© Vöcklabruck/Ingo Pertramer

Kultur Medien
03/26/2021

Vater an Corona gestorben: Thomas Maurer bewegt mit Kabarettauftritt

In der Comedysendung "Die Tafelrunde" thematisierte der Kabarettist einen tragischen Todesfall in seiner Familie.

von Peter Temel

„Komödie ist Tragödie plus Zeit“ lautet ein Zitat aus dem Woody-Allen-Film „Verbrechen und andere Kleinigkeiten“. Kabarettist Thomas Maurer zitiert diesen Ausspruch am Beginn seines Auftritts in der ORFIII-Comedysendung „Die Tafelrunde“ vom Donnerstag (zum Nachsehen hier). „Irgendwann ist alles einmal - zumindest auch - lustig“, erklärt Maurer das Zitat genauer. „Wenn das stimmt, dann ist das eine gute Nachricht für all diejenigen unter uns, denen nach einem Jahr Lockdown langsam der Schmäh auszugehen droht.“

Zunächst glaubt man, es handelt sich um eine genreübliche Geißelung des Corona-Managements der Regierung, das Maurer mit einem besonders schlecht aufgeräumten Teenager-Zimmer vergleicht. Oder um eine Abrechnung mit Gegnern der Corona-Maßnahmen, die flammende Reden halten. Irgendwann werde man das alles vielleicht lustig finden, befindet Maurer.

Risikopatient

Aber der Kabarettist (aktuelles Programm: "Woswasi?") nimmt sich dann die heimische Impfpolitik genauer vor - anhand eines bestürzenden Beispiels.

Wenn jemand, wie sein 79-jähriger Vater, schon die große Sauerstoffflasche für zuhause verschrieben bekommt, dann sei er in Österreich als Risikopatient grundsätzlich für eine frühere Impfung vorgesehen. Grundsätzlich. Das sei bereits vergangenes Frühjahr „als Empfehlung, nicht als Anordnung“ ausgegeben worden. „Auf eine herzerwärmende Art österreichisch“ sei das, sagt Maurer bitter. So nach dem Motto: „Könntert’s ihr eventuell die zuerst impfen, die’s wirklich brauchen, wenn’s keine Umstände macht? Das wäre total nett.“

Erst kürzlich, als die Impfkampagne in Österreich schon angelaufen ist, sei diese Verordnung dann in Kraft gesetzt worden, sagt Maurer, aber nur als „verbindliche Leitlinie“ - „damit sich der Föderalismus nicht so kränkt“.

Ein Anruf

Vor zehn Tagen habe er dann einen Anruf erhalten. „Nur so als Faustregel“, sagt Mauer,  „wenn einem mitten in einer Pandemie das Spital sagt, man darf jemand um zehn Uhr in der Nacht in der Intensivstation besuchen, das ist normal kein gutes Zeichen.“

Die Benachrichtigung

Er habe dann seinen Covid-kranken Vater besucht, am nächsten Tag war er tot. „Das ist natürlich kein welthistorisch bedeutsames Ereignis“, sagt Maurer, sichtlich bewegt, „aber es ist, finde ich, doch schad', ich habe den ganz gern mögen.“

Maurer bringt seinen bemerkenswerten Stand-Up-Auftritt nun zu Ende. Und weil es „auch eine Schlusspointe braucht“, sagt er: „Zwei Tage später war dann eh in der Post die Benachrichtigung, dass er sich zur Impfung voranmelden kann.“

Er sei „schon neugierig“, ob irgendwann einmal, gemäß dem Woody-Allen-Zitat, der Tag kommt, an dem er auch das lustig finden kann.

Die Sendung endet mit Betroffenheit und Stille der anwesenden Kollegen.

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