden. Das ist das beste Gefühl der Welt.

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