"Menandros & Thaïs": Walkjanker und Kettenhemd

Filmgeschichte…
Foto: /Burg-Kino Jessyca R. Hauser als entführte Braut  in dem deutsch-tschechischen Sandalenfilm „Menandros & Thaïs“

Österreichisch-tschechischer Sandalenfilm zwischen Persien und Ebensee: "Menandros & Thaïs".

So sehr haben sie sich auf die Hochzeitsnacht gefreut – das schöne, frisch vermählte Paar Menandros und Thaïs. Gerade wollen sie zur Umarmung schreiten, da wird die Braut von Piraten gekidnappt. In seiner ersten Wut wirft Menandros einen alten Mann aus dem Rollstuhl, doch bald wird im klar: für die archaische Macht seiner Gefühle bedarf es der Wucht des Mythos. Flugs zieht er seinen Anzug aus und legt stattdessen einen Kettenrock an. Mit gezücktem Schwert macht er sich auf die Suche nach der geraubten Braut.

"Menandros & Thaïs" ist Kind der Liebe einer österreichisch-tschechischen Freundschaft. "Größtmöglichen Spaß" sollte das Filmprojekt machen, verlauteten die Regisseure Antonín Šilar und Ondřej Cikán – Jugendfreunde mit Jahrgang 1986 und 1985 – und ein "ordentlicher Schinken" werden; diesen verarbeiteten sie nach dem Drehbuch von Cikán und Anatol Vitouch zu einer Mischung aus "Erotik und Kostümabenteuer, Grausamkeit und Romantik".

Bordell

Alles da, in "Menandros & Thaïs", einem blutlustigen Sandalenfilm zwischen Experimentaltheater und Schundroman. Entstanden ohne Fördermittel und mit Minimal-Budget, arbeiteten die mehr als 300 Mitwirkenden aus dem tschechisch-österreichischen Team fünf Jahre ohne Honoraranspruch; stattdessen wurden die meisten der Beteiligten Miteigentümer des Films.

Eingebettet in die Gegenwart, aber mit Ausflügen in die Antike, sucht Menandros die Geliebte, die auf dem Weg ins Bordell durch ihr Schicksal stolpert. Zwischen wackeligen Handkamerafahrten, abstrakten Tableau-Aufnahmen, luftigen Sexfilmchen und trashigen Kampfszenen, entwerfen die Regisseure einen unterhaltsamen Bilderreigen – abwechselnd auf Deutsch und Tschechisch.

Mal im Walkjanker, mal im Kettenhemd treten die Protagonisten auf und ab; manche davon sind Zwerge, andere Hexen, die aussehen wie tschechische Pensionistinnen. Zwei Reitpferde namens Susi und Resi leisten dem Helden treue Dienste. Und nachdem Menandros seine Thaïs geschlagene zwei Stunden lang nicht finden kann, ist er am Ende gar nicht sicher, ob ihm Resi nicht schon längst näher steht als die verlorene Geliebte.

"Menandros & Thaïs" – zu sehen im Wiener Burg-Kino (bis 23. Juni).

(kurier) Erstellt am
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