Die neuen "Kinder vom Bahnhof Zoo", ab Freitag (19. Februar) als Serie bei Amazon Prime Video. Die österreichisch-australische Schauspielerin Jana McKinnon (Mitte) schlüpft in die Rolle der Christiane F.

© Amazon/Constantin Television/Mike Kraus

Kritik
02/19/2021

"Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" als Serie: Junkies in bunten Farben

Die Serie "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" erzählt die Geschichte von Christiane F. neu. Ab Freitag bei Amazon Prime Video.

von Nina Oberbucher

Wer sich an das grausig-graue Berlin aus der Verfilmung von "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" (1981) erinnert, muss sich hier kurz umgewöhnen. Ab heute (Freitag) ist "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" als Serie bei Amazon Prime Video zu sehen. In acht Episoden erzählt sie noch einmal die Geschichte von Christiane F., die in den 70ern für Aufsehen sorgte: Mit 14 Jahren war sie heroinabhängig, ihre Sucht finanzierte sie auf dem Kinderstrich.

Ihr Schicksal wurde zum Buch, später zum Film und nun zur Serie. Und da sind Berlin und die Protagonisten stylish, chic und bunt. Was aber kein Fehler ist. Wer hätte schon Lust, sich rund sieben Stunden lang pure Tristesse anzusehen? Man muss deswegen keine Angst haben, dass Drogenkonsum als harmloser Spaß dargestellt wird. Der Absturz kommt auch hier. Nur eben in anderen Farben.

Die Macher der Serie (Produzenten Oliver Berben und Sophie von Uslar, Drehbuchautorin Annette Hess, Regisseur Philipp Kadelbach) verstehen ihr Projekt als Neuerzählung und nicht als Remake. Und so entfernen sich die neuen "Kinder vom Bahnhof Zoo" immer wieder von der Vorlage. Im Mittelpunkt steht erneut Christiane (die österreichisch-australische Schauspielerin Jana McKinnon), doch nun bekommen auch andere Jugendliche mehr Raum, wie Stella (Lena Urzendowsky) und Babsi (Lea Drinda).

Die Serie nimmt sich Zeit, zu erzählen, aus welch schwierigen Familien sie stammen – Stellas Mutter ist Alkoholikerin, Babsi kann den Erwartungen ihrer unterkühlten Großmutter nicht gerecht werden – und zeigt glaubhaft, warum Drogen so verlockend auf sie wirken. Das lässt sich über mehrere Episoden naturgemäß nachvollziehbarer darstellen als in einem Film. Ebenso gut sieht man, wie sehr das Umfeld der Jugendlichen unter der eigenen Hilflosigkeit leidet. 

Zeitlich ist die Serie nicht eindeutig verankert. Die Basis bilden die 70er, dazwischen schummeln sich aber immer wieder neuere Songs und moderne Sneakers hinein. Wohl um zu zeigen, dass die Sorgen und Probleme der Jugendlichen – wenn auch heute andere Drogen eine größere Rolle spielen als Heroin – allgemeingültig sind.

Manchmal verliert sich "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" ein wenig in surrealen Träumereien (etwa als eine seltsame Figur Christiane Heroin serviert), nicht alle Nebenrollen sind überzeugend. Als Christianes Vater (Sebastian Urzendowsky) zum ersten Mal mit einem Strauß Blumen in der Hand auftaucht, ist man nicht ganz sicher, ob er nicht auch ihr Love Interest sein könnte – zu jung wirkt er. Auch dass sich z. B. die Jugendlichen in der eher gemächlichen Auftaktepisode alle zufällig am Bahnhof Zoo über den Weg laufen, kommt einem in einer Großstadt wie Berlin etwas unwahrscheinlich vor.

Doch die Serie nimmt im Verlauf immer mehr Fahrt auf und fesselt, nicht zuletzt dank der drei Hauptdarstellerinnen. Die anfangs kindlich wirkenden Gesichter werden immer abgeklärter und trauriger. Im Zentrum steht bald nicht mehr ihre Freundschaft, sondern nur noch der nächste Schuss. Und die ständige Gefahr, dass der Tod, der gleichzeitig ein hipper DJ ist, sie eines Tages mitnehmen könnte. 

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