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© ORF/Thomas Ramstorfer

Kultur Medien
12/16/2021

"Vorstadtweiber": Serienweise Abschiede und Ausblicke in der Vorstadt

Die Präsentation der letzten Staffel der "Vorstadtweiber" war auch einer der letzten Auftritte von Alexander Wrabetz als ORF-Generaldirektor. Für die Zeit nach dem Serienhit ist bereits ein neues Serienprojekt in Arbeit.

von Peter Temel

Es war zwar nicht Döbling, aber doch in der Vorstadt, wo am Mittwochvormittag auf die finale Staffel der ORF-Serie „Vorstadtweiber“ (Start am 10. Jänner auf ORF1) eingestimmt wurde.

Im Penzinger Lorely-Saal wurde unter Einhaltung des 2G-Plus-Standards zu einer Pressekonferenz mit den Darstellern Nina Proll, Maria Köstlinger. Hilde Dalik, Alma Hasun und Bernhard Schir geladen. Kreativkopf und Autor Uli Brée und einer der Regisseure, Harald Sicheritz, waren ebenfalls vor Ort.

Zwei-Generaldirektoren-Treffen

Aber wenn es die laut Aussendung eine der „erfolgreichsten fiktionalen ORF-Benchmark-Produktionen der vergangenen Jahre“ zu feiern gibt, dann ist es wenig verwunderlich, dass die ORF-Spitze gleich in doppelter Ausführung anrückt. Noch-Generaldirektor Alexander Wrabetz und der designierte Generaldirektor Roland Weißmann saßen, so wie die anderen Gäste durch vier Sitze coronakonform voneinander getrennt, im Auditorium. Weißmann blieb allerdings als Noch-Chefproducer in der Rolle des Zuschauers und überließ Wrabetz die Bühne für einen seiner letzten öffentlichen Auftritte als ORF-Chef.

Und Wrabetz wies auch darauf hin, dass die letzte Staffel noch in seiner Amtszeit produziert wurde. Die Zahl der insgesamt vom ORF in seiner fünfzehnjährigen Amtszeit produzierten und koproduzierten Serienfolgen gab er mit zirka 1.215 an, davon stammten 61 von den „Vorstadtweibern“. Nicht nur der Titel hätte ihn - auch als Döblinger - am Anfang zweifeln lassen. „Aber es wurde so wunderbar realisiert, dass ich nach wie vor in Döbling aus- und einreisen kann“, sagte Wrabetz. Und die Benennung als „Vorstadtweib“ sei für Schauspielerinnen mittlerweile „eine Art Ehrentitel“.

Emotionaler Abschied bei Zechner

„Ich bin ein Vorstadtweib“ (im Stil Kennedys ausgesprochen), sagte die nächste Rednerin, Kathrin Zechner, also folgerichtig. Sie musste nicht nur ein Mal tief durchschnaufen. Es ist für sie nicht nur die finale Staffel der „Vorstadtweiber“, sondern auch die letzte Pressekonferenz als ORF-Programmdirektorin. „Aller Abschied ist schwer“, sagte sie. Und das trifft wohl nicht nur auf die TV-Serie zu.

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Bei so vielen Abschieden stellt sich die Frage, wie es im Bereich Fiction im ORF weitergeht. „Vorstadtweiber“-Produzent Oliver Auspitz bezeichnete Wrabetz-Nachfolger Weißmann als „würdigen Nachfolger“, der „vielleicht auch etwas drauflegen kann“, meinte aber: „Die Latte liegt hoch.“ Wrabetz sei „ein Ermöglicher“ gewesen, „der weiß, dass gute Fiction Geld kostet“.

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Alterserscheinungen

Wie auch in einem bei der Präsentation gezeigten Trailer zu sehen ist, werden die „Vorstadtweiber“ in der finalen Staffel mit Alterserscheinungen konfrontiert. Da fragt eine junge Dessous-Vertreterin Wally, Nicoletta und Sonia: „Habt ihr eigentlich noch Sex?“

„Gerade bei den Vorstadtweibern, wo es viel um Äußerlichkeiten geht, ist das natürlich ein Thema, das man aufgreifen muss“, sagt Drehbuchautor Uli Brée zum KURIER. Nach sechs, sieben Jahren sei es nun aber „auch irgendwann einmal gut", meint Brée. "Dann sind wirklich alle einmal im Koma gelegen und alle haben miteinander geschlafen. Es ist gut, die Figuren jetzt so würdig verabschiedet zu haben.“ Es gebe jeweils „so einen kleinen, feinen Ausblick auf die Zukunft der Weiber am Ende. Und das ist schön.“

Was sich das Publikum von der finalen Staffel erwarten darf? Drei Hauptdarstellerinnen geben Einblick.

