Der 17-jährige Fabietto (ganz rechts) als Alter Ego von Regisseur Paolo Sorrentino

© Netflix

Streaming-Kritik
12/16/2021

"The Hand of God" auf Netflix: Diego Maradona als Lebensretter

Der italienische Regisseur Paolo Sorrentino erinnert sich an seine Jugend im Neapel der 80er Jahre

von Alexandra Seibel

Die ganze Stadt zittert vor Erwartung: Wird Diego Maradona Barcelona verlassen und nach Neapel kommen?

Sicher nicht, ist Fabiettos Vater überzeugt: „In dieses Scheißloch kommt er nie.“

Fabiettos Onkel Alfredo sieht die Sache dramatischer: „Wenn er nicht kommt, bring ich mich um.“

Auch Fabietto und sein Bruder fantasieren von Diego Maradona, seinen Fußballkünsten – und den Brüsten von Tante Patrizia.

Der italienische Filmemacher Paolo Sorrentino erinnert sich in „The Hand of God“, seinem – wie er selbst sagt – „intimsten und persönlichsten“ Film, an seine Jugend im Neapel der 1980er Jahre, dem Maradona-Wahn und die lärmende Großfamilie.

Sorrentinos Alter Ego ist der 17-jährige Fabietto, ein schwarzlockiger, schüchterner Teenager ohne Zukunftspläne. Sein Leben wird von den temperamentvollen Eltern – hinreißend gespielt von Tony Servillo und Teresa Saponangelo –, dem Bruder Marchino und den streitenden Verwandten bestimmt. Abends sieht sich die Familie gemeinsam „Es war einmal in Amerika“ auf Video an, während Marchino bei einem Filmdreh von Federico Fellini vorspricht und vom großen Meister höchst persönlich abgelehnt wird, weil er ein so gewöhnliches Gesicht habe „wie ein Kellner auf Anacapri“.

Sorrentino, Regisseur von „La Grande Bellezza – Die große Schönheit“ und der TV-Serie „The New Pope“, erzählt schnörkelloser und bescheidener als gewohnt, wenngleich seine Anklänge an Fellini und dessen Vorliebe für üppige Frauenkörper, nackte Brüste und gaffende Männer unübersehbar bleiben. Souverän inszeniert Sorrentino mit Tempo und Witz das Mobiliar an schrulligen Tanten, hinkenden Onkeln und übergewichtigen Cousinen als Familienaufstellung mit Hang zur Groteske, ohne die schmerzhaften Nebenwirkungen zu verschweigen. Ein tragisches Ereignis, bei dem Maradona eine wesentliche Rolle spielt, setzt Fabiettos verträumter Jugend schließlich ein Ende und weckt ihn ihm den Wunsch, im Kino weiter zu träumen – als Filmregisseur.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir wĂĽrden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfĂĽr keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und ĂĽberall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.