Maria Köstlinger (Wally Steinberg) sagt: „Viel Lustiges und einiges Melancholisches. Schon in den ersten fünf Folgen spitzt es sich Richtung Finale zu, und man spürt, dass es zu einem spannenden Countdown kommen und jede Figur mit einer Geschichte überraschen wird.“

Nina Proll (Nicoletta Huber) gibt erste Einblicke in die Handlung: „Die ‚Vorstadtweiber‘ suchen wieder mal ihr Glück. Nicoletta im Speziellen bekommt die Torschlusspanik und beschließt, dass ein Kind die einzige Chance für die wahre Liebe ist. Also versucht sie mit allen Mitteln, schwanger zu werden, und möchte auch herausfinden, woran es bisher eigentlich gescheitert ist. Ich denke, dass sich diese letzte Staffel vom Flair her anfühlt wie die erste. Es geht wieder um Beziehungen und Freundschaften, es gibt ein Begräbnis, eine Hochzeit und ein Baby.“

Ines Honsel (Sonia Clementi): „Es wird in jeder Folge eine Überraschung geben, es wird wild, es wird großartig, und es sind Wendungen drin, und es tauchen Figuren auf, von denen niemand jemals geglaubt hätte, dass sie kommen oder wiederkommen.“

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Schauspielerin Maria Köstlinger sagt zum KURIER: „Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge. Es war eine unheimlich tolle und aufregende Zeit, diese Rolle war ein Geschenk, trotzdem ist es aber auch gut so. Wenn's am schönsten ist, soll man aufhören. Und Gott sei Dank ist es immer noch schön gewesen."

Nach "Vorstadtweiber" ist vor den "Biestern"

Ein Hintertürchen für allfällige (Weihnachts-)-Specials sei sicher noch offen, meint Mastermind Uli Brée, aber grundsätzlich wolle er sich anderen Projekten zuwenden.

Die nächste horizontale Serie, die er schreiben werde, solle jedenfalls bereits nach drei Staffeln ihr Ende finden, hat sich Brée vorgenommen. Derzeit arbeitet er gemeinsam mit Auspitz und Andreas Kamm an einer ORF-Serie mit dem Titel „Biester“, mit einer anderen, jüngeren Tonalität. Im Mai sei Drehbeginn. „Wir wollen aber bewusst keinen Abklatsch von den Vorstadtweibern machen“, sagt Brée. Es spiele in Wien, „und bei den Reichen und bei den Armen.“

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Im Gespräch mit dem KURIER fasste Generaldirektor Wrabetz noch einmal den Beitrag der „Vorstadtweiber" für die Fernsehgeschichte zusammen: „Es ist ein Format, das in Österreich extrem erfolgreich war, und über sechzig Folgen ein Millionenpublikum doch über sechs Jahre begeistert hat. Es war war auch international - im deutschsprachigen Raum und weit darüberhinaus - ein Erfolg, und ist damit in einer Reihe mit großen Serienerfolgen wie „Ein echter Wiener geht nicht unter“ und „Kaisermühlenblues“ zu sehen. "Vorstadtweiber" ist sicher jene Serie aus den letzten zehn Jahren, die am stärksten in Erinnerung bleiben wird.“

Wrabetz noch bei Stermann & Grissemann

Über den eigenen Abschied vom ORF sagt Wrabetz: „Mein letzter ORF-Auftritt wird in der Licht ins Dunkel-Sendung am 24. Dezember sein, und in der nächsten Woche bin ich bei ‚Willkommen Österreich‘ eingeladen. Nachdem ich die Sendung auch mitbegründet habe, riskiere ich’s.“ 

Seine Zukunftspläne werde er aber noch nicht bekanntgeben. „Es ist noch viel im ORF zu tun", meint Wrabetz, "ich werde das erst im Jänner machen.“

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